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Kuchen beim Kindergeburtstag ist lustig

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Die Vaterland-Kolumne: In konsequenter Missachtung unserer alten Waldorf-Freundin Herbstleite Meier haben wir ausschliesslich Schoggikuchen für den Kindergeburtstag vorbereitet. Der tut beim Rumwerfen auch nicht so weh wie selbst eurythmierte Honigwaben. Und er geht leichter aus dem Haar heraus.

Zeichnung: Zum Kindergeburtstag gibt es Schokokuchen

Kinder lieben zum Kindergeburtstag Schoggikuchen.

Hans hatte sich also durch die anfänglichen Geschenke gekämpft (siehe letzte Woche). Und Hanna hatte sich wieder beruhigt (siehe auch letzte Woche). Sogar (auch hier: siehe letzte Woche) Ilona konnten wir resozialisieren. Denn die Schoggikuchentafel ist das zentrale Prachtstück an einem gelungenen Kindergeburtstag. Und meine Gattin hatte vorgesorgt (siehe vorletzte Woche). Wir galoppierten also zum Kreis der sieben Feiernden. Mit einem lichterloh brennenden Kuchen. Darauf brannten noch einmal fünf Kerzen. Es ist unglaublich. Kinder werden in diesem Alter so oft fünf. Fast als wären sie damit schon fast sieben. Wir haben während der gesamten Feierlichkeiten das Volumen eines Altersheimgeburtstags an Kerzen aufgebraucht. Nur für Hans.

Wir stehen also vor dem erwartungsvollen Haufen und singen wieder vom fröhlichen Geburtstag. In sieben Augenpaaren stehen allerdings statt dem Widerschein des Kerzenlichts nur Wörter wie «Kakao» und «schneller» zu lesen. Also singen wir schneller. Meine Gattin hatte den Kuchen klugerweise auch schon einmal vorgeschnitten. Wir hätten das folgende Gerangel sonst nicht überlebt.

Es ist faszinierend zu sehen. Die Heisenberg’sche Unschärferelation muss ihm wohl während des Austeilens von ungesundem Schokokuchen in den Sinn gekommen sein. So schnell sieht man eigentlich Materie sonst nicht diffundieren und nach einem kurzen Oszillieren auf dem Kinderteller verschwinden. Und rein physikalisch ist der Kuchen dann weg. Auch wenn sein optisches Bild uns noch auf der Netzhaut brennt.

Aber die energetische Wirkung des folgenden Zuckerschubs ist galaktisch.

Hans hat vermutlich damit angefangen, weil beim Trinken eben jemand einen Witz machen musste. Vermutlich er selbst. Also prustet er los. Und das finden alle sofort lustig. Also prustet es siebenfach durch das Zimmer. Eine Mischung aus Schoko und Wasser. Ein südamerikanischer Dauerregen auf die sorgsam ausgebreitete Tischdecke. Meine Gattin liebt so was. Prusten traut sich nicht einmal Onkel Ruedi. Das letzte Mal hat ihm das einen Schlag auf den Hinterkopf eingebracht. Mit der flachen Hand. Da kennt meine Gattin nichts. Aber wehre dich mal gegen paralleles Prusten. Nicht einmal indische Gottheiten mit sieben freien flachen Händen hätten da eine Chance.

Alles lacht und prustet nun hysterisch und verwandelt unsere weissen Wohnzimmerwände in eine nicht uninteressante Strukturfassade. Aber Wände sind nicht lustig. Die prusten nicht mit. Also drehen sich alle zueinander. Mit vollem Mund. Vorher aber noch einmal extra gefüllt.

Ein brauner Regenbogen und ein Gegigel erstreckt sich über der sorgsam dekorierten Kakao- und Schoggikuchentafel. Hans findet es «uuuuu luschtig». Und die andere Kinder «lässig». Meine Gattin allerdings hat diesen teuflischen Blick. Der erscheint nur bei etwas gespreizter Seelenlage. Und ich vermute es läuft wieder auf «Schoggi Extreme» heraus. Spieledesigner würden es «Extreme Water Gear Cleaning – Full Soap Adventure» nennen.

In der späteren Sicherheit ihrer Eltern werden es die Freunde von Hans eine schockierende «Erfahrig» nennen. Die Mama von Hans sei mit einem Waschlappen durchgegangen. Es sei alles so schnell passiert. Wie der Ninja im Kinderkanal. Die schöne Schoggi habe sie weggewischt. Und danach habe es Limo gegeben. Weisse Limo. Wo man doch gar keine weisse Limo möge. Aber sie habe gelacht. Und das habe wie HARR HARR geklungen. Aber bis dahin sei es uuuuuu luschtig gewesen. Danach nur noch sauber.

Es gibt ein Leben nach der Schoggitafel. Und man setzt es besser nicht bei der Mutter von Hans aufs Spiel.

Hans ist fünf. Hanna ist knapp zwei. Und ich bin Vater. Diesen Monat geht es um Kindergeburtstage. Hans feiert Geburtstag. Das tun Menschen jedes Jahr. Aber Kinder tun das tagelang. Und mit einer gewissen Akribie. Nur die Eltern schwächeln dabei ein wenig.

Hier geht es zum 1. Teil der Kindergeburtstags-Geschichte: Kinder, morgen wird’s Geburtstag geben
2. Teil: Kindergeburtstag: Ankommen und Geschenke

Text: Harald Taglinger

Harald Taglinger schreibt über das Leben als Vater

Harald Taglinger wohnt in Zürich und erzählt gerne Geschichten. Siehe http://taglinger.de.

Der Autor ist Vater zweier Kinder, die er nicht mit Hans und Hanna verwechselt sehen möchte.

Ausserdem macht er Musik. Im stillen Kämmerchen. Und er läuft gerne in den Alpen herum. Ziellos.

Vaterland ist die wöchentliche Kolumne von Harald Taglinger. Er berichtet aus dem Leben eines Familienvaters.


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