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Über das Tabu-Thema Pornografie wollen viele Eltern nicht mit ihren Kindern sprechen. Scham und moralische Gründe hindern sie daran. Dabei wäre gerade wichtig, dass Jugendliche bei diesem Thema nicht allein gelassen werden. Denn Pornografie ist auf dem Handy und im Internet für Kinder leicht zugänglich.
Handys sind ein beliebtes Speichermedium für pornografische Videos.
Moderne Handy-Geräte sind Alleskönner. Mit einem Handy können Fotos gemacht und Videos gezeigt werden. Doch nicht immer handelt es sich dabei um schöne Ferienaufnahmen. Das Handy ist auch ein beliebtes Speicher- und Verbreitungsmedium für Pornografie. Die Polizei stellt bei Jugendlichen eine Zunahme von Pornografiedarstellungen auf dem Handy, Computern und anderen Datenträgern fest.
Dass sich Personen, die solche Videos verbreiten und auf ihrem Handy abspeichern, strafbar machen, wissen nur die wenigsten Jugendlichen. Der Besitz von Gewaltdarstellungen oder harter Pornografie auf dem Handy ist verboten. Wer dagegen verstösst, muss Busse zahlen oder gar ins Gefängnis.
«Darstellung geschlechtlicher Vorgänge unter einseitiger Betonung des genitalen Bereichs und unter Ausklammerung der psychischen und partnerschaftlichen Gesichtspunkte der Sexualität.» aus: Duden. Das Fremdwörterlexikon, Mannheim 1982
In der Pornografie wird Sexualität vereinfacht. Es geht nicht um die Liebesbeziehung, sondern fast ausschliesslich um den Sex. Ziel ist es, beim Betrachter Erregung und Lust zu wecken. Häufig wird Sexualität realitätsfremd dargestellt. «Pornofilme vermitteln deshalb vielfach ein falsches Bild von Frauen und Männern. Viele zeigen Frauen, die jederzeit bereit sind, mit jedem Mann, der sie anmacht, Sex zu haben», schreibt das Beratungsportal «Lust und Frust».
Quellen: feelok.ch, lustundfrust.ch
Bereits über die Hälfte der Jugendlichen zwischen 11 und 16 Jahren sind gemäss einer Lizentiatsarbeit der Universität Fribourg aus dem Jahr 2009 mit Pornografie in Kontakt gekommen. Das kann auch der Sexualpädagoge Bruno Wermuth bestätigen: «Aus unserer Erfahrung und im Alltag wird immer mehr sichtbar, dass Pornografie in der jugendlichen Welt ein Thema ist», sagte er dem TV-Magazin «DOK».
Dabei haben deutlich mehr Jungen als Mädchen Pornofilme gesehen. Den meisten ist Pornografie im Internet begegnet, oft zufällig oder jemand hat es ihnen gezeigt. Vom Internet können die Clips leicht auf das Handy übertragen werden. Per Bluetooth, der Funkverbindung auf kurze Distanz, sind die Filme schnell an Freunde verschickt.
Wer pornografische Bilder an Jugendliche unter 16 Jahren verschickt, macht sich strafbar. Foto: © Andrey Arkusha | Dreamstime.com
Jugendliche sollten mit diesen Bildern auf dem Handy nicht allein gelassen werden. Gemäss der Fribourger Lizentiatsarbeit wünscht sich ein Drittel der befragten Jugendlichen Informationen zum Thema. Eltern sollten deshalb mit ihren Kindern über Sexualität und Pornografie reden.
Klären Sie Ihre Sprösslinge über die Rechtslage auf. Wer Jugendlichen unter 16 Jahren Pornografie anbietet, macht sich strafbar. Das gilt auch dann, wenn Kinder selbst noch nicht 16 Jahre alt sind.
Wer pornographische Schriften, Ton- oder Bildaufnahmen, Abbildungen, andere Gegenstände solcher Art oder pornographische Vorführungen einer Person unter 16 Jahren anbietet, zeigt, überlässt, zugänglich macht oder durch Radio oder Fernsehen verbreitet, wird mit Gefängnis oder mit Busse bestraft. (Art. 197, Ziffer 1, StGB)
Zudem ist der Besitz, der Download oder die Verbreitung von harter Pornografie generell verboten. Dazu zählen gemäss der Ratgeberplattform «Lust und Frust» Fotos, Videos oder Spiele, bei denen Menschen oder Tiere gequält oder getötet werden, es zu gewalttätigen sexuellen Handlungen kommt, nackte Kinder sexuell aufreizend posieren (Kinderpornografie), Kinder beim Sex mit Erwachsenen oder Jugendlichen dargestellt werden oder Sex zwischen Menschen und Tieren gezeigt wird.
Jugendliche machen sich demnach strafbar, wenn sie sich selbst oder andere Kinder aus Spass nackt filmen und diese Videos ins Internet stellen oder auf das Handy laden. Ausserdem können solche Videos per Handy oder Internet schnell die Runde machen und sind so weltweit für viele Jahre zugänglich.
Wer in der Familie ungezwungen über Sex und Liebe reden kann, dem wird es auch nicht schwer fallen, das Thema Pornografie anzusprechen. Eltern sollten ihren Kindern Fragen beantworten und das Thema einordnen. Den Jugendlichen sollte bewusst sein, dass Sex in der Realität ganz anders abläuft als es in pornografischen Filmen auf dem Handy oder im Internet gezeigt wird.
Wer Schwierigkeiten hat, darüber zu sprechen, kann sich bei Familienberatungsstellen Hilfe holen oder seinen Kindern die Adressen der Fachstellen weitergeben.
Text: Angela Zimmerling
Die Rubrik «Medienkompetenz» wird von Swisscom präsentiert. Das Unternehmen hat mehr als 6800 Schweizer Schulen kostenlos ans Internet angeschlossen und setzt sich für den Jugendmedienschutz ein. Mehr Infos ...

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