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Erziehung ist ganz und gar nicht kinderleicht. Immer mehr Eltern fühlen sich durch gestiegene Ansprüche an eine gute Erziehung unter Druck gesetzt. Allein können sie die Probleme nicht lösen. An einer Fachtagung kamen Experten zum Schluss, dass die Kompetenz der Eltern zum Beispiel durch Elternkurse gestärkt werden muss.
Eltern wollen in der Erziehung ihrer Kinder nichts falsch machen und setzen sich unter Druck.
Ein Drittel der Eltern fühlt sich im Erziehungsalltag oft bis fast täglich gestresst, so das Ergebnis einer Studie der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung aus dem Jahr 2008. Zeitmangel, Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die Bildungserwartungen an ihre Kinder setzen die Eltern unter Druck. Elternschaft wird als immer schwerer zu bewältigende Gestaltungsaufgabe wahrgenommen, «die zudem mit steigenden Erwartungshaltungen verknüpft ist», so die Stiftung.
Hinzu kommt, dass die Veränderung des Erziehungsstils Elternschaft anspruchsvoller macht. Heute werden Kinder als gleichberechtigte Partner gesehen. Eltern interessieren sich für ihre Kinder, hören ihnen zu und diskutieren mit ihnen gemeinsam. Dabei werden auch verbindliche Regeln aufgestellt. «In der Praxis zeigt sich jedoch, dass gerade diese Aushandlungsprozesse im Familienalltag Eltern immer mehr an die Grenzen ihres erzieherischen Handelns bringen», schreibt Christine Henry-Huthmacher, Autorin der deutschen Studie.
Diese Studie nahmen Teilnehmer der Tagung «Eltern unter Druck – Kompetenzen sind gefragt», die am 9. September in Solothurn stattfand, zum Anlass, sich mit dem Thema Kurse zur Erziehung auseinanderzusetzen. «In einer Gesellschaft, in der man alles erlernt, ist es erstaunlich, dass man der Ausbildung der Eltern so wenig Bedeutung beimisst », erklärte Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz, Geschäftsführerin der Pro Familia Schweiz, welche die Tagung mit organisierte. Sie sei überzeugt davon, dass man Eltern hochqualifizierte Unterstützung zukommen lassen müsste. Familien bräuchten Orte der Eltern-Bildung und – Begleitung sowie Raum, um sich austauschen zu können (Lesen Sie dazu auch das Interview mit Kathie Wiederkehr).
Kathie Wiederkehr, Geschäftsleiterin der Stiftung Kinderschutz Schweiz, macht sich für gewaltfreie Erziehung stark. Foto: Zimmerling
Ein Projekt, welches Eltern in der Erziehung fördern möchte, stellte Kathie Wiederkehr, Geschäftsleiterin der Stiftung Kinderschutz Schweiz vor. Der Kurs «Starke Eltern – Starke Kinder», der von der Stiftung getragen wird, stellt das Thema gewaltfreie Erziehung in den Mittelpunkt.
Heute sehen noch 80 Prozent der Eltern Gewalt als geeignetes Erziehungsmittel an, sei es in Form einer Ohrfeige oder durch psychische Gewalt wie nicht mehr mit dem Kind reden. Vielen sei dabei aber nicht bewusst, dass ihre Art der Erziehung schon eine Form von Gewalt ist, sagte Wiederkehr. «Viele Eltern denken, eine Ohrfeige oder ein Kind anzuschreien, macht noch nichts.» Damit Eltern gewaltfrei erziehen könnten, bräuchten sie die Einsicht, dass Gewalt kein geeignetes Erziehungsmittel sei.
Um die gewaltfreie Erziehung zu fördern, will die Stiftung Kinderschutz Schweiz demnächst eine Kampagne zum Thema lancieren.
Der Elternkurs «Starke Eltern – Starke Kinder» will das Selbstvertrauen stärken und aufzeigen, wie Eltern Probleme im Alltag lösen können. Ziel ist, dass Eltern gewaltfrei erziehen lernen, also weder Druckmittel einsetzen noch ihre Kinder sich selbst überlassen, sondern anleitend und verständnisvoll erziehen.
Alain Clémence von der Universität Lausanne und Lucrezia Meier-Schatz von Pro Familia diskutierten über den Nutzen von Elternkursen. Foto: Zimmerling
Dieser partnerschaftliche Erziehungsstil, der auch unter dem Namen autoritativer Erziehungsstil bekannt ist, fördert die Selbstachtung der Kinder und hat einen positiven Einfluss auf ihre schulischen Leistungen. Das hat Professor Alain Clémence von der Universität Lausanne festgestellt. An der Tagung stellte er seine Forschungsergebnisse vor.
Er hatte wissen wollen, welchen Einfluss der Erziehungsstil auf die Schulleistungen hat. Dafür befragte er 500 Westschweizer Schüler im Alter zwischen 12 und 15 Jahren. Die autoritative Erziehung, bei der Kinder an familiären Entscheidungen beteiligt werden, wird von einem Drittel der Familien praktiziert. «Es wurde deutlich dass sowohl die schulische Integration als auch die Selbstachtung der Kinder steigt, wenn die Eltern sie bei Entscheidungen miteinbeziehen – dies unabhängig vom sozioprofessionellen Niveau der Eltern, der Sprache oder der familiären Situation», sagte Clémence.
Kinder, die zu Hause schon lernen, sich aktiv an Entscheidungen zu beteiligen und zu diskutieren, werden auch in der Schule motivierter sein, sich zu beteiligen. Doch Alain Clémence gibt mit einem Schmunzeln auch gern zu, dass das Diskutieren in der Familie, um gemeinsame Entscheidungen zu treffen, sehr zeitaufwendig sein kann. Zeit, die Familien heute immer seltener hätten.
Text: Angela Zimmerling im September 2011

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