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So viel Schutz vor Gefahren wie nötig, so viel Freiraum wie möglich: Kinder brauchen Sicherheit, doch Überbehütung schadet. Eltern sollten mit der Sicherheit ihrer Kinder nicht übertreiben. Kinder brauchen auch einen Freiraum, in dem sie sich ausprobieren und eigene Erfahrungen sammeln können.
Ein Helm zum Schaukeln auf dem Spielplatz ist unnötig und kann sogar gefährlich werden, wenn sich die Schlaufen im Spielgerät verfangen.
Wenn Jan im Garten schaukelt, trägt er einen Helm. Geht es ins Schwimmbad, zieht er einen Neopren-Anzug an. Und erklimmt er die Kletterspinne, beobachtet seine Mutter nervös jede Bewegung: «Nicht so hoch!» ruft sie. «Das ist zu gefährlich!» Fachleute warnen vor solcher Überbehütung und vor zu viel Schutz vor Gefahren durch Eltern.
Kinder brauchen nicht nur Sicherheit und Schutz vor Gefahren, sondern auch Freiräume – darauf weisen Experten Eltern immer wieder hin. «Für die Entwicklung von Kindern ist es wichtig, dass sie unter Aufsicht ohne Überbehütung eigene Erfahrungen machen dürfen», erklärt Helene Leuenberger Fankhauser, Sachbearbeiterin Erziehung bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) in Bern. «So lernen Kinder, ihre Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Sie können ein gesundes Körperbewusstsein entwickeln. Und: Sie erwerben die Fähigkeit, selbst Gefahren zu erkennen und sich sinnvoll davor zu schützen.»
Wann Eltern mit der Sicherheit ihrer Kinder übertreiben
Wo beginnt Überbehütung? «Eltern übertreiben mit der Sicherheit ihrer Kinder zum Beispiel dann, wenn sie an jeder Möbel-, Tisch- und Stuhlkante speziellen Eckenschutz anbringen», erklärt Markus Cotting, Erziehungsberater bei der bfu. Eltern dürfen das Risiko eingehen, dass sich ihre Kinder kleinere Verletzungen zufügen. Ein blauer Fleck, ein zerschrammtes Knie – das schadet Kindern nicht – im Gegenteil: Kleinere Blessuren bieten Gelegenheit zu lernen, Schmerzen auszuhalten.
Wann Eltern mit der Kindersicherheit nicht übertreiben
Eine klare Regel gibt es für die Bereiche, in denen Kinder absoluten Schutz brauchen: «Immer dann, wenn schwere Unfälle drohen oder Lebensgefahr besteht, müssen Eltern Kinder vor Schaden bewahren - und zwar so lange, bis sie alt genug sind, ihr Handeln richtig einzuschätzen», so Markus Cotting.
Ob auf dem Balkon, im Wasser, im Umgang mit Strom oder im Strassenverkehr: «Solch gefährliche Lebensbereiche lassen es nicht zu, dass Kinder durch eigene Erfahrungen lernen.» Hier grosse Vorsicht walten zu lassen, hat mit Überbehütung nichts zu tun. «Eltern sollten niemals die Fähigkeiten Ihres Kindes unterschätzen», warnt Martina Abel, Geschäftsführerin der deutschen Bundesarbeitsgemeinschaft «Mehr Sicherheit für Kinder e.V.» in Bonn. «Kinder machen oft unvorhergesehene Entwicklungsfortschritte.»
