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Probleme mit der Kinderkrippe

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Die Vaterland-Kolumne. Diesmal schauen wir uns Kinderkrippen an. Oder wir betrachten Kindergärten näher. Einerlei. Merkwürdige Plätze sind sie allemal. Nicht erst seitdem sie in unserem Leben eine Rolle spielen. Vor allem für Hanna und Hans.

In der Kinderkrippe wird Wert auf Pünktlichkeit gelegt.

In der Kinderkrippe ist Pünktlichkeit wichtig.

Den eigenen Kindern mit zwei und fünf Jahren Pünktlichkeit beibringen? Prinzipiell sehr einfach. Man erklärt Ihnen wie wichtig der pünktliche Gang aus dem Haus um zehn Minuten vor Acht am Morgen ist. Sie nicken. Man macht Ihnen noch einmal den genauen Timeslot für Kinderkrippe und Kindergarten klar. Sie nicken. Noch einmal erklärt man Ihnen die genaue Zeit für das Eintreffen vor Ort. Weil das so mit Kinderkrippe und Kindergarten abgesprochen ist. Die Betreuerinnen sind da ein wenig schweizerisch. Man darf schon einmal zu spät kommen. Es sollte nur nicht nach der ausgemachten Zeit sein. Und wir sprechen hier durchaus von Sekundenbruchteilen. Das verstehen meine Kinder. Sie nicken.

Und dann spielen sie einfach weiter. Papa kann im Hintergrund noch so sehr auf die Minute genau sein wollen. Eine Puppe und ein Polizeiauto mit abgebrochenem Blaulicht sind wichtiger. Papa schwenkt die Uhr im Hintergrund. Schon richtig. Aber Hanna hat eben immer ein wenig zu wenig Buch gelesen. Sie will eben noch einmal kurz nachschauen. Der Hase könnte ja über Nacht von Seite 10 auf Seite 11 gehoppelt sein. Und Hans braucht dringend noch einmal eine Runde mit dem kaputten Polizeiauto im Plastikparkhaus. Vater steht inzwischen mit hektisch vor sich hin tappendem Fuss vor den Schlümpfen. Aber Hans hat den Aufzug noch nicht bis zum dritten Stockwerk hochgefahren.

Dann ist es wieder so weit. Papa wird laut. Er zeigt auf die Uhr und kreischt: 7.50 Uhr!

Das ist ihm peinlich. Den Schlümpfen auch. Also lassen sie die Spielsachen sinken und sich anziehen. Raus aus dem Haus. Denn der Zeitplan duldet keine Verspätung. Die Betreuerinnen sehen das auch so. Verspätung ist für Memmen. Hier geht es um einen geordneten Ablauf. Also hechtet Papa mit den Schlümpfen um 7.55 Uhr aus dem Haus und schiebt Hans auf dem Trottinett ein wenig schneller als üblich. Die Vaterlunge wird das schon packen. Auch bergauf. Um 8.05 Uhr erreicht man zusammen mit neuer Bestzeit die Kinderkrippe. Wieso man denn heute so spät komme? Die Leiterin der Kinderkrippe ist ein Dienstleister. Und bei drei Minuten Verspätung kommt es zu Leistungsausfällen. Und zudem brüllt Hanna seit einem Kilometer Wegstrecke. Sie hat das Buch zuhause vergessen. Wunderbarer Morgen. Entspannter ist vermutlich nur eine Akkordschicht im Schlachthof, Abteilung Darmwäsche.

Vater verspricht Hanna das Buch aufs abendliche Abholen. Ein wenig Ruhe kehrt ein. Aber das Schniefen des kleineren Schlumpfes wird Vater noch den Tag über beschäftigen. Dabei sitzen jetzt alle in der Krippe wieder nur herum. So wie sie das auch im Kindergarten tun. Den erreicht Vater mit Hans um 8.20 Uhr. Das war knapp. Auch hier geht die Betreueraugenbraue nach oben. Hans kann gerade noch vor dem Morgenkreis in seine Finken hechten. Dann lungern alle wieder herum.

Und Vater kriecht mit den Nerven fertig in sein Büro. Gut dass sein Stress nicht minutengenau sein muss.

Aber was wäre denn nun, wenn die Kinder in Ruhe fertig spielen würden. Man käme vermutlich nicht genau um 8.00 Uhr in die Krippe. Es könnte 8.15 Uhr werden. Deshalb stürzen für gewöhnlich die Kantone auch in der Schweiz nicht ein. Und wenn der Kindergarten nun nicht um 8.25 Uhr beginnen würde? Oder wenn er einfach … begänne. Aber die Kinder kämen in Gleitzeit. So wie der Papa ins Büro kommt. Was wäre denn dann? Gäbe es dann 15 Jahre später mehr Gewalt in Fussballstadien oder eine Zunahme der Drogenabhängigen im Kreis 4? Würde auch nur eine Mama ihre Kinder am Abend unglücklicher vorfinden? Ich bin mir nicht sicher. Vermutlich wären aber alle entspannter. Und ein wenig Entspannung könnte auf diesem Erdteil auch nicht schaden.

Hans ist vier und ein paar Monate. Hanna ist knapp zwei. Und ich bin Vater. Diesen Monat schauen wir uns Kinderkrippen an. Oder wir betrachten Kindergärten näher.

Text: Harald Taglinger

Harald Taglinger schreibt über das Leben als Vater

Harald Taglinger wohnt in Zürich und erzählt gerne Geschichten. Siehe http://taglinger.de.

Der Autor ist Vater zweier Kinder, die er nicht mit Hans und Hanna verwechselt sehen möchte.

Ausserdem macht er Musik. Im stillen Kämmerchen. Und er läuft gerne in den Alpen herum. Ziellos.

Vaterland ist die wöchentliche Kolumne von Harald Taglinger. Er berichtet aus dem Leben eines Familienvaters.


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