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Die Schweiz muss sich die Frage nach einem zukunftsfähigen Schulsystem stellen. Die Bildungspolitikerin Jacqueline Fehr plädiert für eine Reform jenseits pädagogisch überholter Dogmen und politischer Mythen. Erfahren Sie, warum ein Top-Bildungssystem Frühförderung braucht und wo die Vision einer Schule der Zukunft schon heute Wirklichkeit ist.
Wir stehen heute vor einen Reformstau, sagt Jacqueline Fehr. Die Schule muss sich erneuern und dabei konsequent auf das Bedürfnis der Kinder ausgerichtet werden.
Frau Fehr, bei PISA lag die Schweiz gerade mal im Mittelfeld. Woran krankt unser Bildungssystem?
Die Schweiz hat sich zu lange auf dem Glauben ausgeruht, das beste Bildungssystem der Welt zu haben. So hat man übersehen, dass unser Bildungssystem viele Reformen verpasst hat. Wir stehen deshalb heute vor einem Reformstau. Das ist fatal, denn die Schule muss sich ständig erneuern und sich immer neu an den Kindern ausrichten.
Die Idee, man habe irgendwann eine perfekte Schule, ist ein Irrweg.
International ist in Sachen kindorientierter Schulreformen viel gegangen. Vom Kind her gedacht, baut ein modernes Schulsystem auf drei Erkenntnissen auf: Kinder lernen erstens gerne, zweitens unterschiedlich und drittens überall, das heisst nicht nur in der Schulbank, sondern auch auf dem Pausenplatz oder zwischen den Schulstunden.
Woher stammt diese Erkenntnis?
Es sind Erfahrungswerte. Die nordeuropäische Länder und Kanada haben ihr Schulsystem in den letzten Jahren entlang diesen Grunderkenntnissen entwickelt und stehen heute an der Spitze. Sie haben es dabei auch geschafft, dass sich die Schule als lernende Organisation versteht und die Reformen nie abgeschlossen sind. Die Idee, man habe irgendwann eine perfekte Schule, ist ein Irrweg.
In Ihrem Buch weisen Sie darauf hin, dass gegenwärtig in der Schweiz ein politischer Kulturkampf um die Schule entbrannt ist
Über das Thema Schule werden heute das Geschlechterverhältnis und die Rollenbilder diskutiert. Dabei prallen zwei Gegensätze aufeinander. Das eine Familienbild ist rückwärtsgewandt, konservativ und mythosbeladen: Es hält an der sogenannt traditionellen Familie fest und behauptet, nur diese Familienform sei für die Kinder positiv. Das andere Familienbild geht von vielfältigen und unterschiedlichen Familienformen aus. Es nimmt für sich in Anspruch, dass weniger die Form als mehr die tatsächlichen Beziehungen und Unterstützungen über das Wohl des Kinders entscheidet.
Hat dies mit den überholten pädagogischen Dogmen zu tun, gegen die Sie in Ihrem Buch anschreiben?
Ja. Das konservative Menschenbild führt zur konservativen Schule mit Disziplin und Strafe. Interessant ist, dass dahinter die Angst vor dem eigenen Bedeutungsverlust steckt. Die Disziplin hat nämlich im Kern den Zweck, das heranwachsende, stürmische Potential der Jugend zu beherrschen. Das andere Menschenbild führt zur individuellen Förderung. Ziel dabei ist es, den Menschen mit seinen Fähigkeiten wachen zu lassen. Dazu gehört eine individuelle Förderung und die stille Hoffnung, dass die nachkommende Generation einmal schlauer und besser sei als die eigene.
Die Disziplin hat im Kern den Zweck, das heranwachsende, stürmische Potential der Jugend zu beherrschen.
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