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Hormonelle Störungen können der Grund sein, wenn es mit dem Wunschkind nicht klappt. Schätzungsweise ein Drittel aller Paare mit unerfülltem Kinderwunsch sind davon betroffen. Eine Hormontherapie kann helfen. Was beinhaltet sie? Gibt es Nebenwirkungen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Zu einer Hormontherapie gehören meist Tabletten und Spritzen. Foto: Jack Hollingsworth, Photodisc, Thinkstock
Ohne Hormone geht es nicht: Geschlechtshormone sind zum Beispiel dafür verantwortlich, dass es zum Eisprung kommt, dass Follikel reifen oder dass sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnisten kann. Ist dieses Hormongleichgewicht gestört, kann das die Ursache dafür sein, dass es mit dem schwanger werden nicht klappt. Mit einer Hormontherapie soll zum einen der Zyklus stabilisiert werden. Sie kann Frauen helfen, die zum Beispiel einen unregelmässigen Zyklus haben oder keinen Eisprung, aber auch bei einer Gelbkörperschwäche oder dem PCO-Syndrom. Zum anderen sollen die Eierstöcke angeregt werden, Eizellen zu produzieren und ein Eisprung ausgelöst werden. Das kann genutzt werden, um entweder auf natürlichem Weg oder im Rahmen einer künstlichen Befruchtung den Kinderwunsch zu erfüllen.
In der Regel wird am dritten Tag der Menstruation mit der Hormontherapie begonnen. In der ersten Hälfte des Zyklus soll die Follikelreifung unterstützt werden. Dies geschieht entweder mit dem Hormon Clomifen, das in Tablettenform eingenommen wird oder durch FSH (follikelstimulierendes Hormon) und HMG (humanes Menopausengonadotropin), das Sie sich selbst spritzen können. Ihr Arzt wird während der Behandlung den Erfolg mit Bluttests und Ultraschalluntersuchungen überprüfen. Dies wird auch als Zyklusmonitoring bezeichnet. Er wird feststellen, wann der Zeitpunkt des Eisprungs gekommen ist. Je nach Art der Probleme kann der Eisprung abgewartet werden oder es wird das den Eisprung auslösende Schwangerschaftshormon HCG (humanes Choriongonadotropin) gespritzt. Nach dem Eisprung kann auch die Gelbkörperphase vorsorglich durch Hormongabe unterstützt werden. Dies geschieht hauptsächlich durch Progesteron und soll eine Einnistungsstörung verhindern.
Eine Hormonbehandlung ist nicht ganz ohne Risiken und Nebenwirkungen. Das gesundheitlich gefährlichste Risiko besteht in einer Überstimulation der Eierstöcke. Etwa ein bis fünf Prozent der Frauen sind davon betroffen. Bauchschmerzen oder ein Spannungsgefühl im Bauch sind häufige Symptome dieser Überstimulation. Im schlimmsten Fall kann das lebensgefährlich sein. Durch Beobachtung der Eierstöcke wird Ihr Frauenarzt jedoch darauf achten, dass es nicht dazu kommt.
Mehrlingsschwangerschaften können eine weitere Nebenwirkung einer Hormontherapie sein. Durch die Hormonpräparate kann es dazu kommen, dass zu viele Eizellen auf einmal reifen. Werden diese erfolgreich befruchtet, kommt es schnell zu Zwillingen, Drillingen oder gar noch höheren Mehrlingsschwangerschaften.
Hinzu kommt, dass sich durch die Hormoneinnahme zum Beispiel die Gebärmutter verändern kann, sodass es schwerer für ein befruchtetes Ei ist, sich einzunisten oder dazu führt, dass der Zervixschleim die Spermien nicht durchlässt. Auch das Risiko einer Thrombose steigt leicht an.
Schliesslich kann die Einnahme von Hormonen zu Symptomen führen, die denen der Wechseljahre nicht unähnlich sind. Es kann zu Hitzewallungen, Schweissausbrüchen, Kopfschmerzen oder depressiven Stimmungen kommen. Ob der Nutzen einer Hormontherapie die möglichen Risiken übersteigt, können nur Sie selbst im Gespräch mit Ihrem Arzt abwägen und für sich entscheiden.
Die Erfolgsquote der Hormontherapie ohne künstliche Befruchtung liegt pauschal bei etwa 30 Prozent, so die Internetplattform netdoktor.de. Ob Sie zu diesen 30 Prozent gehören, hängt auch sehr von der Schwere der Hormonstörung ab. Oft sind mehrere Behandlungen nötig, um ein positives Ergebnis zu erzielen. Nach vier bis sechs erfolglosen Zyklen ist IVF meist der nächste Schritt in der Kinderwunschbehandlung, das heisst, die Eizelle wird dann also ausserhalb des Körpers befruchtet. Die Kosten für die Hormontherapie werden bis zu einem Jahr in der Regel von der Grundversicherung übernommen.
Das Problem mit Hormonen ist übrigens nicht auf Frauen beschränkt. Auch Männer können von Hormonstörungen betroffen sein. Dabei kann es zu einer Unterfunktion der Hoden kommen. Zur Behandlung werden meist Präparate mit Testosteron verabreicht. Im Vergleich zur Hormontherapie bei Frauen ist die Erfolgsrate jedoch geringer.
Die wichtigsten Hormone noch einmal auf einen Blick:
Clomifen, FSH (follikelstimulierendes Hormon) und HMG (humanes Menopausengonadotropin) – regen die Eierstöcke und die Eizellreifung an
HCG (humanes Choriongonadotropin) – sogenanntes Schwangerschaftshormon, löst den Eisprung aus
Progesteron – Gelbkörperhormon, das die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung des befruchteten Eis vorbereitet
Autor: Julia Wohlgemuth
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