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Von familienpolitischen Traumzuständen wie in den skandinavischen Ländern ist die Schweiz noch weit entfernt. Doch es tut sich etwas hierzulande, wenn auch nur in kleinen Schritten. SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr zu Krippenplätzen, Teilzeitstellen und familienfreundlichen Unternehmen.
Sie ist kämpferisch, wenns um die Rechte der Frauen und Familien geht: SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr.
Sie sagen, die Schweiz sei familienpolitisch auf gutem Weg, es sei aber noch viel mehr möglich. Was braucht es noch?
In erster Linie mehr Angebote in Krippen, Tagesfamilien und Tagesschulen. Es darf keine Wartelisten mehr geben, denn jedes Kind hat das Recht, von diesen pädagogisch wichtigen Angeboten zu profitieren. Darüber hinaus müssen Familien steuerlich entlastet werden und zwar fair und gezielt. Und als dritten Punkt müssen wir die Familienarmut bekämpfen. Kinder zu haben ist in unserer Gesellschaft der wichtigste Grund für einen sozialen Abstieg. Das dürfen wir nicht hinnehmen.
Neben den mangelnden Krippenplätzen gibt es auch zu wenig Teilzeitstellen für Frauen, aber auch für Männer. Woran liegt es, dass die Wirtschaft diese Möglichkeiten immer noch zu wenig anbietet?
Die Wirtschaft rechnet nicht, sondern lässt sich von Ideologien leiten. Wir wissen längst, dass Teilzeitbeschäftigte spätestens ab einem Pensum von 60 Prozent produktiver sind als die Vollzeitarbeitenden. Oftmals fühlen sich jedoch die Chefs, die solche Modelle fördern sollten, in Frage gestellt oder pochen darauf, dass ihre Angestellten allzeit bereit sind. Meist hat die Abneigung gegen Teilzeitstellen ganz persönliche Gründe.
Wodurch zeichnet sich aus Ihrer Sicht ein familienfreundliches Unternehmen aus?
Es sieht ihre Angestellten nicht nur als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter, sondern auch als Mutter oder Vater. Es erkennt an, dass Menschen verschiedene Aufgaben zu erledigen haben und es manchmal zu Zielkonflikten kommen kann. Aus dieser Haltung heraus engagiert sich ein familienfreundliches Unternehmen für Arbeitsmodelle, die flexibel, aber gleichzeitig sicher sind. Und es engagiert sich für Betreuungsplätze und Ferienangebote, sei es durch direkte Beteiligung, sei es durch eine politische Unterstützung der Forderung.
Frauen bekommen mitunter den Eindruck, dass sie für die Wirtschaft Manövriermasse sind. Läuft die Wirtschaft gut, beklagen alle das brach liegende Potenzial nicht erwerbstätiger und gut ausgebildeter Mütter. Läuft es wieder schlecht, sind sie die ersten, die den blauen Brief bekommen. Reine Unternehmensrhetorik?
Ich habe nicht den Eindruck, dass die Frauen als erste den blauen Brief erhalten. Wenn sie einmal im Unternehmen integriert sind, lassen sie die Chefs nicht mehr gerne ziehen. Zudem sind gerade jene Berufsfelder, in denen sich die Frauen stark etabliert haben, sehr konjunkturresistent, wie zum Beispiel Pflege, Unterricht, Dienstleistungen, Kommunikation. Viele dieser Branchen wachsen gar ziemlich rasch. Grössere Probleme sehe ich bei der Lohngleichheit und der Weiterbildung bzw. Förderung. Hier müssen die Frauen noch dezidierter auftreten.
Interview: Claudia Merki
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