
Penélope Cruz hat ihre Traumrolle gefunden: Hausfrau und Mutter. Bei so viel Familienglück wird Hollywood zur Nebensache. »

Der Orientierungsrahmen für frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung läutet ein neues Kapitel der Kinderbetreuung ein. Warum, erklärt Jacqueline Fehr »

Familienpolitikerin Jacqueline Fehr schreibt in der Kolumne Familiensache diese Woche zum Thema Geburten-Zahlen und Krippen-Kinder. »
Ein Kind früh in eine Kita oder Spielgruppe zu schicken, können sich viele Eltern nicht leisten. Die SP-Politikerin und Nationalrätin Jacqueline Fehr fordert deshalb ein kostenloses Vor-Kindergarten-Jahr. Unterstützung findet sie bei Kita- und Spielgruppen-Verbänden.
Der Kindergarten ist eine Lern-Chance: Kinder lernen beim Spielen fürs Leben. Foto: iStockphoto, Thinkstock
Ein kostenloses Vor-Kindergarten-Jahr fordert die Nationalrätin Jaqueline Fehr. In einer parlamentarischen Initiative formuliert sie ihren Wunsch, die Kantone zu verpflichten, ein Angebot von vier Halbtagen pro Woche für Dreijährige zu schaffen. Eltern sollen dann frei entscheiden können, ob sie das kostenfreie Angebot nutzen wollen. Der Nationalrat hat die Parlamentarische Initiative von Jacqueline Fehr noch nicht behandelt.
Ein Vorschlag, der Eltern freuen dürfte. Denn Kita-Plätze für Kinder, die noch nicht den obligatorischen, kostenfreien Kindergarten besuchen, sind teuer. Sicher, Familien mit besonders wenig Einkommen bekommen oft einen subventionierten Platz. Dennoch können viele Eltern mit mittleren und tiefen Einkommen die Tagessätze zwischen 90 und 150 Franken kaum aufbringen. Ein grosser Teil der Dreijährigen geht deshalb gar nicht oder nur an wenigen Tagen in der Woche in die Kita oder eine Spielgruppe. «Um Beziehungen aufbauen zu können und einen Platz in der Gruppe zu finden, sind aber Regelmässigkeit und eine gewisse Mindestanwesenheitszeit notwendige Voraussetzungen», so die SP-Politikerin Jaqueline Fehr.
«Kindertagesstätten und zeitlich etwas umfassendere Spielgruppen werden zunehmend von Kindern besucht, deren Eltern über eine hohes Bildungsbewusstsein und genügend finanzielle Mittel verfügen, wie eine Analyse der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung aus dem Jahre 2008 zeigt», so Jaqueline Fehr. «Unterschiede zwischen Kindern aus privilegiertem sozialen Umfeld und der grossen Mehrheit der anderen Kinder werden noch grösser.» Die Folgen seien aus Sicht der Chancen-Gleichheit fatal. So verpassen Kinder, die erst spät regelmässig eine Kita, Kinderkrippe oder eine Spielgruppe besuchen können, wichtige Lern-Chancen. Längst weiss die Wissenschaft: Beim Spielen lernen Kinder fürs Leben - Spielen ist für sie lebenswichtig. Spielen können sie natürlich auch zu Hause. Doch dort fehlen oft die Spielkameraden, geeignete Spielmaterialien und geduldige Erwachsene, die bei Bedarf das Spiel fachkundig begleiten.
Der Verband Kindertagesstätten der Schweiz (KiTaS) unterstützt die Initiative der Nationalrätin Jaqueline Fehr. «Für eine gesunde Entwicklung ist es für Kinder sehr wichtig, schon früh zusammen mit anderen Kindern aufzuwachsen», argumentiert die Geschäftsführerin Talin Stoffel. «Doch die hohen Kosten für Kitas verhindern das oft.» Aus ihrer beruflichen Erfahrung weiss sie, dass vor allem Familien mit mehreren Kindern oft die Tagessätze für Kita-Plätze nicht aufbringen können. «Die Politik in der Kinderbetreuung muss aber allen Bevölkerungsgruppen gerecht werden.»
Bleibt die Frage, ob der Staat ein kostenfreies Vor-Kindergarten-Jahr finanzieren kann. «Das ist eine Frage des Willens», sagt Talin Stoffel. «Fakt ist: Das Investieren in die frühe Kindheit bringt höchste Rendite, wie verschiede Studien zeigen.»
Der Spielgruppen-Verein Fürstentum Liechtenstein reagierte bereits auf die Initiative der Nationalrätin und schickte Jaqueline Fehr einen Kommentar. «Wir erleben immer wieder, welche Fortschritte die Kinder in der Spielgruppe machen, wie sie ihre sozialen, kreativen und sprachlichen Fähigkeiten spielerisch erweitern», sagt Silke Gerner, Präsidentin des Vereins. Das sei entscheidend für den späteren Schulerfolg und für eine gelungene Integration. «Der finanzielle Aufwand für das Land relativiert sich wieder. Mit jedem Kind, das beim Kindergarteneintritt über soziale Erfahrungen verfügt und unsere Sprache kennt, werden massive Folgekosten eingespart.»
Der Vorschlag eines kostenlosen Vor-Kindergarten-Jahres stösst unter Politikern auch auf Kritik. So zitierte «Der Sonntag» Christian Wasserfallen (FDP-BE), Präsident der nationalrätlichen Bildungskommission: «Kinder sollen in den Familien gross werden. Man sollte die Kinder nicht zu früh von den Familien und dem eigenen Umfeld trennen.»Auch Nationalpräsident Hansjörg Walter (SVP-TG) lehnt den Plan ab. Er hält ein kostenloses Vor-Kindergarten-Jahr für übertrieben und zu teuer. «Ich bin der Meinung, dass man Kinder bis zum obligatorischen Schulbeginn Kinder sein lassen soll.»
Autor: Sigrid Schulze im August 2012
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