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«Patchwork-Familien brauchen einen langen Atem»

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Sie sind so bunt wie das Muster, das ihnen den Namen gegeben hat: die Patchwork-Familien. Gerade deshalb stehen sie vor grossen Herausforderungen. Wie sie das Leben erfolgreich meistern können, haben die Paartherapeuten Doris Beerli und Stefan Ecker in ihrem Buch «Patchwork-Familie, ja!» beschrieben. Wir haben die Autorin getroffen.

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Patchwork-Familien stehen vor besonderen Herausforderungen.

Eine Patchwork-Familie braucht Zeit, um zueinander zu finden. Foto: © Getty Images, Jupiterimages, Thinkstock

In Ihrem Buch erklären Sie, wie die Patchwork-Familie erfolgreich gelingen kann. Melanie Mühl, die Autorin des Buches «Die Patchwork Lüge», findet aber, dass die Patchwork-Familie idealisiert wird.

Doris Beerli: Natürlich ist es anspruchsvoll eine Patchwork-Familie zu sein. Aber es ist nicht unmöglich. Wir haben eine Scheidungsrate von 50 Prozent und viele, die sich wieder in eine Beziehung begeben, gründen eine Patchwork-Familie. Patchwork-Familie ist die Zukunft. Sie braucht Unterstützung.

Vor welchen Herausforderungen steht die Patchwork-Familie?

In einer Patchwork-Familie gibt es ein komplexes Beziehungsgeflecht. Eltern- und Paarrolle sind nie identisch. Es gibt Ex-Partner, die mitmischen. Die eigenen Kinder und der neue Partner haben sich nicht gewählt. Kinder haben Verletzungen und Abschiedssituationen hinter sich. Mindestens einer der Partner auch. Man muss die Vergangenheit reflektieren, um in eine gute Zukunft zu kommen. Das ist anspruchsvoll.

Welche Fehler werden häufig in Patchwork-Familien gemacht?

Viele gehen davon aus, dass sie wie in der früheren Beziehung leben können – nur mit einem neuen Partner. Ich habe einen Vater mit einem sechsjährigen Kind kennengelernt, der mit einer Frau zusammen zog, die schon vier eigene Kinder hatte. Er dachte: Super, jetzt habe ich endlich mal eine Frau, die mein Kind erzieht. Das geht nicht.

Warum nicht?

Das Kind hat die Mutter überhaupt nicht akzeptiert. Ich kann als Frau nicht plötzlich die Mutter eines sechsjährigen Kindes sein.

Was kann das Paar machen?

Der Mann hat die Erziehungsverantwortung, weil er der Vater ist. Er kann schauen, welche Möglichkeiten es gibt, damit das Kind und die neue Partnerin zueinander finden. Es ist aber keine Selbstverständlichkeit, dass sie sich so gut verstehen, dass die Partnerin das Kind auch allein betreuen kann. Das muss wachsen.

Dann ist Geduld gefragt.

Patchwork-Familien brauchen einen langen Atem.

Ist das den meisten klar, wenn sie eine Patchwork-Familie gründen?

Nein. In der traditionellen Familie leben Paare eine Weile zusammen, bevor sie Kinder bekommen. Bei Patchwork-Familien ist das Kind immer schon da. Es bleibt nicht so viel Zeit für die Beziehungspflege. Manche Paare überspringen Hürden. Sie sollten aber keine Abkürzungen nehmen.

Jetzt sind wir schon bei den Lösungen, wie Patchwork-Familie gelingen kann. Es braucht also viel Zeit.

Es braucht klare Paarzeiten. Man sollte die Zeiten, in denen die Kinder beim anderen Elternteil sind, für die Beziehungspflege nutzen. Ausserdem sollten sich Paare gut überlegen, ob sie zusammen ziehen. Auch wenn es vordergründig praktisch erscheint, kann es Sprengcharakter haben und scheitern. Man sollte sich zudem bewusst sein, dass das, was sich zwischen dem neuen Partner und dem Kind entwickeln kann, im besten Fall eine Freundschaft wird.

Aber gibt es nicht Familien, in denen der neue Partner der neue Vater wird?

Das habe ich auch schon erlebt. Gerade, wenn der Kindsvater gar keinen Kontakt hatte und die Frau schnell einen neuen Partner gefunden hat. Das kann durchaus gut gehen.

Und wenn die Kinder länger mit den leiblichen Eltern gelebt haben?

Dann wird der neue Mann nie der Vater werden, die neue Frau nie die Mutter. Es ist wichtig, dass die Mutter in so einem Fall versucht, den Kontakt zum leiblichen Vater aufrecht zu erhalten und umgekehrt. Die Erziehung ist Sache der Eltern.

Warum ist es nicht die Aufgabe der Patchwork-Familie?

Der neue Partner redet sicher mit, welche Regeln im Haus gelten. Durchsetzen muss es aber die Mutter beim Kind. Wenn er es den Kindern sagt, wird er den Ton nicht richtig treffen. Die Mutter würde irgendwann reklamieren: Du hast mir nichts zu sagen. Das habe ich oft erlebt. Mutter und Vater sind in ihrer Rolle als Eltern schnell verletzbar. Das kann auch durch neue Partner geschehen, wenn die sich in die Erziehung einmischen. Das wird dann als Kritik verstanden, umgekehrt kann aber auch der Vorwurf kommen, du kümmerst dich gar nicht um «meine» Kinder. Die Position der neuen Partner ist fragil.



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