Weitere Artikel

Migrantenkinder werden in der Schweiz schlecht integriert
Die Schweiz fördert Migrantenkinder zu wenig. Zu diesem Resultat gelangt eine Studie der OECD.
weiterlesen

Eltern und Lehrer: Eine konfliktreiche Beziehung
Sie wollen mit den Lehrern Ihrer Kinder gut auskommen? Hier erfahren Eltern, wie sie einen guten Kontakt zu Lehrern herstellen.
weiterlesen

Ausbildung: Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch
Nach einer Bewerbung für eine Ausbildung sind Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen? Auf welche Fragen Sie eine Antwort haben sollten, lesen Sie hier.
weiterlesen
Jungen zeigen schlechtere Schulleistungen als Mädchen. Elisabeth Grünewald-Huber, Professorin an der Pädagogischen Hochschule Bern, hat in ihren Untersuchungen herausgefunden, dass es unter anderem an den stereotypen Männlichkeitsvorstellungen liegt. Mit familienleben.ch sprach sie über die Ergebnisse ihrer Forschung.
Wenn Jungen stereotype Männlichkeitsvorstellungen haben, kann das ihre Schulleistungen negativ beeinflussen. Foto: © Dmitriy Shironosov | Dreamstime.com
Als Gründe für die tieferen Schulleistungen der Jungen nennen Sie in Ihrer Studie «Faule Jungs - strebsame Mädchen?» beispielsweise, dass Buben sich nur schwer mit der Schule identifizieren können, dass sie sich so wenig wie möglich für die Schule anstrengen wollen und sie zu viel Computer spielen. Es scheint ja, als wären die Buben selbst schuld.
Nein, dieser Schluss sollte nicht gezogen werden, auch wenn unsere Projektdaten zu den genannten Ergebnissen geführt haben. Die ungünstigere Haltung der Jungen zur Schule und ihre geringere Motivation für schulisches Lernen sind weder biologisch begründet, noch durch die Jungen selbst verursacht, sondern gelernt. Solange prominente Männer und auch manche Väter sich damit brüsten, dass sie in der Schule viel Blödsinn getrieben und schlechte Noten kassiert haben, um dann beruflich trotzdem zu reüssieren, müssen wir uns nicht wundern, dass Jungen den Zusammenhang zwischen Lerneinsatz und Lernerfolg nicht begreifen. Dazu kommt, dass Jungen Schulerfolg vor allem als Ergebnis von Begabung ansehen, während Mädchen diesen dem eigenen Lerneinsatz zuschreiben.
Zur Studie «Faule Jungs - strebsame Mädchen»
Die Studie der Pädagogischen Hochschule Bern und der Universität Bern befragte 872 Schülerinnen und Schüler der achten Klassen aller Anspruchsniveaus im Kanton Bern. Es wurden zudem 16 Gruppendiskussionen geführt und Unterrichtsvideos von 16 Lektionen Deutsch bzw. Mathematik ausgewertet. Der Projektbericht zur Studie wurde im Juni 2011 veröffentlicht.
Die Ergebnisse
Die Noten der Jungen waren im Durchschnitt 0.2 Punkte tiefer als die der Mädchen. Warum die Buben tiefere Schulleistungen erbringen, liegt unter anderem an folgenden Punkten:
- Bei Knaben ist Schulentfremdung stärker ausgeprägt. Sie identifizieren sich schwerer mit der Schule und dem Lernen.
- Die Peergruppen der Jungen haben eine negativere Einstellung zur Schule.
- Die Jungen haben traditionellere Geschlechtervorstellungen.
- Die Buben zeigen häufiger deviantes Verhalten (prügeln sich, ärgern Lehrer).
- Knaben sind weniger bereit sich für die Schule anzustrengen.
- Die Freizeitaktivitäten von Jungen sind stark medienlastig.
Weitere Hintergründe zur Studie und zum Thema «faule Jungs» lesen Sie im Artikel «Warum Jungen so schlecht in der Schule sind»
Mehr über das Projekt «Faule Jungs - strebsame Mädchen» lesen Sie unter www.faulejungs.ch
Einige Experten behaupten, das Grundproblem liege an der Feminisierung der Bildung: Es gibt zu viele weibliche Lehrer. Weibliche Verhaltensmuster wie still sitzen oder fleissig sein werden gefördert. Sie forderten daher, dass man mehr männliche Lehrer einstellen, die Buben stärker fördern sowie ihre Stärken anerkennen müsste. Wie sehen Sie das?
Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem Geschlecht der Lehrpersonen und dem Schulerfolg der Jungen! Heutige Kinder müssen in der Schule weniger lang still sitzen als dies früher der Fall war. Weil sich die Pädagogik und Didaktik weiter entwickelt haben. So ist der Unterrichtsstil heute auch weniger autoritär als früher und es wird mehr diskutiert. In unserer Studie hat sich gezeigt, dass männliche Jugendliche dies sogar noch mehr schätzen als weibliche. Natürlich sollen die Stärken aller Kinder anerkannt werden, aber daneben soll auch an den jeweiligen Defiziten gearbeitet werden. Kinder sollen auch aus Fehlern und berechtigter Kritik lernen.
Trotzdem behaupten die Kritiker, dass man sich zu lange nur der Mädchenförderung gewidmet und die Jungen vernachlässigt hat. Würden Sie dem zustimmen?
Nein, überhaupt nicht. Es gibt nicht ein Entweder-Oder. Die Mädchen hatten einen grossen Nachholbedarf, da sie lange gebremst wurden. Sie haben nun aufgeholt, während die Jungen deshalb nicht schlechter wurden. Es sind vor allem ausserschulische Faktoren wie stereotype Männlichkeitsvorstellungen, die den Jungen schaden.
Wie kommt das?
Das kommt vor allem daher, dass Männer bis etwa in die 60er Jahre gegenüber Frauen grosse Vorrechte hatten. In den letzten 50 Jahren haben sich die Rechte und Pflichten der Geschlechter mehr und mehr angeglichen. Männer, die in diesem sozialen Wandel für sich mehr Nachteile als Vorteile sehen, befürworten traditionelle Geschlechterrollen. Diese werden an die heranwachsenden Jungen weiter gegeben. Dabei wird leider übersehen, dass die letzten Jahrzehnte gerade auch Männern neue attraktive Optionen eröffnet haben!
Eventkalender
Dessert-Klassiker

