
Die Diskriminierung junger Erwachsener ist stärker als die Diskriminierung der dritten Generation. »

Silvia Blocher hat acht Enkelkinder. Wie Sie die Ferien mit ihnen verbringt, berichtet sie in ihrer aktuellen Kolumne. »

Die Pflege von Angehörigen muss durch Förderung der Familienpflegezeit unterstützt werden, damit Kinder ihre Eltern und Grosseltern besser betreuen können. »
Rund eine Viertel Million Grosseltern betreuen regelmässig ihre Enkelkinder. Das ist für beide Seiten eine Bereicherung, solange man sich in Erziehungsfragen einig ist.
Grosseltern können positiv zur Erziehung der Enkelkinder beitragen, doch die Eltern müssen den Rahmen bestimmen.
«Die eigenen Kinder muss man erziehen und man trägt die ganze Verantwortung. Mit den Enkeln kann man alles viel lockerer nehmen.» Diesen Satz würden wohl die allermeisten Grosseltern ohne zu zögern unterschreiben. Sie geniessen die Zeit mit den Enkeln und sind meistens auch recht unternehmungslustig: Mal geht es in den Zoo, dann zum Würstlibraten in den Wald oder man macht einen Ausflug mit dem Zug.
Und Grosseltern sind aufmerksam und geduldig. Das ist ganz wichtig für die kindliche Entwicklung, denn Kinder lernen spielerisch und dafür brauchen sie Zeit. Sie wollen nicht nur einmal zusehen, wie der Stein, den sie ins Wasser geworfen haben, versinkt. Oder wie hoch man Bauklötze stapeln kann, bis der Turm umkippt. Und mit einer einzigen Runde «Eile mit Weile» ist es auch nicht getan.
Es ist ein Privileg der Grosseltern, das Enkelkind ein bisschen zu verwöhnen. Da gibt es auch mal ein Stück Schoggi zwischendurch oder das Kind darf mitten am Nachmittag eine halbe Stunde TV schauen, obwohl das zu Hause überhaupt gar nicht in Frage kommt. Die meisten Eltern tolerieren es, wenn es bei den Grosseltern etwas lockerer zu und hergeht. Aber wenn die Enkel zu sehr verwöhnt werden, man ihnen jeden Wunsch erfüllt und alles durchgehen lässt, kann es schon mal ungefreute Diskussionen geben. Immerhin steht in jedem Erziehungsratgeber, dass Konsequenz einer der wichtigsten Erziehungsgrundsätze ist.
Grundsätzlich gilt: Erziehung ist Elternsache. Sie regeln, wann es Zeit ist für ins Bett, wie viele Süssigkeiten das Kind bekommt und wie lange es vor dem Fernseher oder Computer höckeln darf. Und selbstverständlich teilen sie diese Regeln auch den Grosseltern mit. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass die Grosseltern bestimmen, wie es bei ihnen zu Hause zu und hergeht. Wenn sie also beispielsweise auf bestimmte Benimmregeln beim Essen bestehen, muss sich der Enkel dem beugen – auch wenn es diesbezüglich bei den Eltern lockerer zu und hergeht.
Solange die Erziehungsstile von Eltern und Grosseltern nicht zu weit auseinander klaffen, gibt es auch kaum Probleme. Idealerweise einigen sich aber Eltern und Grosseltern über die grundlegenden Ziele der Erziehung, bevor es zu Konflikten kommt. Dies gilt vor allem für alles, was den Eltern diesbezüglich besonders wichtig ist und worauf sie in jedem Fall bestehen. Manche Eltern möchten beispielsweise nicht, dass das man das Baby einfach schreien lässt, wie das früher üblich war.
Und auch in Sachen Sicherheit sollten die Eltern ihre Vorstellungen durchsetzen. Sie müssen also beispielsweise darauf bestehen, dass das Kind ausschliesslich im Kindersitz im Auto mitfährt, auch wenn es sich nur um eine kurze Strecke handelt. Im übrigen sollten Eltern aber ihren Kindern ein bisschen Verwöhnen gönnen – sehr oft ist es ihnen selbst bei den eigenen Grosseltern auch nicht anders ergangen.
Buchtipp: Reinhart Lempp, Enkel für Anfänger, Diogenes Verlag 2007, ISBN-10:3-257-06585-X
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Text: Marianne Siegenthaler

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