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Könnte es nicht sein, dass sich das Familienbild heute ziemlich schnell ändert? Bei einer Scheidungsrate von knapp 50 Prozent und immer mehr Patchworkfamilien
Nein, eben nicht. Denn Patchworkfamilien passen ja ins traditionelle Bild von Mann, Frau und Kind. Bloss, dass die Situation absurd wird. Denn wenn sich neue Paarbildungen ergeben und Alleinerziehende zusammenziehen, ist man plötzlich Mitfinanzierer von Kindern, die nicht die eigenen sind. Solche eine Logik, die noch auf dem traditionellen Familienbild basiert, hat durchaus auch kontraproduktive Wirkung für die Gründung von Patchworkfamilien. Viele Logiken, die wir heute haben, begünstigen bloss ein soziales Flucht- und Vermeidungsverhalten.
Ist Alleinerziehen ein Zwischenstadium bis zur nächsten Patchworkfamilie?
Ja, so nehmen wir es wahr. Die Alleinerziehenden als politische Kraft zu mobilisieren ist uns bisher nicht gelungen, denn Alleinerziehen wird wirklich als Übergang verstanden. Trotz dem nicht von der Hand zu weisenden Problem der Armut der Kinder und der Mütter. 85% der Alleinerziehenden sind ja Frauen, meist in einer absolut belastenden Alltagssituation
Gleicht der Kampf, den Sie führen gegen all diese Stereotypen – traditionelles Familienbild, Geschlechterrollen, etc. – nicht ein bisschen dem Kampf Don Quichotes gegen Windmühlen?
Ja, es ist sehr schwer. Aber es gibt durchaus Denkansätze, die fruchtbar sind. Der SVAMV beispielsweise hat sich von der Mann-Frau-Diskussion gelöst und hat das Wohlbefinden des Kindes ins Zentrum gestellt. Wer das alltägliche Wohlbefinden des Kindes und die wichtigen Faktoren für seine Entwicklung prioritär ins Auge fasst, wird auch zu entsprechenden Entscheidungen finden. Die Verbände werden zunehmend untereinander vernetzt unter dem Dach des Bundesamts für Sozialversicherung (BSV), um die Koordination und Synergien zu unterstützten und zu fördern. Doch dass wir in einem Land wie der Schweiz überhaupt das Problem der Kinderarmut lösen müssen und dass es überhaupt einen Verband wie dem SVAMV geben muss, ist schlimm.
Dass Probleme wie die Kinderarmut in der Schweiz heute immer deutlicher werden, liegt das nicht auch daran, dass soziale Strukturen und Familienstrukturen dies nicht mehr so gut abfedern und auffangen?
Wir leben heute in einer sich schnell entwickelnden Dienstleistungsgesellschaft, die unterstützt von Kommunikationsmitteln ein sehr hohes Mass an Mobilität aufweist. Diese Entwicklung wird sich noch verstärken, die Mobilität wird zunehmen. Die Mobilität wird auch noch mehr Zeit in Anspruch nehmen und die gemeinsame Familienzeit wird dadurch noch mehr zurückgehen. Die familienexternen Betreuungsangebote werden zunehmen müssen, denn es ist niemand aus der Familie und dem sozialen Umfeld mehr da, um das Kind zu betreuen – alle sind bei der Arbeit. Wenn ein Kind in einem solchen Umfeld aufwächst und sozialisiert wird, erhält es die entsprechenden Werte mit auf den Weg, denn die Eltern und Bezugspersonen leben es ja vor. Es ist heute wirklich an der Zeit, die Rahmenbedingungen zu verbessern und diesem – wie ich immer sage – Entverantwortungstrend von Verantwortlichen endlich Einhalt zu gebieten.
Interview: Kathrin Fischer
Weitere Artikel zum Thema:
«Was brauchen Alleinerziehende heute?»
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- Einelternfamilien im Recht, Inkassohilfe und Alimentenbevorschussung (Alimentenhilfe), Autorin: Alexandra Caplazi, SVAMV 2009, 65 Seiten, CHF 20.00 plus Versandkosten.
- Wie kommen meine Kinder zu ihren Alimenten? Ein verfahrensrechtlicher Ratgeber zur Alimentenhilfe, SVAMV (erscheint im Herbst 2009), Broschüre, CHF 10.00 plus Versandkosten.
Zu bestellen bei SVAMV: info@svamv.ch oder Tel. 031 351 77 71
- 1. Teil Kinderarmut in der Schweiz ist Ergebnis der Familienpolitik
- 2. Teil Forderungen des SVAMV
- 3. Teil Situation der Väter
- 4. Teil Grundprobleme bei Trennungen
- 5. Teil Verändertes Familienbild
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Kommentare
Liebes Ursi
1000 + Kinderzulage genügen für Studenten nicht. Hingegen genügen für einen Lehrling 500 + Kinderzulagen. Muss man für diese Berechnung ein Studium vorweisen?