Erdbeer-Rhabarber-Auflauf
Haben Sie Fragen?
Swissmilk-Ernährungsberater geben gerne Auskunft.
Lokale Suche
Freizeitgestaltung
Ausflüge, Spielplätze und Restaurants...
...über 6000 interessante Orte für Ihre Familie finden Sie mit der neuen Kartensuche
Video

Wenn Kinder und Hund unter einem Dach leben
Damit die Harmonie zwischen Kind und Hund stimmt, dürfen einige wichtige Punkte nicht vergessen werden.
Unsere Partner
Neueste Beiträge im Forum
Babynamen

Die beliebtesten Vornamen
Sie sind schwanger und suchen einen schönen Vornamen für Ihr Kind? Hier finden Sie die beliebtesten Vornamen in der Schweiz.








Kommentare
HI,
hier schreibt eine glühende STarWars Anhängerin. Schon als kl.Mädchen war ich davon fasziniert und habe mit meinen Freunden (*gender) gefachsimpelt. Heute habe ich einen dreijährigen Sohn und sehe schon stereotypische Verhaltensweisen, auch an mir selbst. Wer jetzt schon Baggerführerin ohne Komplexe sagen kann hat die Evolution hintersich gebracht... Es kommt noch viel auf uns zu... LG Nadi
Eine Situation: Ich bin Mutter von einem 6-Jährigen Bub. Seit Januar ist unsere ganze Familie in einem "Star Wars" Fieber. Wir bauen aus Lego Jedi-Türmer, Schiffe und Landschaften, kämfpen mit Laser-Schwerten. Da ich als Diplom-Arbeit die Verbindungen zwieschen Märchen und moderner Literatur untersucht habe, finde ich "Star Wars" nichts anderes als ein modernes Märchen mit allen Elementen eines tradizionelen Zaubermärchen. Nun eines Tages kommt mein Sohn aus der Tagesstruktur nach hause und sagt, dass am Mittagstisch allen Buben verboten wurde, über "Star wars" zu reden. Das hat mich derart überascht, dass ich mit der Leiterin ein Gespräch gesucht habe. Auf die Frage nach einem Grund, hat sie mir folgendes gesagt: "Unsere Betreuerinen kennen das Thema nicht und die Jungs sind beim Diskutieren zu laut gewesen. Und dann haben sich die Mädchen am Tisch gestört gefühlt, weil für sie "Star Wars" langweilig ist und sie konnten nicht mitreden."
Für mich persönnlich ist so ein Grud ein Zeichnen von Lehrkraftsschwäche. Was mich noch mehr überraschte ist, dass im Tagesstruktur eine Mädchenstunde organisiert wurde, wo ausschlisslich Mädchen sich unterhalten und basteln können. Auf die Frage, wie dann die Jungs während dieser Stunde beschäftigt werden, wurde mir gesagt, dass sie einfach allein spielen dürfen. Das ist gerade die Gegenteil von dem, was Frau Grünewald-Huber behauptet. Ich bin gegen jegliche Bevorzugung weder von Jungen, noch von Mädchen. Ich bin aber für faire Startbedinungen. Es sieht im Moment aber so aus, dass nicht nur die Eltern, sondern auch die Lehrer mit den Stereotypen nicht klar kommen.
Als Mutter einer 10-jährigen Tochter und eines 6-jährigen Sohnes fand ich die Studie hochspannend; sie deckt meine Beobachtungen als Mutter, Mentorin bei Jugendlichen und Lernenden. Unsere Schulen haben viel zu wenig Lehrer; im Gegensatz zu meiner Schulzeit (70er-Jahre). Quereinsteiger haben es sehr schwer. In der Arbeitswelt gibt es viele qualifizierte Männer/Väter, die gerne - und gut - unterrichten würden, dies aber wegen der geforderten Ausbildung nicht tun dürfen. Die Erfahrung und Motivation ist da, doch Zeit und vor allem Geld fehlen, die Diplome zu erlangen. Das ist sehr schade. Die meisten Kinder geschiedener Eltern leben bei der Mutter. Jungs haben keine männliche Bezugsperson mehr. Eine Ausgewogenheit der Geschlechter im Lehrberuf würde Toleranz und Verständnis zwischen den Geschlechtern fördern und wäre eine Bereicherung. Herzliche Grüsse.
Zu den weiteren Kommentaren