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Hilfe, mein Kind schlägt mich!

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Wenn  Kinder ihren Willen nicht bekommen, können sie unheimlich gemein werden. Manche Eltern haben das Gefühl, dass ihr Kind Psychoterror mit ihnen betreibt, weil es schreit und schlägt. Wie solche Verhaltensmuster korrigiert werden können, erklärt Denise Tinguely, Psychologin und Kursleiterin des Elternprogramms STEP. 

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Was, wenn das Kind schlägt und haut?

Wenn Kinder ihren Willen nicht durchsetzen können, toben und wütend sie oft. Doch was, wenn ein Kind schlägt und haut? Foto: Photodisc - Thinkstock

Manche Kinder toben und wüten, um zu bekommen, was sie haben wollen. Andere beschimpfen, beissen oder schlagen ihre Eltern. Viele Eltern fühlen sich von ihren Kindern terrorisiert und provoziert. Wollen Kinder ihre Eltern absichtlich ärgern?

Denise Tinguely: Kinder möchten grundsätzlich die Anerkennung und Zuwendung ihrer Eltern. Es können beim Kind aber irrtümliche Meinungen entstehen. Die Eltern verstehen das Verhalten ihrer Kinder oft nicht, halten es für Psychoterror und reagieren ungehalten, das Kind fühlt sich abgewiesen, schreit – und schon eskaliert das Ganze.

Haben Sie ein Beispiel?

Stellen Sie sich vor, ein Kleinkind steht vor dem Kühlschrank und schreit ständig fordernd: «Glace, Glace, Glace!» Die Eltern gehen immer wieder darauf ein: «Nein, du kannst jetzt kein Glace haben», «Nein, wir essen erst zu Abend», «Du sollst nicht dauernd vor dem Kühlschrank stehen!», «Nein, nein, nein!» Was das Kind in dieser Situation lernt, ist in erster Linie folgendes: «Ich habe eine grosse Wirkung». Bei einem grösseren Kind reagieren viele Eltern auf Schreien mit Beschwichtigen oder geben ihm sofort, was es möchte. Das Kind weiss nun: «Wenn ich etwas will, muss ich schreien.» Das Kind erfährt aus den Reaktionen der Eltern, was für diese wichtig ist, und wendet diese Erfahrung an. Es will keinen Psychoterror betreiben.

Wie können Eltern sinnvoller reagieren?

Sinnvoll ist es, konstruktive Anleitung und Orientierung zu geben. Um beim oben genannten Beispiel zu bleiben, könnten die Eltern sagen: «Es gibt Glace zum Nachtisch» oder «Oh, du bist wütend weil….» Das Kind braucht die Bestätigung, dass es verstanden worden ist, und danach benötigt es eine Orientierung. Wenn das Kind sich beruhigt hat, sollte es bestätigt werden: «Schön hast du dich beruhigt hast». Zu 95 Prozent des Tages verhalten sich die Kinder kooperativ. Wir reagieren aber vorwiegend auf die wenigen Situationen so stark, dass diese oft die Beziehung zu den Kindern über den ganzen Tag beeinträchtigen.

Um sinnvoll mit Kindern umzugehen, müssen Eltern also ihre Perspektive ändern und brauchen Verständnis dafür, was das Kind beschäftigt?

Ja. Das Kind lernt durch die Bestätigung seiner kooperativen Verhaltensweisen, wie es bei den Eltern ankommt. Es wird bestärkt in seinem Selbstwert durch Aussagen wie «Oh, ich sehe, wie du dich bemühst», «Wie achtsam du damit umgehst! , «Ich traue dir zu, dass…». Wenn wir unseren Blickwinkel wechseln, verändern sich unsere Gefühle gegenüber den Kindern und wir bemerken bewusst, was das Kind überhaupt alles zeigt und kann. Die Eltern nehmen dadurch auch den Entwicklungsstand des Kindes wahr, was zu weniger Über- und Unterforderung des Kindes führt.

Sind Verhaltensweisen, die Eltern irrtümlich als Psychoterror auffassen, in bestimmten Entwicklungsstufen normal?

Ja, kleine Kinder in der vorsprachlichen Zeit beissen oder schlagen, weil sie noch nicht sprechen können. Wenn allerdings ein älteres Kind noch schlägt, wird es selber geschlagen oder es hat als Kleinkind gelernt, dass Schlagen ein gutes Mittel zur Selbstbehauptung ist. Es braucht also eine klare Orientierung wie «Wenn ich etwas möchte, kann ich fragen, tauschen, warten». Eltern sind die ersten Vorbilder.  Ihr Verhalten zeigt den Kindern, ob Schreien, Schlagen und Brüllen oder das Sprechen über Gefühle und das Suchen nach Lösungen die richtigen Methoden sind, mit anderen Menschen umzugehen.

Was können Eltern tun, wenn die Situation eskaliert?

«Wir brauchen jetzt zuerst eine Pause, damit wir uns beruhigen können, wir setzen uns hin und trinken etwas», das ist ein sinnvoller Satz in einer eskalierenden Situation. Die Kinder machen in der Regel sofort mit. So schaffen es Eltern, innerlich einen Schritt zurückzugehen und zu überlegen: Was macht das Kind eigentlich? Was könnte es fühlen? Was möchte ich von ihm? Was soll es lernen? Wie kann es sein Problem selbstständig lösen? Eltern sind dann in der Lage, dem Kind zu sagen: «Ich habe verstanden, dass du gerne…..möchtest.» Es folgt eine klare Orientierung oder auch eine Frage: «Wie wollen wir das unter diesen Umständen nun lösen?»



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