Weitere Artikel

Kindergeburtstag feiern ist lustig

a | A
Drucken

Die Vaterland-Kolumne. Auch das schönste Kindergeburtstagsfest geht einmal zu Ende. Die Planung dafür wäre dann auch vorhanden. Aber meistens kommt es anders als man plant. Vor allem im Falle einer Planung.

Zeichnung: Zum Kindergeburtstag gehen Kinder im Regen spielen

Zu einem Kindergeburtstag wollen Kinder draussen spielen, auch wenn es regnet.

Wir hatten uns das alles schön ausgemalt. Hans vor allem. Sein Geburtstagsfest sollte um 14.30 mit dem Eintreffen der Gäste beginnen. Tat es auch. Dann wollte Hans die Geschenke einsammeln. Machte er auch. Und dann sollte es Schokolade hageln. Am Kaffeetisch. Tat es auch. Allerdings nicht ganz im Sinne meiner Gattin. Wir werden vermutlich die Wohnung neu streichen müssen. Aber egal. Und Hans hat es sich auch weiter gehend zurecht gelegt. Nach dem Kaffee und Kuchen würde man erst einmal seine Schwester Hanna loswerden. Irgendwie hat Hans das auch geschafft.

Aber ab diesem Zeitpunkt zeigt die generalstabsmässige Planung des Projekts «Geburtstag V» seine Schwächen. Natürlich hat Hans noch einmal Spielen angesetzt. Und natürlich soll am Schluss jeder seiner Gäste noch ein kleines Geschenk mit nach Hause nehmen. Aber vom Spielen bis zur Übergabe sehen wir jetzt eine kleine Strukturschwäche.

Dominic wird es nämlich als erstem langweilig. Dann klagt Ilona über Unlust. Die Reise nach Jerusalem finden alle nach drei Stücken von Rammstein (siehe letzte Woche) doch ein wenig redundant. Und das verbunden mit dem Kochlöffel nach einem Topf schlagen findet vermutlich nur der Papa lustig. Weil er die vormachende Mama noch selten so drapiert mit einem Kochlöffel auf dem Boden herumschlagen und – kriechen gesehen hat.

Also lässt zur Abwechslung unsere Tochter Hanna mit ihren 2 Jahren die Bombe hochgehen. Sie tanzt im Gang der Wohnung herum und krakeelt plötzlich «Spiiieeeeele goooooo» und «ussssäääää». Damit ist die Fete geplatzt.

Jetzt wollen plötzlich alle raus auf den Spielplatz. Das ist schon OK. Das wollen alle einmal in ihrem Leben. Aber warum heute? Und bei diesem Regen? Wir verlieren. Die Ersten ziehen sich bereits die Jacken an. Naja. Es hat ja auch schon ein wenig zu regnen aufgehört. Wir packen also alle Kinder so gut es geht wasserdicht ab. Dann hört man noch ein Jubeln. Und sechs Kinder machen sich aus dem Staub und in den Schlamm. Nur Hans steht traurig da. Was denn nun mit den Geschenken am Schluss passiert? Ich nicke. Keine Angst. Der Papa bringt die alle mit nach draussen.

«Und de Chuechä?»

Ja, den Kuchen bringt der Papa auch. Und 30 Liter Limonade. Und einen Espresso für den Papa. Da kann Hans wieder lachen und ist dann auch nicht mehr gesehen. Ich packe also alles in einen eher unschönen Einkaufstaschenwagen der Marke «Grosi goht go poschtä» und schlenkere den Kindern in den Hof hinterher. Ein wenig kann ich das Chaos schon ahnen. Aber was weiss ich. Ich bin ja nur der Papa dieser Schlümpfe.

Im Hof angekommen sehe ich Ilona gerade kopfüber in eine Schlammpfütze fallen. Das macht nichts. Zum einen sind Hans und ich uns eh einig. Ilona ist ein Arschloch. Das passt also. Ausserdem sieht man so ihre Kuchenflecken im Gesicht nicht mehr so. Vorhin ist sie meiner Gattin bei der Reinigung entwischt. Jetzt hat sie der liebe Gott eben dafür bestraft. Basta. Scheinheilig trösten wir Ilona. Dass das ja alles nicht so schlimm ist. Stimmt. Eigentlich ist es ja witzig. Aber uns vergeht danach auch das Lachen.

