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Kinderkrippe: Was, wenn die Kinder krank werden?

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Die Vaterland-Kolumne: Die Luft ist rein und klar. Die Kinder sind in der Krippe und im Kindergarten. Das Leben ist gut. Bis dieser Anruf kommt. Und eines ist klar: Er kommt immer. Unverständlich. Vor allem im unpassenden Moment.

Wenn das Kind krank ist, rufen die Erzieher der Kinderkrippe bei den Eltern an.

Von der Kinderkrippe gibt es merkwürdige Anrufe.

Bei Kindergärten ist das nicht zwingend so. Aber Krippen sind natürlich auch ein Kinderhort. Weil Mama und Papa arbeiten müssen. Da sollen die Kinder gut aufgehoben sein. Dass der Staat das von Kindergärten eh will: gut. Vor allem im Fall von glücklichen Schlümpfen. Die freuen sich einen Ast in Krippen und Gärten. Dann ist alles gut. Und der Staat ist glücklich. Wir als Eltern dann halt auch. Meinetwegen.

Papa oder die Mama geben die Kinder ab. Dann gehen alle ihrem Tagwerk nach. So haben alle ihre Freude. Die Schlümpfe haben Spass in der Krippe oder im Kindergarten. Malen und Singen. Draussen spielen und zusammen eine Geschichte lesen. So ähnlich sieht das auch im Büro von Papa aus. Powerpoint und Telefonieren. Meetings und Protokolle. Mama kann das gleiche Lied davon singen. Aber eigentlich haben alle ihren Tag am Laufen.

Ausser eben an diesen Tagen. DIESE Tage. An denen Vater in einem Meeting die Ohren singen hört. Weil die Powerpoint noch dringenden Meetingbedarf erzeugt. Und eigentlich soll das Meeting mit dem Manager gleich starten. Aber da kommt IMMER dieser merkwürdige Anruf.

Vater: «Ja?»
Stimme: «Ja, Genau.»
Vater: «Bitte?»
Stimme: «Spreche ich hier mit dem Vater von Hans?»
Vater: «Wer ist denn da?»
Stimme: «Ach. Da bin ich aber froh.»
Vater: «Hallo?»
Stimme: «Ja. Genau.»
Vater (Nun ungeduldiger. Manager steht daneben. Scharrt.): »Wer ist denn da?»
Stimme: «Hans.»
Vater: «Nein.»
Stimme: «Eigentlich die Krippe von Hans. Gell da staunen Sie.»
Vater: «Ja.»
Stimme: «Ich habe mir gedacht: Ich rufe am besten an.»
Vater: «Also…?»
Stimme: «Es ist nämlich so.»
Vater «…»
Stimme: «Hans geht es eigentlich ganz gut.»
Vater: «Schön.»
Stimme: «Er blutet halt ein bisschen.»
Vater: «…bitte?»
Stimme: «Nicht so schlimm. Also jetzt nicht mehr.»
Vater: «…wie bitte?»
Stimme: «Wir haben ihm einen Eisbeutel aufgelegt. Die Wunde müsste vielleicht genäht werden.»
Vater: «…also, könnte ich bitte jetzt…»
Stimme: «Es geht ihm aber schon gut. Er jammert nur so. Sein Papa fehlt ihm.»
Vater: «Soll ich…»
Stimme: «Aber eigentlich ist es nicht so schlimm.»
Vater: «Was soll ich denn jetzt bitte machen?»
Stimme: «Also. Man müsste ihn ins Krankenhaus schaffen.»
Vater: «Ich komme.»
Stimme: «Aber vielleicht auch nicht.»
Vater: «Ich komme. Sofort.»
Stimme: «Wenn Sie meinen.»
Vater: «…»
Stimme: «Die Wunde sieht nicht mehr so schlimm aus.»
Vater: «Ich bin in zwanzig Minuten da.»
Stimme: «Ach so.»

Ich bin dann hingefahren. Meeting vertagt. Manager hat das irgendwie verstanden. Ich auf Adrenalin wie ein Freikletterer mit Schmierseife an den Händen. In 15 Minuten war ich da. Hans lag in einem Nebenraum. Waschlappen auf dem Kinn. Hingefallen. Er hat mich ganz fest umarmt. Und ich ihn. Dann bin ich am kompetenten Betreuungsteam vorbei mit ihm ins Krankenhaus gefahren. Einen Stich musste man nähen. Dann war alles schon wieder ein bisschen besser. Hans ist dann nicht mehr in die Krippe zurück. Wir haben zusammen einen Mohrenkopf gegessen. Hans hat mir alles in drei Sätzen erzählt. Er sei gelaufen. Er sei gestolpert und auf das Kinn gefallen. Dann habe es zu bluten angefangen.

Aber die Frauen haben ja sofort bei mir angerufen. Ja. Das haben sie. Wie gut. Eltern geben ihre Kinder jeden Tag in einer Krippe oder einem Kindergarten ab. Sie fühlen sich eh schon schlecht dabei. Und letztendlich werden Meetings auch immer überschätzt. Aber der Mohrenkopf mit Hans war unendlich mehr wert. Vielleicht war genau das professionell. Nur habe ich es in dem Moment nicht begriffen. Mir kam der Anruf nur so weltfremd vor.

Hans ist vier und ein paar Monate. Hanna ist knapp zwei. Und ich bin Vater. Diesen Monat schauen wir uns Kinderkrippen an. Oder wir betrachten Kindergärten näher. Einerlei. Merkwürdige Plätze sind sie allemal. Nicht erst seitdem sie in unserem Leben eine Rolle spielen. Vor allem für Hanna und Hans.

Text: Harald Taglinger

Harald Taglinger schreibt über das Leben als Vater

Harald Taglinger wohnt in Zürich und erzählt gerne Geschichten. Siehe http://taglinger.de.

Der Autor ist Vater zweier Kinder, die er nicht mit Hans und Hanna verwechselt sehen möchte.

Ausserdem macht er Musik. Im stillen Kämmerchen. Und er läuft gerne in den Alpen herum. Ziellos.

Vaterland ist die wöchentliche Kolumne von Harald Taglinger. Er berichtet aus dem Leben eines Familienvaters.


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