Kunst-Erziehung fördert die gesunde Entwicklung

Der Kunst- und Ausdruckstherapeut Leo Lalkaka weiss, wie wichtig kreative Förderung für die gesunde Entwicklung von Kindern ist. Mit familienleben.ch spricht der Leiter der Kinderkrippe «Müsliburg» jetzt über die Einbeziehung künstlerischer Erziehung in sein Betreuungskonzept.

Leo Lalkaka, Leiter der Kinderkrippe «Müsliburg» in Affoltern am Albis.

Kunst fördert die Entwicklung der Kinder! Foto: iStock, Thinkstock

Guten Tag Herr Lalkaka. Sie haben jahrelange Erfahrung als pädagogischer Leiter und Kindergartenlehrkraft und führen derzeit die Kinderkrippe «Müsliburg» in Affoltern am Albis. In der Krippe legen Sie viel Wert auf das ganzheitliche Lernen der Kinder. Welche Rolle spielt die künstlerische Erziehung dabei?

Die künstlerische Erziehung ist ein sehr bedeutender Teil des Betreuungskonzepts in der «Müsliburg». Kinder lernen über ihre Sinne, durch Anfassen und Fühlen. Genau das beinhalten künstlerische Prozesse. Die Kinder sind dabei in direkten Kontakt mit den verwendeten Materialien. Daher ist Kunst eine fantastische Möglichkeit, die Sinne der Kinder zu schulen.

Welchen Stellenwert hat Kunst im Leben der Kinder und inwiefern kann sie ihre Entwicklung fördern?

Kunst ist sehr wichtig für Kinder. Dadurch können sie sich sehr gut ausdrücken. Das liegt daran, dass viele Kunstformen sehr nah an dem natürlichen Spiel der Kinder sind. Zum Beispiel werden Rollenspiele, die Kinder von sich aus immer wieder machen, ganz schnell zu einem Theaterstück. Auch das Experimentieren mit Worten und Lauten kann der Musik oder der Poesie sehr nahe kommen. Die künstlerische Erziehung knüpft daran an und motiviert die Kinder zu diesem Spielen.

Sie sagen, Kunst ist wichtig für das Selbstwertgefühl der Kinder. Warum ist das so?

Kinder experimentieren nicht nur von Natur aus gern. Sie möchten mit dem Ausprobierten auch Spuren hinterlassen. Und das gilt sowohl für die Welt um sie herum als auch für ihr Inneres. Es soll etwas zurückbleiben, von dem, was sie tun. Die Kunst kann ihnen dabei helfen. Damit das gelingt, müssen sie den Gestaltungsprozess als etwas Positives erfahren. Darauf ziehlt die küntlerische Erziehung ab. Sie hilft den Kindern, Kunst als postiives Erlebnis wahrzunehmen, sie in der Entwicklung eigener Projekte zu unterstützen und dadurch ihr Selbstvertrauen zu stärken.

Welche Möglichkeiten zur kreativen Förderung der Kinder gibt es?

Die Möglichkeiten, Kinder in ihrem kreativen Handeln zu fördern, sind unendlich. Das geht zum Beispiel mit ganz kleinen Dingen, wie in einer Wiese sitzen, das Gras um sich herum fühlen und damit spielen. Es können aber auch richtige Projekte sein, wie mit einem Rollenspiel gemeinsam ein kleines Theaterstück inszenieren.

Das Wichtigste dabei ist immer, dass man die natürlichen Anlagen des Kindes mit einbezieht. Einem Kind eine Kunstform aufzudrängen, die es nicht mag, macht keinen Sinn. Besser ist es, die Ausdrucksformen zu unterstützen, die das Kind ohnehin beim Spielen zeigt und an denen es Spass hat.

Dabei kommt es weniger darauf an, dass Eltern besonders viel Ahnung von bestimmten, künstlerischen Prozessen haben. Viel wichtiger ist eine gewisse Grundhaltung. Wer mit Sensibilität und Wachheit auf die Kinder zugeht, kann am besten ihre kreativen Anlagen erkennen und fördern.

In dem Betreuungsangebot der «Müsliburg» finden unter anderem Theater, Tanz, Musik, Poesie und gestaltende Künste ihren Platz. Wie werden diese Kunstformen in den Alltag integriert?

Die Kinder bekommen viel Raum, um im freien Spielen eigenständig kreative Prozesse zu entwickeln. Natürlich gibt es aber auch einen geplanten Tagesablauf. Zum Beispiel begleiten kleine Rituale, wie immer wiederkehrende Lieder, den Alltag in der Krippe. Die Übergänge von einer Kunstform zur anderen sind dabei oft fliessend. So wird beim gemeinsamen Malen vielleicht auch gesungen oder die Kinder verbinden ein Rollenspiel mit Tänzen.

Gibt es altersabhängig verschiedene Phasen, wann welche Form des künstlerischen Ausdrucks wichtiger ist?

Im Grunde gibt es keine Beschränkungen. Da bereits ganz kleine Kinder sich oft zur Musik bewegen, ist dies vielleicht eine besonders einfach zugängliche Form des Ausdrucks. Aber grundsätzlch kann man jede Kunstform für alle Altersstufen empfehlen.

Wichtig ist bei der Auswahl eher, wie man den Kindern die Kunst näherbringt. Sie dürfen nicht überfordert werden, aber man sollte sie auch nicht unterfordern. Kleine Kinder können nur mit einfachen Spielen kreativ gefördert werden. Wenn es zu kompliziert wird, verlieren sie sonst schnell den Spass daran. Werden die Kinder jedoch älter, dann müssen auch die Anforderungen mit ihnen wachsen, damit sie sich nicht langweilen.

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