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Der Mensch lernt aus der Erfahrung. Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass auch die Verarbeitung von äusseren Reizen auf diese Weise funktioniert. Unser Gehirn versucht nämlich, Sinneswahrnehmungen vorherzusagen.
Hirnforscher aus Frankfurt haben in Zusammenarbeit mit ihren Kollegen aus Glasgow bewiesen, dass unser Gehirn nicht nur Reize von Aussen aufnimmt und sie verarbeitet. Es wird auch bereits im Vorfeld aktiv und versucht, die Wahrnehmung basierend auf Erfahrungswerten vorherzusagen. Die Experten stellten fest, dass das Gehirn dadurch Energie spart.
Für ihre Studie liessen die Forscher Probanden einen Bildschirm mit sich bewegenden kleinen Balken ansehen. Bei der währenddessen durchgeführten Kernspintomografie war zu sehen, dass das Gehirn am aktivsten war, sobald einer der Balken aus dem gewohnten Muster ausbrach. Aus diesem Versuch schlossen die Wissenschaftler, dass unser Gehirn nicht nur darauf wartet, Signale aus den Sinnesorganen zu erhalten. Es nimmt an dem Prozess der Wahrnehmung aktiv teil, indem es versucht, diese Eindrücke vorherzusagen.
Wenn die Vorhersagen zutreffen, hat es den Vorteil, dass das Gehirn die ankommenden Funktionen sehr gut und mit wenig Energie verarbeiten kann. Das wird durch die geringe Gehirnaktivität in solchen Fällen bestätigt. Wenn die Annahmen des Gehirns aber nicht eintreffen, dann steigt der Energieverbrauch rapide an. Daher versucht das Gehirn, Überraschungen möglichst zu vermeiden. Das schafft es, indem es ständig daran arbeitet, die Vorhersagen zu verbessern.
Negative Auswirkungen kann diese Standby-Funktion zum Beispiel im Strassenverkehr haben. Eine Studie der Uniklinik Essen beweist, dass Autofahrer wesentlich unaufmerksamer sind, wenn sie eine Strecke bereits kennen. Wenn dann plötzlich etwas Unerwartetes passiert, erhöht das die Unfallgefahr, weil nicht so schnell reagiert werden kann.
Bianca Sellnow am 11.3.2010
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