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Kalte und feuchte Hände, Rauschen im Kopf, heftiges Herzklopfen: Viele Kinder kennen die Symptome der Prüfungsangst, die oft in einen frustrierenden Teufelskreis führt. Je grösser die Angst vor dem Versagen ist, umso wahrscheinlicher wird der Misserfolg.
Hat Ihr Kind Angst vor der bevorstehenden Prüfung? Lesen Sie bei uns, was Kinder gegen Prüfungsangst tun können. Foto: Pixland - Thinkstock
Jana hat sich sehr gut auf ihre Mathe-Arbeit vorbereitet. «Sie hat den Dreisatz verstanden und kann ihn anwenden», weiss ihre Mutter. Dennoch hat sie Sorge, dass Jana beim Test versagt. Denn Jana leidet schon seit einem halben Jahr unter starker Prüfungsangst. Immer öfter fühlt sie sich in Prüfungssituationen, als habe sie ein Brett vor dem Kopf. «Die Angst ist manchmal so gross, dass ich nicht mehr denken kann», klagt Jana. «Mein Kopf ist ausgeschaltet, obwohl er doch gerade jetzt gut funktionieren soll.»
Prüfungsangst verhindert genau das, was sich die Betroffenen so dringend wünschen: den Erfolg. Prüfungsangst entwickelt sich oft zum Teufelskreis, aus dem Kinder nicht mehr heraus finden. Denn Angst blockiert und führt zum Versagen, Versagen zu noch mehr Angst, die immer weitere Kreise zieht. «Prüfungsangst äussert sich oft auch in einem Vermeidungsverhalten durch Kranksein, dem Verschieben der Prüfung bis zur Verweigerung des Schulbesuchs», warnt Christina Guhl vom Schulpsychologischen Dienst Graubünden im Bündner Schulblatt.
Prüfungsangst ist unter Kindern und Jugendlichen stark verbreitet. «Studien anhand von repräsentativen Stichproben belegen, dass ca. 15 bis 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen häufig Angst haben, durch eine Prüfung zu fallen oder sich vor schlechten Noten fürchten», weiss Christina Guhl. Zahlen, die Eltern und Lehrer schwindelig machen.
«Wo liegen die Ursachen von Prüfungsangst?» fragen sich viele Eltern. Nicht der Test an sich macht Kindern Angst, sondern dass Bewusstsein, dass er zu einer Bewertung führt. Manche Kinder stellen den eigenen Selbstwert in Frage, wenn die Noten nicht ausfallen wie erhofft. Andere haben Angst vor den Reaktionen der Eltern, vor Schimpfe, Stubenarrest, Fernsehverbot.
Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten stehen Kinder unter besonderem Druck. Sie sollen schaffen, was den Eltern vielleicht nicht gelungen ist: gute Noten als Eintrittskarte in ein interessantes und sicheres Berufsleben. «Druck erzeugt Hilflosigkeit und Angst. Druck ist eine Einbahnstrasse, die unglücklich macht», betonen Udo Baer und Waltraut Barnowski-Geiser, Autoren des Ratgebers «Keine Angst vor der Schule».
Prüfungsangst konkretisieren:
Hilfreich ist es, mit dem Kind zusammen Ursachenforschung zu betreiben. Welche Situationen lösen besondere Angst aus? Hat es Angst vor einem speziellen Lehrer? Ist die Prüfungsangst mit bestimmten Fächern verbunden? Bestehen dort Wissenslücken? Hat es Angst vor der Reaktion der Eltern, wenn es eine schlechte Note präsentiert? Ist die grosse Nervosität eventuell nur mit mündlichen oder nur mit schriftlichen Tests verbunden? Wenn ja, warum? Hat es genug Zeit, sich auf Tests vorzubereiten?
Druck nehmen:
Sicher, Kinder brauchen auch beim Lernen Anleitung, Vorgaben und Regeln. Eltern, die auf Regeln und Regelmässigkeiten achten, zeigen dem Kind: «Ich bin interessiert daran, dass du gut in der Schule klar kommst.» Doch der Wert eines Kindes darf nicht an seinem Schulerfolg gemessen werden.
Kinder sind keine Lernmaschinen. «Sie brauchen lernfreie Zonen, in denen sie ungestört spielen und sich entfalten», darauf weisen Udo Baer und Waltraut Barnowski-Geiser hin. Eltern sollten wissen, dass auch beim Spielen fürs Leben gelernt wird. «Im Spiel wird die Welt erschlossen. Das Kind kann spielerisch in Rollen schlüpfen, kann gut und böse sein, schlau und dumm, kann gewinnen und verlieren, kurz: seine Umgebung und sich in ihr kennenlernen.»
Stärken stützen:
Sicherheiten und Stärken sind ein wirksames Mittel gegen Angst. Was kann das Kind gut? Hat es Spass an Musik, ist es eine Sportskanone, hat es viele kreative Alltags- und Spielideen? Gut, wenn Eltern Stärken erkennen und würdigen. Die Sorge «Mein Kind interessiert sich nur noch für Klamotten» kann zum Beispiel durch den anerkennenden Gedanken «Mein Kind hat ein sicheres Gefühl für gutes Styling» ersetzt werden. So erfahren Kinder Anerkennung, entwickeln Selbstwertgefühl und Stärke.
Mit dem Lehrer sprechen:
Leidet ein Kind unter Prüfungsangst, sollte der Lehrer davon wissen. Nur so kann er die tatsächliche Leistung, die Kenntnisse und die Fähigkeiten des Schülers beurteilen. Darüber hinaus kann er viel dazu beitragen, Druck und damit Prüfungsangst zu reduzieren.
Kontakt zum Schulpsychologischen Dienst aufnehmen:
Wissen Eltern und Lehrer nicht weiter, hilft ein Termin beim Schulpsychologischen Dienst. Hier versuchen kompetente Fachleute herauszufinden, was genau sich hinter der Prüfungsangst des Kindes verbirgt. Eltern und Lehrer werden beraten, der Schüler unterstützt.
Entspannungsübungen gegen Prüfungsangst:
Angst setzt sich in einem angespannten Körper fest. Ein entspannter Körper dagegen löst Ängste und innere Blockaden. Viele Entspannungsübungen lassen sich leicht in den Alltag einbauen.
• Buchtipp: Keine Angst vor der Schule. Was Eltern tun können. Von Udo Baer und Waltraut Barnowski-Geiser. Beltz Verlag 2010.
• Bündner Schulblatt zum Thema «Prüfungsangst»: www.legr.ch
Autor: Sigrid Schulze
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