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Patengrosseltern: Ein grosser Glücksfall für Liv

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Grosseltern sind wunderbar. Mit ihnen können Kinder Spass haben und von ihren Erfahrungen profitieren. Doch nicht alle Kinder haben das Glück mit Grosseltern aufzuwachsen, weil sie zu weit weg wohnen oder nicht mehr leben. Für sie gibt es Patengrosseltern. Wir haben diese neuen Grosseltern und ihre Enkelin in Zürich besucht.

Liv mit ihren Patengrosseltern Gertrud und Eugen Schmid.

Liv fühlt sich bei ihren Patengrosseltern Gertrud und Eugen Schmid wohl. Foto: Zimmerling

Im Wohnzimmer von Gertrud und Eugen Schmid spielt ein CD-Gerät Schweizer Kinderlieder. Es ist so laut, dass man ein bisschen schreien muss, um sich zu verstehen. Der zweijährigen Liv gefällt das so, sie wippt passend zur Musik ihre kleinen Hüften. An ihrem Mund klebt noch ein wenig vom Schokoguetzli, den sie gerade gegessen hat. «Liv findet Schweizer Kinderlieder total cool», sagt Livs Mutter und wischt noch schnell den Mund ihrer Tochter ab. «Ich finde es super, dass Gertrud und Eugen sie mit ihr singen.» Sie selbst als Deutsche würde leider bei Schweizer Mundart versagen.

Liv ist regelmässig bei den Patengrosseltern zu Besuch

Liv ist heute, wie fast jeden Freitag, bei ihren Patengrosseltern zu Besuch. Dass sie, Gertrud und Eugen nicht verwandt sind, spielt keine Rolle. Für das Kind sind es die Grosseltern, auch wenn sie nicht «Grosi» sondern «Gertrud» sagt und für die beiden Senioren ist Liv die Enkelin. Das wird jedem schnell klar, der die drei zusammen sieht.

Liv mit ihrer Patengrossmutter Gertrud.

Für Gertrud Schmid ist Liv wie eine Enkelin. Foto: Zimmerling

Es dauert nicht lange, da hat die Kleine genug vom Tanzen und kommt mit einem Buch in der Hand zu Gertrud Schmid. «Vorlesen», fordert sie ihre Grossmutter auf. Sie hebt das Mädchen auf ihren Schoss und beginnt zu lesen. Liv hört gespannt zu, bis es ihr nach einigen Minuten langweilig wird. Deshalb zaubert die Grossmutter aus dem Schrank ein Puzzlespiel hervor und stellt es auf den Stubentisch. «Das hat sie schon hundertmal gespielt», sagt Getrud Schmid. «Aber sie macht es immer wieder gern.» Jetzt ist der Grossvater dran. Mit Eugen Schmid wird gepuzzelt. Geduldig setzt sich der Rentner zu Liv und hilft ihr beim Zusammensetzen der Puzzleteile.

Als die beiden Senioren das Mädchen kennen lernten, war sie gerade einmal vier Monate alt. Gertrud Schmid hatte sich zuvor bei der Stadt erkundigt, ob es jemanden geben würde, der sein Kind gern von ihr betreuen lassen würde. Die kinderlose Krankenschwester hatte sich überlegt, neben ihrem 60 Prozent Pensum, eine gemeinnützige Aufgabe zu übernehmen. «Ein Kind war das, wofür ich gern Zeit geben wollte», sagt sie. Denn das Betreuen der Neffen und Nichten vor einigen Jahren hatte ihr immer viel Freude bereitet. Und so bewarb sie sich für das Projekt «Patengrosseltern» beim Gemeinschaftszentrum (GZ) Leimbach in Zürich.

Das Projekt Patengrosseltern in Zürich

Das Projekt Patengrosseltern wird in Zürich von den Gemeinschaftszentren Leimbach und Affoltern sowie der Nachbarschaftshilfe Schwamendingen seit 2008 angeboten. Ziel ist, Kindern, die ohne Grosseltern aufwachsen, neue Grosseltern zu vermitteln und die Generationen zusammen zu bringen. Patengrosseltern müssen zwischen 45 und 69 Jahre alt sein. Sie sollten für eine Familie mit Kindern zwischen 0 und 12 Jahren langfristig als Patengrosseltern da sein. Die Betreuung muss kostenlos sein. Die Gemeinschaftszentren vermitteln interessierten Familien und Patengrosseltern passende Kontakte. Auf Wunsch wird auch eine Weiterbildung angeboten.

Weitere Informationen gibt es unter www.gz-zh.ch und www.gz-zh.ch

Bei Interesse melden Sie sich hier:

Gemeinschaftszentrum Affoltern, Bodenacker 25, 8046 Zürich, Tel. 043 299 20 10, gz-affoltern@gz-zh.ch

Gemeinschaftszentrum Leimbach, Rebenweg 6, 8041 Zürich, Tel. 044 482 57 09, gz-leimbach@gz-zh.ch

 

 

Von Anfang an waren sich Liv und die Patengrosseltern sympathisch

Nach dem Ausfüllen von Formularen, dem Vorlegen eines Leumundszeugnisses und zwei Besuchen durch das GZ bei Getrud Schmid zu Hause war es endlich soweit: Sie durfte Liv und ihrer Mutter im GZ Guten Tag sagen. «Ich fand sie von Anfang an sympathisch und hatte vollstes Vertrauen», sagt Livs Mutter über Gertrud Schmid. Sie hatte für ihre Tochter nach einer Ersatz-Grossmutter und einem Ersatz-Grossvater gesucht, die in Zürich für sie vor Ort sein können. Denn Livs leibliche Grosseltern wohnen weit weg im Norden von Deutschland.

