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Geschenke zum Kindergeburtstag

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Die Vaterland-Kolumne: Kinder gehen gerne zu Kindergeburtstagen. Dann bringen sie Geschenke mit. Die muss das Geburtstagskind sofort auspacken. Sonst gibt es eine Schlägerei. Die gibt es aber auch sonst.

Zeichnung: Zum Kindergeburtstag gibt es Geschenke

Zu einem Kindergeburtstag gehören Geschenke.

Kindergeburtstag. Bei dem Wort springen manche Eltern in ein Fass und machen den Deckel zu. Wir finden das aber eigentlich ganz nett. Hans feiert seinen fünften. Die anderen vier waren OK. Geburtstag 0 war ein wenig intensiv für meine Gattin und ihn. Geburtstag 1 endete in einer wilden Tortenschlacht mit Omis und Opis und Göttis. Man isst eben zum Wohl des Kindes. Geburtstag 2 und 3 brachten die ersten Gäste. Aber Magnus und Philipp beachteten Hans nicht wirklich. Der spielte eh nur mit den Geschenken. Der findet Feiern eigentlich «nöd luschtig». Geburtstag 4 hatte dann schon mehr Gäste zu bieten. Und wir haben die letzten Reste vom Schoggikuchen zirka vier Wochen später aus allen Steckdosen gepult bekommen. Also eigentlich kein Problem.

Kindergeburtstag 5 beginnt mit einem wilden Geklingele. Fünf Gäste stehen vor der Türe. Und jeder hat ein Geschenk dabei. Und jeder will, dass man das Geschenk gleich auspackt. Nur Hans will gerade nicht. Er stellt noch die Geschenke für die anderen zusammen. Darauf ist er besonders stolz. Ich weiss nicht wie lange meine Gattin mit den Schlümpfen deshalb in diversen Läden unterwegs war. Vermutlich hatte sie vorher noch keinen grauen Langbart. Denn Geschenke aussuchen ist immer schwer. Egal in welchem Alter. Und egal für wen. Wir wissen auch nicht mehr sicher um die Anfänge. Irgendwelche Eltern haben das gestartet. Ich weiss noch um unsere Unsicherheit. Hans kam plötzlich mit einem Geschenk von einer Geburtstagsfeier. Dabei war er doch auch mit einem losgezogen. Im normalen Leben komme ich ja auch nicht mit einem anderen vollen 35 Liter Sack von der Mülltonne zurück. Aber hier ist natürlich alles anders. Hier handelt es sich um einen Ausnahmezustand. Kenner nennen es einen Kindergeburtstag.

Also lief meine Familie gefühlte Jahreszeiten lange in diversen Läden herum. Heraus kamen Schiessfiguren für die Jungs und ein Katzenpuzzle für die Mädchen. Klammer auf. Eltern sind fast nie an diesen Schenkklischees schuld. Es sind die Kinder selbst. Sie schenken sich puppiger und rosaner als es sich jedes Grosi bei einem Mädchen trauen würde. Und sie beballern nur die Jungs mit Waffen und Autos. Das wollte ich nur bemerkt haben. Klammer zu.

Also stehen bei uns jetzt fünf gelangweilte Kids im Gang. 30 Minuten später stösst auch wieder Hans zur Truppe. Er habe das Überraschungsgeschenk für jeden vorbereitet. Da nicken alle. Das soll ja eine Überraschung sein. Und wehe die fehlt überraschenderweise. Also steht man nun im Kreis. Meine Gattin schlägt Spiele vor. Sie will eine schöne Feier für Hans. Da kann sie erst einmal einpacken. Denn Hans und die Kinder wollen jetzt auspacken.

Wir wissen wie das bei Erwachsenen zugeht. Man nimmt das Geschenk in der Form einer Krawatte zu sich. Dann schüttelt man es. Dann sagt man «was da wohl drin sein mag». Dann öffnet man es vorsichtig. Dann sagt man entzückt «eine Krawatte». Dann freut sich der Schenker. Und man selbst denkt sich «ich trage gar keine Krawatten». Und dann denkt man noch «immer bekomme ich Krawatten». Dann packt man die nächste Krawatte aus.

Bei Hans und den 5 Kids ist das anders. Hans nimmt sich zuerst das von Reto. Aber das ist ihm zu klein. Also legt er es zurück. Darauf fängt Reto zu heulen an. Aber Hans hat schon das grosse von Ilona im Visier. Und Reto prügelt inzwischen auf Ilona ein. Meine Gattin beruhigt Reto und Ilona. Sie bietet den beiden Schokolade an. Darauf hin schlägt Ilona auf Reto ein. Dummerweise erwischt sie dabei Hanna. Unsere Hanna. Darauf zerrt meine Gattin Ilona weg. Dann bietet sie Hanna Schokolade an. Und Ilona sieht ihr grosses Geschenk über alle Köpfe fliegen. Hans mag keine Fake-Büsche aus Styropor. Ich überlege schon die Entsorgungsstrategie. Für den Busch. Nicht für Ilona. Und Hans packt weiter aus.

Lustlos. Keiner schenkt Autos. Hans ist enttäuscht. Vor allem die Hello Kitty Tasche von Irene macht das arme Mädchen eigentlich für die nächsten 20 Jahre nicht mehr befreundungsfähig. Hans wird ihr sicher kein Geschenk geben wollen.

Der Kindergeburtstag soll eigentlich ein schönes Fest sein. Jetzt versuchen wir Gaza im Kinderzimmer zu verhindern. Es wird schon gehen. Meine Frau hat ja noch Schoggi als Trumpf. Mehr dazu nächste Woche.

Hans ist fünf. Hanna ist knapp zwei. Und ich bin Vater. Diesen Monat geht es um Kindergeburtstage. Hans feiert Geburtstag. Das tun Menschen jedes Jahr. Aber Kinder tun das tagelang. Und mit einer gewissen Akribie. Nur die Eltern schwächeln dabei ein wenig.

Hier geht es zum ersten Teil der Kindergeburtstags-Geschichte

Text: Harald Taglinger

Harald Taglinger schreibt über das Leben als Vater

Harald Taglinger wohnt in Zürich und erzählt gerne Geschichten. Siehe http://taglinger.de.

Der Autor ist Vater zweier Kinder, die er nicht mit Hans und Hanna verwechselt sehen möchte.

Ausserdem macht er Musik. Im stillen Kämmerchen. Und er läuft gerne in den Alpen herum. Ziellos.

Vaterland ist die wöchentliche Kolumne von Harald Taglinger. Er berichtet aus dem Leben eines Familienvaters.


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