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84 Prozent aller Schweizer Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren teilen private Ereignisse aus ihrem Leben mit anderen auf sozialen Netzwerken, so eine Studie von 2011. Medienpädagogen, Eltern und Lehrer warnen vor dieser allzu frühen Selbstinszenierung. Thomas Merz, Professor für Medienbildung, entschärft dagegen die Situation: Facebook sei für Jugendliche weitgehend unbedenklich.
Medienbildung solle von Klein auf zur Erziehung gehören, so Professor Thomas Merz. © .shock - Fotolia.com
Der Tages Anzeiger erhielt kürzlich den Leserbrief eines besorgten Vaters, dessen 11-jährige Tochter in der Schule gemobbt wurde. Es handelte sich dabei jedoch nicht um das in Medien und Schulen oft thematisierte «Cybermobbing», zumindest nicht direkt: Das Mädchen wurde gehänselt, weil es kein Profil auf Facebook besass. Solche Begebenheiten sind nicht selten. Wer nicht auf Facebook zu finden ist, wird ausgegrenzt – und das bereits im jüngsten Alter.
Der Zugang auf Facebook ist laut Angaben des Betreibers erst ab 13 Jahren gestattet. Mit kleinem Schummeln bei der Altersangabe, lässt sich allerdings auch ein Profil für 9- oder 10-Jährige problemlos erstellen. Der Medienpädagoge Thomas Merz sieht darin grundsätzlich keine Schwierigkeit. «Facebook ist für Jugendliche sinnvoll. Als eine der Möglichkeiten, Beziehungen zu pflegen.», sagte der Medienpädagoge im gestrigen Interview mit dem Tages Anzeiger.
Besorgten Eltern, rät er, die Leine etwas locker zu lassen. «Diese Form von Beziehungspflege ihrer Kinder sollten Eltern aufmerksam, aber mit Gelassenheit betrachten», so Merz, Leiter des Fachbereiches Medienbildung der Pädagogischen Hochschule Zürich.
Sollen Eltern ihre Kinder zu den neuen Medien weder hin- noch wegführen, sondern lediglich altersgerecht informieren? Thomas Merz behauptet: Medienbildung muss von Klein auf dazugehören – Verbote oder gar Totschweigen seien kontraproduktiv. «Eltern müssen ihre Kinder zu einem lebenswerten, sinnvollen, spannenden Leben verhelfen. Zu einem solchen Leben gehört heutzutage auch der Umgang mit verschiedenen Medien. Zuhause, in der Schule, ja sogar im Kindergarten sollen neue Medien unbedingt thematisiert werden.»
Für Fahrlässigkeit plädiert der Medienpädagoge allerdings nicht. Sich auf den oben genannten Leserbrief beziehend, räumt er ein, dass soziale Netzwerke in der Primarschule nicht die Gruppendynamik bestimmen dürften. Ausserdem seien Grenzen und Ausgewogenheit wichtig. Er empfiehlt den Eltern, ihren Kindern im Mittelstufenalter die Nutzung von Facebook während einer halben Stunde täglich zu erlauben. «Es braucht allerdings ein ausgewogenes Verhältnis von Medienzeit und „echten“ Erfahrungen.»
Quelle: Tages Anzeiger
Text: Sabrina Stallone, 6. Januar 2012
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