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Nicht erst Jugendliche werden mit Sexualität konfrontiert. Schon Zweijährige erkunden ihre Intimzone, Kindergartenkinder erproben sich in ihren Geschlechterrollen und Achtjährige entwickeln Schamgefühle. Familienleben.ch beleuchtet die Entwicklungsschritte und gibt praktische Tipps für Eltern.
Im Vorschulalter erkunden Kinder das andere Geschlecht.
Viele Eltern werden bei diesem Artikel skeptisch dreinblicken und sich fragen auf wie viele Aspekte sie bei der Kindererziehung achten müssen. Gesunde Ernährung, Leseförderung, Sprachschatz, genügend Bewegung - jeder Baustein hat Sinn und seine Berechtigung im pädagogischen Alltag mit Kindern und Jugendlichen. So auch die Sexualerziehung.
Die Grundlage der Eltern-Kind-Beziehung ist der Körperkontakt. Durch diesen bauen Babys einen Bezug zu ihren Eltern auf. Sie verstehen die Sprache der Eltern noch nicht, können sich nicht verbal ausdrücken. Auf den Arm nehmen, wiegen, tätscheln und «Streicheleinheiten» jeder Art vermitteln Geborgenheit. Das Baby bekommt das Gefühl einer sicheren Bindung vermittelt. So entwickelt sich seine Gefühlswelt, die Voraussetzung um Beziehungen zu anderen Mensch aufbauen und ihnen Vertrauen entgegenbringen zu können. Diese Erfahrungen in den ersten Lebensjahren sind entscheidend und später nicht mehr änderbar.
Kleinkind
Kleinkinder haben noch keine Tabuzone im Kopf, sie sind im Körperkontakt unbefangen, patschen der Oma an den Busen und hauen dem Vordermann an der Kasse auf den Po. Ab dem zweiten Lebensjahr steigt das Interesse für Ausscheidungen rasant an. Sie entdecken ihre Intimzone und den Schliessmuskel, stellen fest, dass sie diesen kontrollieren können. Beim Betasten der Geschlechtsorgane stellen sich erstes lustvolles Empfinden und Stimulation ein. Dieses Experimentieren und Erkunden gehören zu einer gesunden Entwicklung dazu. Aber dennoch ist es für den Grossteil der Menschen befremdlich, wenn ein Dreijähriger im Café, anstatt mit dem Kuscheltier zu spielen mit seinem Penis hin und her wedelt. Eltern sollten auf ganz ruhige Art und Weise dieses Verhalten unterbinden: «Das kannst du zuhause im Bett oder in der Badewanne machen, andere Menschen stört das.»
Kindergartenkind
In diesem Alter sind die allseits bekannten «Doktorspiele» in. Die Kinder entwickeln ein wachsendes Interesse am Körper: Sie gehen im Kindergarten zu zweit aufs Klo und finden es spannend zu beobachten, wie der Kindergartenfreund sein Geschäft verrichtet. Manchmal untersuchen sie ihre Körper sogar gegenseitig. In diesem Alter ist es sinnvoll als Eltern die Kinder im selbstbestimmten Umgang mit ihrem Körper zu bestärken: Akzeptieren Sie, wenn das Kind mal nicht in den Arm genommen werden will oder Küsse ablehnt.
In dieser Altersspanne üben Kinder ihre Geschlechterrollen und die damit verbundenen üblichen Verhaltensweisen ein. Mädchen kochen Mittagessen, windeln das Baby oder verkleiden sich als wunderschöne Prinzessinnen. Die Jungs rollen Autos hin und her, begeistern sich für Piratenbücher oder spielen Feuerwehr. Die wenigsten Mädchen spielen «Jungsachen» und andersrum genauso wenig. Eltern müssen sich keine Gedanken um veraltete Klischees machen und die Fünfjährige von den Vorteilen des wilden Piratendaseins überzeugen. Diese Rollenspiele sind sehr wichtig, sie helfen den Kindern ihre Geschlechterolle weiter zu festigen. Zudem ist der gegengeschlechtliche Elternteil besonders interessant: Mädchen buhlen um die Gunst des Vaters, Jungs möchten ihre Mama heiraten. Wenn sich das Kind für einige Zeit eher dem anderen Elternteil zuwendet, ist das normal und altersentsprechend und sollte mit Humor gesehen werden.
Primarschüler
Auch wenn es liebende Eltern ungern hören - spätestens ab dem 7. Lebensjahr werden sie es zu hören bekommen: «Mama, nicht küssen, das ist peinlich.» Auch das Kuscheln wird merklich nachlassen, denn der Nachwuchs wird zunehmend selbstständiger. War es früher vielleicht noch witzig dem zappelnden Fünfjährigen einen Abschiedskuss im Kindergarten aufzudrücken, müssen Eltern nun die Grenzen ihres Kindes akzeptieren, denn so langsam entwickelt sich das Schamgefühl. Diese Beachtung hilft dem Kind eine gesunde Einstellung zum eigenen Körper aufzubauen. Sie müssen lernen, Selbstwahrnehmung zu entwickeln: Wie, wo und von wem möchte ich berührt werden? Und dieses Empfinden nach aussen zu vertreten. Lernt ein Mädchen zu der Mutter, Vater, Bruder und Tante «Nein» zu sagen, testet es diese Verhaltensweise und wird sicher. Es kann so dem Mitschüler leichter klar machen: «An meinem Po hast du nichts verloren!» In diesem Alter beginnt auch das «Anbandeln» mit dem anderen Geschlecht. Zwar finden Mädchen Jungs total doof, finden es aber spannend geneckt zu werden.
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