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Wenn wir wollen, dass sich unser Kind ändert – so müssen wir unser eigenes Verhalten ändern. Je besser unsere eigenen Grundbedürfnisse abgedeckt sind, desto leichter fällt es uns unserem Kind zu vermitteln, was es noch lernen muss. Dabei spielt eine ermutigende Sprache die zentrale Rolle.
Loben und Ermutigen hat oft positivere Auswirkungen als Bestrafung. Bild: Gettyimages, Thinkstock
1. Sich zugehörig fühlen: Ich bin liebenswert und Teil der Gemeinschaft. Ich gehöre dazu.
2. Fähig sein und in der Gemeinschaft etwas bewirken: Ich kann Einfluss nehmen und habe Bedeutung. Ich bin für andere wichtig. Ich darf Fehler machen und dazu lernen. Ich leiste einen Beitrag.
3. Respektiert und fair behandelt werden: Ich verdiene Respekt und faire Behandlung.
4. Sich sicher fühlen und offen sein für Neues: Statt Angst zu haben vor Misserfolgen, bin ich mutig. Mit dem was kommt, werde ich fertig. Ich kann Hilfe holen. Ich kann über mich selber lachen.
Halten Sie einen Moment inne und nehmen Sie sich die Zeit, sich mit den vier Grundbedürfnissen auseinander zu setzen:
Fühlen Sie sich geliebt? Wo, mit wem und wann erleben Sie, dass Sie dazu gehören? Für wen sind Sie wichtig und warum; wie fühlt sich das an? Erlauben Sie sich Fehler zu machen, können Sie sich diese verzeihen und versuchen Sie dazu zu lernen? Werden Sie von Ihren Liebsten respektiert, wahr- und ernst genommen?
Was macht Ihnen Angst? Wann weichen Sie Herausforderungen aus oder versuchen Beängstigendes zu verdrängen? In welchem Kontext sind Sie mutig, wagen Neues, lassen Sie sich auf Unbekanntes ein? Merken Sie wann Sie Hilfe brauchen und können Sie sich diese holen? Wie oft lachen Sie liebevoll über sich selbst?
Je besser Ihre eigenen Grundbedürfnisse abgedeckt sind, desto leichter fällt es Ihnen Ihrem Kind vorzuleben und zu vermitteln, was es noch lernen muss.
Am Besten üben Sie sich im liebevollen Blick:
1. Was kann mein Kind gut? Was für Fähigkeiten hat es? Wo kann ich ihm mehr Autonomie/ein Vertrauensvorschuss geben, ihm mehr zutrauen?
2. Wo sind die Ausnahmen im schwierigen Verhalten meines Kindes? Wann, in welchem Kontext, vergisst mein Kind sich schwierig zu benehmen? Was ist der erste kleine Schritt in die richtige Richtung? Kann ich mich mit meinem Kind freuen wenn es sich für eine positive Verhaltensalternative entscheidet oder das schwierige Verhalten sich in der Dauer verkürzt/weniger wird?
3. Kann ich die positiven Eigenschaften - die sich im Fehlverhalten meines Kindes verbergen - erkennen? Manch negative Eigenart bewährt sich auf einem anderem Gebiet vorzüglich: Z.B. Willenstärke, Sensibilität, Durchsetzungsvermögen, Zielorientiertheit, grosser Wortschatz, Fantasie/Kreativität. So wie Stärken auch Schwächen sein können, hat jede schwierige Eigenschaft eine positive Seite!
4. Wie und in welchen Lebensbereichen kann ich mein Kind, seinem Entwicklungsstand entsprechend, mit einbeziehen? Denn jeder Beitrag zur Gemeinschaft stärkt die Zugehörigkeit und den Mut, etwas «Brauchbares» tun zu können und gibt das sichere Gefühl einen Platz im Leben zu haben!
Die Basis eines jeden guten Gesprächs ist echtes Interesse für das Gegenüber. Dann können wir offen und ohne zu werten aufmerksam zuhören und fragen nach, wo wir etwas nicht verstehen.
Sprechen wir in der Sprache der Ermutigung, dann formulieren wir was wir wollen und nicht das was wir nicht wollen. Verwenden Sie nach Möglichkeit Wörter die das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken: miteinander, wir beide, gemeinsam, zusammen. Geben Sie Ihrer Freude, Ihrem Respekt, Ihrem positiv Überrascht- oder Berührtsein Ausdruck. Sprechen Sie gemachte Fortschritte an. Fragen Sie nach den Gedanken, Meinungen, Ideen, Überlegungen, Lösungsvorschlägen Ihres Kindes. Bedanken Sie sich ab und zu bei ihm. Nehmen Sie sich für Zeit für Gespräche!
Hier können Sie mehr zum Thema ermutigende Sprache erfahren:
juergfrick.ch: Jürg Frick ist Dozent an der pädagogischen Hochschule Zürich. Er gibt regelmässig Vorträge und Kurse und ist Autor des inspirierenden Buches: «Kraft der Ermutigung», Huber Verlag.
arnostern.com: Ermutigung eine Schlüssel zur Kreativität – Kreativität, eine Kraft die ermutigt!
Ohne die Kunst der Selbstermutigung zu beherrschen, kann die verantwortungsvolle Aufgabe ein Kind (oder mehrere!) zu erziehen einen erschöpft auf der Strecke bleiben lassen. Kinder bringen uns an unsere Grenzen, zeigen klar und deutlich auf, wo wir noch was zu lernen haben, wo wir selbst mit unserer eigenen Geschichte gerade stehen. Vorbild sein, einen gesunden Umgang mit den eigenen Grundbedürfnissen zu haben, sich selbst ermutigen zu können – ist die Basis einer gelungenen Kind-Eltern-Beziehung.
Keiner schreibt schöner zu diesem Thema als Jesper Juul, der dänische Familientherapeut, zusammen mit dem Autor Peter Høeg, in dem in diesem Jahr erschienen Buch «Miteinander – Wie Emphatie Kinder stark macht»! Lesen Sie dieses Buch, lernen und üben Sie damit und schenken Sie es weiter !
Text: Martina Wieland
Martina Wieland ist seit 2006 als Individualpsychologische Beraterin tätig. Sie ist Mitglied der SGIPA (Schweizerischen Gesellschaft für Individualpsychologie nach Alfred Adler) und der SGfB (Schweizerische Gesellschaft für Beratung). Im Zürcher Seefeld bietet sie unter anderem Erziehungsberatungen und Beratungen bei Burnout an. Zuvor arbeitete sie als Mittelstufenklassenlehrerin in Zürich und im Kanton Aargau.
Mehr über Martina Wieland erfahren Sie auf ihrer Webseite unter www.wieweiter.com
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