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Kindergeburtstag: Lustige Spiele spielen

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Die Vaterland-Kolumne: Kinder feiern Geburtstag immer mit Remmidemmi. Für Remmi ist dann der Papa des Jubiliärs zuständig. Und für Demmi die Mama.

Zeichnung: Zum Kindergeburtstag werden Lieder mit der Gitarre gespielt

Zu einem Kindergeburtstag gehören Spiele wie die «Reise nach Jerusalem».

Vor einem Jahr war das noch leichter. Die Geburtstagsfete von Hans bestand im Wesentlichen aus sehr einfachen Modulen. Modul 1 hiess «Reinkommen». Da kamen alle Kinder rein. Die meisten hatten ein Geschenk für Hans dabei. Das war schon einmal gut. Modul 2 hiess «Spielen». Alle Kinder verschwanden mit Hans in einem Zimmer. Dann war es ruhig. Zu ruhig. Wir fanden nach einer Stunde Ilona halb ausgezogen auf dem Bett liegen. Hans hat das «OP Saal spielen» genannt. Wir haben lieber nicht nachgefragt. Wir haben lieber Modul 3 gestartet. «Geburtstagskuchen». Dann schoben wir direkt Modul 4 hinterher. Das war einfach. Das entsprach dem Modul 2. Allerdings schaute meine Gattin Hans SEHR ernst in die Augen. Man soll doch lieber Eskimo spielen. Eskimos würden übrigens immer ihre Hosen anlassen.

Hans: «Bim Bisi au?»
Gattin: «Sicher.»
Hans: «Und äs Gaggi?»
Gattin «Gönd go schpilä.»

Wie gesagt war das alles sehr einfach. Ilona blieb angezogen. Und ab 17.00 Uhr trat automatisch das Modul 5 in Kraft. Die Eltern kamen und holten die Goofen ab. Manche rochen eh schon nach Prosecco. Aber sie liessen sich trotzdem noch zwischen Tür und Angel abfüllen.

Das hatte schon alles seine Richtigkeit.

Dieses Jahr allerdings starren wir in die gähnende Lücke zwischen Modul 3 und 4. Eskimo und OP Saal scheinen an Relevanz für das Auditorium verloren zu haben. Die Kinder lungern auffällig nahe bei uns herum. Also begreifen wir. Es ist an uns. Wir werden dieses Jahr die Schar entertainen.

Ich packe also meine verstaubte Wandergitarre und setze mich neben sechs Stühle. Hans und seine Gäste setzen sich auf diese Möbel. Das führt aber bei Hanna zu offenem Protest. Für sie ist nämlich kein Stuhl mehr da. Ich nenne das die «Reise nach Jerusalem». Hanna haut nach mir. Ich erkläre die Spielregeln und fange meine wild um sich schlagende Ninjatochter ein. Der Papa spielt jetzt ein Lied. Und alle tanzen um die Stühle herum. Beim letzten Takt rennen alle auf die Stühle zu. Und dann muss der ohne Stuhl ausscheiden. Meine Gattin versucht unsere hyperventilierende Tochter im Nebenzimmer wieder zur Besinnung kommen zu lassen.

Ich fange also zu spielen an. C Dur. Die meisten Kinder springen auf und laufen um die Stühle (minus ein Stuhl) herum. Nur Hans nicht. Der bleibt sitzen. Ich nicke ihm zu. Er winkt mir zu. Die anderen laufen weiter und warten auf den finalen Schlag meiner Gitarre. Ich versuche Hans aufzuscheuchen. Aber der bleibt sitzen. Das sei sein Stuhl. Die anderen laufen um uns beiden herum. Ich sage, dass das nicht nett sei. Die anderen würden schliesslich auch im Kreis herum laufen. Hans verschränkt seine Arme und bockt. Er habe schliesslich heute Geburtstag. Und die anderen nicht. Ich höre zu spielen auf. Fünf Kinder suchen einen Stuhl. Ilona steht natürlich vor dem von Hans und heult. Er soll aufstehen. Aber Hans will nicht. Er habe heute Geburtstag. Ilona haut ihm eine rein. Jetzt steht Hans auf und jagt Ilona. Und es steht ein Stuhl zu wenig herum. Also fange ich schnell wieder spielen an.

Dieses Mal muss bei Spielschluss Reto ohne Stuhl herumstehen. Er schaut mich traurig aus seinen Aargauer Augen an. Er habe aber nächste Woche Geburtstag. Und hinten meldet sich Dominic. Er nächsten Monat. Hans will sowieso seinen Stuhl zurück. Er weint jetzt wie Ilona. Ich stehe ein wenig irritiert mit meiner Wandergitarre da. Vielleicht hätte ich doch die Stereoanlage mit Rammstein füttern sollen. Das wäre angemessener gewesen. Vermutlich. Und ausserdem müssen die Regeln für die Reise nach Jerusalem neu geschrieben werden. So geht es natürlich nicht. Am besten man stellt sieben Stühle für sieben Mitspieler hin. Und dann darf Papa seine Rammsteinplatten hören. Und zwischen den lärmenden Kakophonien bleiben alle sitzen. Zumindest die mit einem Geburtstag in den nächsten 365 Tagen. Das ist nicht lustig. Vor allem für Mama. Die mag Rammstein nicht so. Aber die Schlümpfe haben Spass. Und darum geht es ja schliesslich bei einem Geburtstagsfest.

Hans ist fünf. Hanna ist knapp zwei. Und ich bin Vater. Diesen Monat geht es um Kindergeburtstage. Hans feiert Geburtstag. Das tun Menschen jedes Jahr. Aber Kinder tun das tagelang. Und mit einer gewissen Akribie. Nur die Eltern schwächeln dabei ein wenig.

Hier geht es zum 1. Teil der Kindergeburtstags-Geschichte: Kinder, morgen wird’s Geburtstag geben
2. Teil: Kindergeburtstag: Ankommen und Geschenke

3. Teil: Friss oder Spiel – Kuchen beim Kindergeburtstag ist lustig

Text: Harald Taglinger

Harald Taglinger schreibt über das Leben als Vater

Harald Taglinger wohnt in Zürich und erzählt gerne Geschichten. Siehe http://taglinger.de.

Der Autor ist Vater zweier Kinder, die er nicht mit Hans und Hanna verwechselt sehen möchte.

Ausserdem macht er Musik. Im stillen Kämmerchen. Und er läuft gerne in den Alpen herum. Ziellos.

Vaterland ist die wöchentliche Kolumne von Harald Taglinger. Er berichtet aus dem Leben eines Familienvaters.


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