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Lieder im Kindergarten singen

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Die Vaterland-Kolumne. Kinder lernen viel. In Kindergärten und Krippen lernen sie ganz viel. Leider manchmal zu viel. Denn niemand hat die Eltern gebrieft. Deshalb stinken die dann beim abendlichen Rapport ab.

Im Kindergarten singen Kinder neue Lieder.

Im Kindergarten lernen Kinder Lieder kennen.

Neulich stand Hanna mit ihren zwei Jahren sehr stolz vor uns. Sie schaute uns mit ihren Strahleaugen an. Dann holte sie tief Luft. Das folgende Geräuschprodukt identifizierten wir als Kinderlied. Zumindest hatte es ein rhythmisches Jaulen als Basis. Hanna warf dazu ihre Arme in die Luft und liess sich bei der Silbe «wadddadddaddgnuuuu» auf den Boden fallen. Hans klatschte begeistert und stimmte bei der zweiten Strophe mit einem «Wo diä Sunnä immer schiiint» in den Gesang ein. Und seine Tanzschritte sahen durchaus strukturiert aus.

Solche Regentänze scheinen unsere Kinder in ihren Krippen und Gärten zu lernen. Auch im 21. Jahrhundert. Allerdings muss der Stoff eine Neubearbeitung sein. Die Schlümpfe schauten uns ein wenig enttäuscht an. Denn wir machten keinen Ruck. Uns war die Aufforderung entgangen. «wadddadddaddgnuuuu» konnte ja übersetzt so etwas wie «Und jetzt schwingst du auch dein Tanzbein» heissen. Wir wussten es nicht. Bei «Schwänzli i d‘Höh‘» habe ich meine Kindergartenausbildung abgebrochen. Meine Gattin hatte noch ein «Holäduuli» zu bieten. Und die Geschichte von einem aggressiven Geisschen. Und dass man auf dem Weg zum Markt bei Baden in einem Tunnel verschwindet.

Kurz: Wir hatten nicht den geringsten Schimmer. Wir machten uns gerade zu musikalischen Vollversagern. Und das vor den Augen unserer Schlümpfe. Kinder lernen viel in Krippen und Gärten. Aber dabei lernen die Eltern eben nicht mit. Das kommt erst wieder zu Schulzeiten. Wenn es um Hausaufgaben geht. Aber bis dahin tappen Erziehungsberechtigte total im Dunkeln.

Meine Frau und ich verfielen in Panik. Eine kurze Bestandsaufnahme folgte. Wir hatten bisher nicht den leisesten Schimmer von Frühstücksgesängen. Oder vom korrekten Gebrauch eines Malblocks im Kindergartenumfeld. Auch kannten wir eigentlich keinen der Tischsprüche.

Darauf angesprochen lieferte Hanna auch wieder so eine radebrecherische Variante ab. Aber seitdem erwartet sie allen Ernstes von uns die Wiedergabe von «Hufffunuglbarattla». Und das vor jedem Mittagessen. Und dazu müssen wir wirr mit den Armen fuchteln. Sogar Hans tappt bei dieser Variante im Dunkeln. Bei ihm wiederum sind wir ziemlich sicher: Niemand sagt im Kindergarten «PiepPiepliebhammhamm» vor dem Essen. Aber er besteht heulend darauf. Und wir wissen es nicht besser. Wir wohnen leider im Erdgeschoss. Wahrscheinlich haben vorbeigehende Passanten einen sprachlich eher ungünstigen Eindruck von unseren Appetitswünschen vor der Suppe. Sie sollten uns eben dann nicht durch die Fenster beobachten. Das kann bei Erwachsenen bleibende Schäden hervorrufen.

Wir haben die Optionen diskutiert. Keiner von uns beiden will zu Kreuze kriechen und beim Betreuungspersonal um Aufklärung bitten. Wahrscheinlich würde man uns auslachen. Die Handhabung eines Fondues hatte uns ja auch niemand zu erklären. Und trotzdem gingen wir mit der Gabel sauber um. Selten flog bei uns der ganze Brotkorb ins Rechaud.

Aber beim nächsten Elternabend werden wir das über das Kollektiv lösen. Meine Frau wird scheinheilig fragen. Wie noch einmal schnell das Zahnputzlied geht. Und ich werde alle zum Mitsingen auffordern. Und dann wird es zappenstill im Raum sein. Und ich werde mich erbost in die Mitte stellen. Die Hände in die Hüften. «So!» Das werde ich sagen: «Dann singt uns jetzt eben die Betreuerin dieses und alle anderen Lieder noch einmal langsam vor. Dann muss es aber sitzen.»

Meine Frau und ich freuen uns auf den Abend.

Hans ist vier und ein paar Monate. Hanna ist knapp zwei. Und ich bin Vater. Diesen Monat schauen wir uns Kinderkrippen an. Oder wir betrachten Kindergärten näher. Einerlei. Merkwürdige Plätze sind sie allemal. Nicht erst seitdem sie in unserem Leben eine Rolle spielen. Vor allem für Hanna und Hans.

Text: Harald Taglinger

Harald Taglinger schreibt über das Leben als Vater

Harald Taglinger wohnt in Zürich und erzählt gerne Geschichten. Siehe http://taglinger.de.

Der Autor ist Vater zweier Kinder, die er nicht mit Hans und Hanna verwechselt sehen möchte.

Ausserdem macht er Musik. Im stillen Kämmerchen. Und er läuft gerne in den Alpen herum. Ziellos.

Vaterland ist die wöchentliche Kolumne von Harald Taglinger. Er berichtet aus dem Leben eines Familienvaters.


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Kommentare

  • joli 10.11.2011 16:20 Uhr
    Ja, ich kenn das Gefühl ...Um künftig nicht mehr die Hosen unten zu haben, sondern die Nase vorn, empfehle ich die 5 Liederhefte incl.CD von Béatrice Gründler. Sie sind im Walti Bräm Verlag erschienen und werden in Schulen und Kindergärten seit über 10 Jahren gesungen, haben das goldige Chrönli 2 x gewonnen (http://www.sgoldigchroenli.ch/)und eignen sich genauso für zu Hause: v. allem Ohreschmaus und Zungebrächer; Lieder zum Alltag der Kinder:Zahnputzjoel, Badwanne ahoi,Handwäschhiphop, Schlaflied, Ganz en hufe Wünsch...
    auf www.beatrice-gruendler.ch anzuhören und zu bestellen. Auch ein Musikbilderbuch, womit die Stimme experimentell entdeckt werden kann, gibts dort: "Der Traum von Fidelio Vogelsang".Eine Geschichte in Wort, Bild und Klang. Viel Spass beim Singen und nicht aufgeben, neugierig zu sein!!
    Joli
  • elisa1 15.04.2011 12:21 Uhr
    was habe ich gelacht! geht uns zuhause genau so! danke!

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