Ich bin seint 13 Jahren alleinerziehend und habe bei der Alimentenberechnung gemerkt, dass die Gesetze eher zu Gunsten der Frau ausgelegt werden. Also keine Alimente für 2 Kinder und mich - usw. Wenn ich heute von den hohen Berechnungen höre, frage ich mich schon, welchen Luxus müssen wir den Kindern bieten. Wir jammern in der Schweiz auf sehr hohem Niveau. Es geht auch etwas bescheidener und wer will, findet auch ein Zusatzeinkommen. Habe heute 2 tolle Fräulein in der Ausbildung, die gelernt haben: Das verzichten keine Schande ist und wenn man die Ärmel hochkrempelt, einem eine gerechte Belohnung winkt.
Erstaunlich, dass Ihre Tatsachenschilderung nicht mehr Kommentare hervorruft! Nach wie vor ist offenbar die Frau selber schuld, dass sie durch Scheidung und/oder Kinder in die Armut fällt. Sie hätte ja nicht zu scheiden und/oder Kinder gebären müssen! Eine absolut beschämende Einstellung unserer "feinen" Gesellschaft und der meisten Gerichts- und Sozialbehörden! Sie ist in diversen wissenschaftlichen Arbeiten belegt.
Ausserdem: Dass auch Kinder alleinerziehender Eltern so intelligent sein können, dass sie zu einem Hochschulstudium fähig sind, ist für die Behörden offenbar völlig unmöglich. Deshalb erhalten diese Kinder wegen der Armut des sorgeberechtigten Elternteils zwar problemlos Stipendien bis sie volljährig sind. Bis dahin haben sie meistens die Matura geschafft. Dann werden sie abgestraft und erhalten nichts mehr, weil nun Vermögen und Einkommen des Vaters zur Berechnung der Stipendien beigezogen werden. Die Kinder müssen aber schon froh sein, wenn sie die im Scheidungsprozess dank heruntergefahrenem Einkommen und Vermögen ihres Vaters viel zu tiefen Kinderalimente während des Studiums weiterhin bekommen, ohne dass sie gegen ihren Vater klagen müssen. Dass erfahrungsgemäss Einkommen und Vermögen des Vaters meist nach dem Scheidungsurteil wieder in die Höhe steigen, die Alimente für Ex-Frau und Kinder nach Laune des Vaters von den Gerichten wohl problemlos bis unter das Existenzminimum gesenkt, aber kaum je entsprechend erhöht werden, ist eine weitere traurige Tatsache. Aber CHF 1'000.00 plus Kinderzulage reichen auch für den bescheidensten Studenten heute nicht zum Leben. Mit dem Bologna-System ist auch das Nebenbei-Arbeiten sehr schwierig geworden, und die früher typischen Studentenjobs (z.B.Sihlpost etc.) sind automatisiert oder ins Ausland ausgelagert worden. Der Vater kommt durch die Bezahlung der im Scheidungsurteil viel zu tief festgesetzten Kinderalimente seiner Unterstützungspflicht nach. - Da diese nicht zum Leben reichen und für die Berechnung von Stipendien und Studiendarlehen für volljährige Kinder Gelder herangezogen werden, auf welche das Kind weder einen Anspruch noch einen Zugriff hat, ist diesen Kindern behördlich die Zukunft verbaut!
-Bildung ist die Ressource der Schweiz.
-Kinder haben Anspruch auf eine ihren Fähigkeiten und Neigungen gemässe Ausbildung.
-Ein Studium soll nicht vom Geldbeutel des Studierenden abhängen.
Für die Kinder von Alleinerziehenden ohne Geld wird Tertiäre Erstausbildung durch behördliche Regelungen verunmöglicht! D. h. diese Kinder werden ganz konkret und schuldlos behördlich diskriminiert.
Bravo - schöne Bildungsschweiz!
Wie recht Sie haben. Ich bin 47,ledig,alleinerziehende Mutter. Meine Kinder sind mittlerweilen 19J. und 13J.Ich musste immer voll Arbeiten, bekam nie Hilfe.Unterdessen bin seit fast vier Jahren krank,Posttraumatische Belastunfsstörung,bekomme 100% IV-Rente.Es war alles viel zu viel,und heute,immer noch keine Hilfe, ich habe alles verloren. Für mich und meine Kinder eine absolut extrem Situation und ich weiss nicht, wie lange ich noch überleben kann.Das schlimmste für mich sind die wahnsinnig hohen Wohnungsmieten, wohnen ist ein Luxus für mich.Ich bin meines Erachtens, ein vom Staate produzierter Sozialfall und habe mich,in dem Moment wo ich mich für die Kinder entschieden habe,ins aus katapultiert.
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