«Es tat mir so leid für die Kleine quasi ohne Grosseltern aufzuwachsen», erklärt sie ihre Beweggründe. Daher habe sie sich kundig gemacht und das Projekt «Patengrosseltern» gefunden. Die Mutter spricht begeistert von einem «Glücksfall». Denn die Patengrosseltern stünden mit Anfang 60 noch voll im Leben und seien fit. Zudem wohnen sie auch noch ganz in der Nähe.

So wurde aus dem Kennenlernen schnell ein Vertrauensverhältnis. Und Gertrud Schmid konnte die Kleine im Kinderwagen spazieren fahren, später sogar für einige Stunden zu sich nehmen und heute ist Liv fast jeden Freitag bei den Patengrosseltern. Sie hat hier ihre eigenen Spielsachen und ihr Bett für den Mittagsschlaf. Im Wohnzimmer und in der Küche der Schmids hängen Fotos von der Patenenkelin an der Wand.  «Am liebsten gehen wir auf den Spielplatz hier in der Nähe», erklärt Gertrud Schmid. «Für mich ist das ein bisschen wie Therapie, so komme ich raus.» Aber auch gemeinsames Kochen und Backen stehen auf dem Programm.

Als das Kind gerade den zweiten Schokokeks in den Mund schiebt, sagt Getrud Schmid: «Liv, du musst auch mal die Mailänderli probieren, die haben wir doch zusammen gebacken.» Vor zwei Wochen haben sie die beliebten Weihnachtsguetzli gebacken. Genau für ein Blech habe die Ausdauer der Zweijährigen gereicht. Doch das Mädchen findet, dass das Schokoguetzli viel besser schmeckt und ignoriert den Teller mit den Mailänderli.

Liv spielt mit den Patengrosseltern Puzzle.

Mit einem Puzzle vertreiben sich die Patengrosseltern und Liv die Zeit. Foto: Zimmerling

Von den Patengrosseltern gibt es kleine Geschenke zum Geburtstag

An Livs Geburtstag und an Weihnachten gibt es von den Patengrosseltern kleine Geschenke. Zum Beispiel Schweizer Kinderbücher wie «De chli Isbär» oder «Pitschi». Livs Eltern, die beide aus Deutschland kommen, finden es schön, dass ihre Tochter so auch die Schweizer Kultur kennen lernt. Und Gertrud und Eugen Schmid freuen sich, dass sie so viel von den Deutschen lernen. Die Patengrosseltern feiern mit ihrer Patenenkelin auch gemeinsam Geburtstag und Weihnachten – so wie es eben leibliche Grosseltern auch machen würden.

Dass das Verhältnis so familiär ist, hängt vor allem am gegenseitigen Vertrauen und am Respekt . Bei den Schmids und Livs Eltern stimmt zudem die Chemie. Und das Mädchen ist jedes Mal, wenn es von den Patengrosseltern zurück kommt, glücklich. «Natürlich dürfen Eltern an das Projekt keine falschen Erwartungen haben», erklärt Livs Mutter. Sie denkt dabei an Eltern, die Patengrosseltern als kostenlosen Babysitting-Service missbrauchen würden. Natürlich, gibt sie zu, sei die Betreuung ihrer Tochter durch die Patengrosseltern eine Entlastung für sie selbst, aber die gratis Betreuung dürfe nicht die erste Motivation sein, um am Projekt teilzunehmen. Getrud Schmid findet es auch gut, dass sie Nein sagen darf, wenn sie keine Zeit für ihre Patenenkelin hat. Hätte sie beispielsweise ein Kind einer alleinerziehenden Mutter zugeteilt bekommen, wäre ihr das schwerer gefallen, erklärt sie.

Heute jedenfalls, wenn sich Livs Mutter verabschiedet hat, nehmen sich die Patengrossmutter und der Patengrossvater extra viel Zeit für das Kind. Es soll noch Wienerli zum Mittag geben und am Nachmittag geht es vielleicht wieder auf den Spielplatz. Liv freut sich schon darauf. Aber da die CD gerade zu Ende ist, muss Eugen Schmid erst einmal wieder das Radio anschalten, damit die Kleine wieder tanzen und singen kann.

Autor: Angela Zimmerling im Dezember 2011

Weitere Projekte zum Thema Patengrosseltern

  • Bei der Pro Senectute können Sie sich kundig machen, ob es ein Patengrosseltern-Projekt in Ihrer Nähe gibt: www.pro-senectute.ch
  • Auf der Generationenplattform www.intergeneration.ch finden Sie weitere Projekte zu Generationenbeziehungen.  
 

 

Einen Beitrag zum Thema Patengrosseltern gibt es demnächst auch auf SF zwei: «Grosi gesucht» am 17.12.2011 auf SF zwei um 09.35 Uhr und am 18.12.2011 auf SF zwei um 15.40 Uhr. Eine Vorschau können Sie sich hier schon ansehen.

 


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Kommentare

  • Caroline 15.12.2011 13:16 Uhr
    Ja, ist wirklich eine tolle Sache. Da die Grosseltern von meinem Sohn weit weg sind wollte ich auch Patengrosseltern für ihn haben. Leider hat es aber in Zürich-Leimbach zuwenig Interesse von Seiten der Senioren und viel zu viele Anmeldungen von Eltern die Patengrosseltern für ihre Kinder haben möchten :-(
  • Michl 11.12.2011 21:43 Uhr
    Eine wirklich tolle Sachen bei der beide Seiten profitieren. Kinder die ihren Sozialkontakt erweitern können und die Kinder bringen nochmal jede Menge schwung ins Leben der Retner.

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