Denn eine erste Gästezählung ergibt plötzlich neun. Der Zuwachs ist unerklärlich. Aber sieben spielende Kinder haben eben eine Anziehungskraft. Aber wohin sollen wir die zwei übrig Gebliebenen zurückgeben? Das Fest soll ja in zirka 45 Minuten enden. Dann kann man ja schlecht die überzähligen Kinder in die Tonne treten. Den Witz findet meine Gattin gar nicht lustig.

Aber es kommt schlimmer. Immer wieder glauben Eltern an die Singularität ihrer Kindergeburtstagsfeiern. Dem ist aber nicht so. Im Haus müssen mindestens noch drei weitere statt gefunden haben. Etwa in der gleichen Altersstufe. Auf jeden Fall können wir plötzlich ein un-glaub-lich-es Gebrüll hören. Wir sehen eine Horde von weiteren 20 Kindern auf uns zu rennen. Ich überschlage in Panik die Limonadenreserven. Aber die Karawane zieht weiter. Eine Schnitzeljagd. Dabei wurden vorher Plastikwaffen an die Teilnehmer ausgeteilt. Das ist hoch attraktiv. Und so blättern von unseren sieben Teilnehmern drei ab. Wir bleiben aber mit den ursprünglich zwei neu dazu gekommenen stehen. Was die Sache nicht leichter macht: Hans gehört zu den Überläufern. Aber das macht nichts. Denn inzwischen hat sich uns noch eine weitere Geburtstagsfeier mit einer Menge Hexenkostüme angeschlossen. Wir geben einfach das Durchzählen auf.

Zur ausgemachten Zeit drücken wir einfach insgesamt sieben Kindern je ein Abschiedsgeschenk in die Hand. Wir schenken allen auftauchenden Eltern einen Prosecco ein. Als Dankeschön. Wofür auch immer. Manche Eltern wehren sich am Anfang gegen die ihnen zugeteilten Kinder. Aber nach zwei weiteren Gläsern sind die meisten zufrieden. Meine Gattin rettet die Situation mit einem: «Wenn man sie erst einmal abgekärchert hat, dann sind es meistens die eigenen unter der Schlammschicht.»

Schliesslich stehen Hanna und Hans zufrieden neben uns. Sie haben auch Abschiedsgeschenke bekommen. Von einer anderen Geburtstagsfeier. Die Kinderbüchlein sind schön. Sie sind nur leider auf Türkisch. Das soll aber Hans und Hanna nicht stören. Ich bin ja schliesslich der Vorleser.

Hans ist fünf. Hanna ist knapp zwei. Und ich bin Vater. Diesen Monat geht es um Kindergeburtstage. Hans feiert Geburtstag. Das tun Menschen jedes Jahr. Aber Kinder tun das tagelang. Und mit einer gewissen Akribie. Nur die Eltern schwächeln dabei ein wenig.

Hier geht es zum 1. Teil der Kindergeburtstags-Geschichte: Kinder, morgen wird’s Geburtstag geben
2. Teil: Kindergeburtstag: Ankommen und Geschenke

3. Teil: Friss oder Spiel – Kuchen beim Kindergeburtstag ist lustig
4. Teil: Kindergeburtstag: Topf und Spiele

Text: Harald Taglinger

Harald Taglinger schreibt über das Leben als Vater

Harald Taglinger wohnt in Zürich und erzählt gerne Geschichten. Siehe http://taglinger.de.

Der Autor ist Vater zweier Kinder, die er nicht mit Hans und Hanna verwechselt sehen möchte.

Ausserdem macht er Musik. Im stillen Kämmerchen. Und er läuft gerne in den Alpen herum. Ziellos.

Vaterland ist die wöchentliche Kolumne von Harald Taglinger. Er berichtet aus dem Leben eines Familienvaters.


Das könnte Sie auch interessieren

Hier können Sie mitdiskutieren

Newsletter

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, dann abonnieren Sie doch unseren Newsletter. Jede Woche weitere nützliche Artikel, Tipps und Veranstaltungshinweise

  • Twitter
  • Facebook
  • studiVZ
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • Reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

Kommentare

  • Masha 21.09.2011 00:25 Uhr
    ..Tränen gelacht, vielen Dank dafür!

Zu den weiteren Kommentaren

Einen Kommentar schreiben

Name:
E-Mail:
Kommentar:
Sicherheitscode: Sicherheitscode
Bild neu laden


Geben Sie die sichtbaren Zeichen ein
 

nach oben