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Kommentare
Ich schliesse mich Andrea Mordasini voll und ganz an. Selber Mutter von zwei Wildfängen kenne ich die Sorge der Mütter nur all zu gut, dass ihren Kindern was passieren könnte. Aber wie Andrea sagt, Kinder müssen Erfahrungen sammeln. Dazu gehören auch einmal ein paar blaue Felcken und Schrammen. Weiter kommt dazu, dass wenn Kinder ständig einen Helm tragen auch viel risikofreudiger werden: "kann ja nichts passieren"! Diesen Trend kann man gut auf den Skipisten beobachten. Versteht mich nicht falsch, auf den Skipisten bin ich auch dafür das Helme getragen werden. Aber man sieht vermehrt dass die Leute, seit fast alle einen Helm auf dem Kopf haben, viel schneller fahren. Ein anderes Beispiel: Meine Schwester trainierte als Jugendliche Karate und machte oft an Wettkämpfen mit. Dabei durfte bei den Kämpfen der Bauch bei einer Technik leicht (kontrolliert) berührt werden, der Kopf jedoch gar nicht. Das funktionierte ganz prima. Klar gab es, wie bei allen Sportarten ab und an einmal eine kleine Verletzung. Dann wurde für Kinder und Jugendlich die Helmpflicht während des Kampfes eingeführt. Darauf verloren die Kämpfer die Hemmungen und es wurde viel härter geschlagen und zwar auch auf den Kopf - Ergebniss, mehr Verletzungen und Prellungen. Die Helmpflicht wurde wieder abgeschaft. Sicherheit ist wichtig, aber in Massen.
Dieser Sicherheitswahn nimmt immer abstrusere Formen an, da kann ich nur noch den Kopf schütteln. Wenn ich nämlich höre und lese, dass Eltern ihren Nachwuchs mit Fahrradhelmen ?bewaffnet? auf die Spiel- und Bolzplätze schicken, sträuben sich bei mir die Nackenhaare. Helme gehören auf den Kopf, ganz klar, aber nur und vor allem im Strassenverkehr. Gerade bei Wildfängen wie bei meinen beiden (5 und 3.5) braucht es viele starke Nerven ;). Schliesslich will jede Mutter doch nur das Beste für ihr Kind ;-) . Ich kann und will meine beiden wilden und neugierigen Kinder aber nicht in Watte packen und ständig vor allen Gefahren beschützen. Sie müssen Gefahren erfahren und diese kennenlernen. Nur so lernen sie mit ihnen umzugehen und gesunder Respekt davor zu entwickeln. Dass dies nicht gleich Stürze aus hoher Höhe und gefährliche Stromschläge sein müssen, ist aber klar. Sie brauchen Freiheiten und müssen auf die Schnauze fallen um wieder aufstehen zu können. Schrammen, aufgeschlagene Knies und blaue Flecken haben weiss Gott noch keinem Kind geschadet und gehören zur gesunden und normalen Entwicklung dazu. Auch ich (Baujahr 1972 ;-) ) habe dies überlebt und lebe übrigens immer noch:-) ! Die Kinder müssen wissen, dass und weshalb Dinge gefährlich sein können. Indem ich sie angeleitet und begleitet zum Beispiel mit Messern und Scheren hantieren lasse, lernen sie spielerisch den Umgang damit. Von hysterischen und panischen Helikoptereltern dauernd überbeschützte und vor Gefahren bewahrte Kinder werden verweichlicht, unsicher und unselbständig. Sie werden in ihrer Entwicklung zu selbstständigen Personen gehemmt und gebremst und draussen im echten Leben, spätestens in der Spielgruppe, Kindergarten, Schule gefahrenmässig auf die Welt kommen. Eine solche Erfahrung will ich meinen ersparen! Zudem kennen die Eltern ihre Kinder am besten und wissen genau, was und wie viel sie ihnen zutrauen können. Neben einigen Sicherheitsvorkehrungen (Helm und Vorsicht im Strassenverkehr, Vorsicht bei offenen Fenstern, vor Strom und am Wasser, Medikamente, Putzmittel und Alkohol ausser Reichweite,?) und etwas Kontrolle braucht es vorallem Vertrauen in seine Kinder und sich selbst, eine Portion Glück, Lockerheit, starke Nerven, gesunder Menschenverstand und eine Heerschar wachsamer Schutzengel. So reifen Kinder zu selbstbewussten, selbstständigen, starken und mutigen Erwachsene heran. Allen Leserinnen und Lesern sowie ihren Kindern wünsche ich eine unfallfreie und sorglose Zeit :)
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