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Sittlichkeit, Gehorsam und Hygiene: Vor über 100 Jahren legten Erzieher Wert auf diese Tugenden. Heute soll ein Kind in der Kita lernen, Selbstbewusstsein zu entwickeln. Sigrid Engi-van Waterschoot und Raffaela Vedova vom Gemeinnützigen Frauenverein Zürich (GFZ) sprachen mit familienleben.ch über den Wandel in der Kinderbetreuung. Der GFZ feierte 2010 seinen 125. Geburtstag.
Kinder hören in einer GFZ Kindertagesstätte in Zürich Geschichten. Foto: GFZ
Der GFZ ist ein Frauenverein, der in 2010 125 Jahre alt wurde. Ich hätte erwartet, dass Sie das Thema «Gleichberechtigung der Frau» zum Motto Ihres Jubiläums machen. Warum haben Sie sich für den Wandel in der Kinderbetreuung entschieden?
Raffaela Vedova: Ausserfamiliäre Kinderbetreuung ermöglicht es Frauen, arbeiten zu gehen. Sie können wählen, wie sie ihr Familienleben gestalten wollen. Ich finde diese Wahlmöglichkeit einen grossen Fortschritt in Sachen Gleichberechtigung.
Sigrid Engi-van Waterschoot: Die Gleichberechtigung wird indirekt angegangen. Unser Betreuungsangebot unterstützt Frauen, indem sie im Berufsleben bleiben können und Zeit für Weiterbildung haben.
Vor 100 Jahren haben Kindertagesstätten die Kleinen zu Gehorsam erzogen. Heute soll ein Kind ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln. Wie kam es dazu?
Vedova: Damals wollte man die arbeitenden Mütter in der Erziehung und sozial unterstützen, wie auch neue Erkenntnisse zur allgemeinen Hygiene vermitteln. Ein Stück weit ist das gleich geblieben. Wir erziehen Kinder auch, aber heute unter einer anderen Erkenntnis. Es sind die Anforderungen, der Gesellschaft, Kinder in der Selbstständigkeit und Selbstverwirklichung zu unterstützen. Auch durch die Forschung haben sich andere Themen ergeben.
Engi-van Waterschoot: Die Einstellung des Vereins gegenüber der Kinderbetreuung war damals eine ganz andere. Man wollte den «armen Geschöpfen» helfen. Darum war die Kinderbetreuung ein Hütedienst und zugleich eine Armenunterstützung. Hygiene stand als zentrales Thema im Vordergrund, mit der heutigen medizinischen Versorgung hat das an Wichtigkeit verloren.
Vedova: Heute sind soziale Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, Sprachförderung und Bildung grosse Themen. Die familienergänzende Kinderbetreuung ist insofern ein Beitrag an die Gesellschaft, weil Kinder individuell gefördert werden.
Zum Jubiläum des GFZ ist das Buch «Kinderbetreuung im Wandel» erschienen. Es beleuchtet die Arbeit des Vereins in Portraits, Reportagen und Fachbeiträgen. Eine Chronik der 125jährigen Tätigkeit zeigt den historischen Wandel auf. Sie können das Buch über die Webseite des GFZ www.gfz-zh.ch bestellen.
- 1. Teil Kinderbetreuung im Wandel
- 2. Teil Naturerlebnis statt Frühenglisch
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