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Die Schweiz wird von Eltern nicht als familienfreundlich erlebt. Über die Hälfte glaubt gemäss einer Studie, dass die Familienarbeit in der heutigen Gesellschaft einen tiefen Stellenwert hat. Der Kinder- und Jugendarzt Remo Largo plädiert jetzt dafür, dass vor allem Frauen für mehr Familienfreundlichkeit sorgen sollten.
Familien erleben die Schweiz nicht als familienfreundlich.Foto: © Jolanta Mazus | Dreamstime.com
Obwohl Schweizer Familien mehrheitlich angeben, glücklich zu sein, haben sie einiges zu kritisieren. Das zeigen die Ergebnisse des ersten Familienbarometers des Magazins Fritz und Fränzi, die am 17. Juni in Zürich vorgestellt wurden. Über die Hälfte der Familien sind der Meinung, dass die Schweiz kein familienfreundliches Land ist und dass hierzulande nicht genügend für Familien getan wird. Fast die Hälfte glaubt zudem, dass Väter, die weniger als 80 Prozent arbeiten, von der Gesellschaft nicht ernst genommen werden.
Remo Largo, Kinder- und Jugendarzt, sieht darin ein grosses Problem. «Wenn wir in den nächsten Jahren nicht umdenken, wird es der Familie wirklich nicht gut gehen», sagte er bei der Vorstellung der Studie in Zürich. Er sieht allein schon in der Anzahl der Kinder einen Parameter für Familienfreundlichkeit. Da in der Schweiz im Durchschnitt nur etwa 1,5 Kinder pro Frau auf die Welt kommen, muss die Familienfreundlichkeit niedrig sein. Wenn mehr Kinder geboren werden sollen, müsse die Schweiz familienfreundlicher werden, so Largos Schlussfolgerung.
Es mangelt an Angeboten der Kinderbetreuung
Gemäss der Studie, bei der Anfang 2011 1000 Personen mit Kindern im Haushalt in der Deutschschweiz per Telefoninterview befragt wurden, sehen Eltern vor allem Bedarf beim Ausbau der Betreuungsangebote. Zudem wünschen sich die Familien Steuervorteile, familienfreundlichere Angebote in Restaurants, Hotels oder Freizeiteinrichtungen und familienfreundlichere Arbeitgeber.
Das sieht Remo Largo ähnlich. Der Arzt findet, dass sich die Rahmenbedingungen für Familien dringend ändern müssen. Zum Beispiel sollte die Betreuung der Kinder in den ersten Jahren verbessert werden und auch die Betreuung und Förderung in der Schule sollte ausgebaut werden. «Die Frauen müssen sich auf den Weg machen und für familienfreundlichere Arbeitsbedingungen sorgen», sagt er. Den Männern traue er das nicht allein zu. Er könne sich gut vorstellen, dass eine Familienpartei, von Frauen gegründet, schnell politischen Erfolg haben könnte.
Familien legen Wert auf gemeinsame Mahlzeiten
Die Studie untersuchte nicht nur den Blick auf die Familienfreundlichkeit in der Schweiz. Die Eltern wurden auch nach der persönlichen Familiensituation gefragt. Als Hauptgrund dafür, dass sie Kinder haben, nannten 38 Prozent, dass ihre Kinder der Sinn des Lebens sind, 28 Prozent gaben an, dass sie Kinder gern mögen. Besonderen Wert legen Familien auf gemeinsame Mahlzeiten. Ausserdem sind in vielen Haushalten mit Kindern Gespräche, gemeinsame Erlebnisse und ein strukturierter Tagesablauf wichtig.
Doch es gibt auch Probleme innerhalb der Familie. Am häufigsten sind Unstimmigkeiten zwischen Eltern und Kindern über Bettzeiten, Benehmen, Ausgang oder Zähneputzen Auslöser für Konflikte. Ein weiterer Streitpunkt: der Medienkonsum der Kinder. Die Konflikte innerhalb der Familie entstehen mitunter, weil die Eltern belastet sind. Anders als früher in der Grossfamilie kümmern sich Eltern heute oft ganz allein um die Kinder. «Das Problem liegt bei den Eltern, die zu wenig Zeit für ihre Kinder haben, überfordert sind und denen es häufig an Kompetenz fehlt», erklärt Remo Largo.
Studiendesign
Die Studie wurde von der Firma one markteing im Auftrag des Elternmagazins Fritz und Fränzi durchgeführt. Befragt wurden 1000 Personen in der Deutschschweiz, die zufällig aus allen Familienhaushalten mit Kindern in der Schweiz ausgewählt wurden. Die Interviews wurden mittels einer computergestützten Telefonbefragung vom 3. bis 23. März 2011 erhoben.
Weitere Ergebnisse zur Studie erhalten Sie unter www.fritzundfraenzi.ch/familienbarometer2011
Text: Angela Zimmerling
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Kommentare
Es sind aber nicht nur die Betreuungsplätze die fehlen. Viele Mütter wollen ihre Babys noch gar nicht mit 3 oder 4 Monaten eggeben. Was wirklich helfen würde, wären ein Erziehungsgeldfür die ersten ein bis drei Jahre, Steuervorteile für Familien und günstigere Krankenkassenprämien für Kinder und Familien! In anderen europäischen Ländern geht das doch auch! Die Schweiz könnte es sich durchaus leisten, in diesem Punkt etwas sozialer zu werden. Das Unsoziale muss man doch den USA nicht nachmachen!!
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