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Die Vaterland-Kolumne. Grübler haben schon verloren. Es geht um Geschwindigkeit. So kann man im wesentlichen unsere Bettstrategie zusammenfassen. Das kommt wie ein Quickie daher. Aber in bezug auf die Bettzeiten von Kindern kommt das schon gut.
«Speedsleeping» ist angesagt: Die Kinder so schnell wie möglich ins Bett bringen.
Ein Umfrage unter befreundeten Eltern hat das Problem schön aufgezeigt. Sie sind bei ihren Schlümpfen jeden Abend länger mit dem Bettgehen beschäftigt. Streng genommen sind sie das den ganzen Abend. Einzelne Helden bringen es auf vier Stunden vom ersten «es ist Bettzeit» bis zum finalen Schnarchen der Tochter. Täglich.
Dabei machen sie es nicht wirklich falsch. Sie haben alle möglichen Rituale für ihre Kinder erfunden. Eine lose Abfolge aus Einzelmodulen ist das. Geschichten gehören dazu. Natürlich darf das Gute-Nacht-Sagen bei allen nicht fehlen. Nachbarn und naheliegende Gendarmerie eingeschlossen. Und gegen spontan einsetzenden Durst steht auch an allen unmöglichen Stellen der Wohnung ein Wasserglas bereit. Und diese Interaktionen sind unendlich oft miteinander kombinierbar. So kann es schon einmal später werden. Meistens schlafen die Eltern zuerst. Und deren Kinder schleichen sich dann auf Zehenspitzen in ihre Betten.
Wir wollten das anders machen. Von Anfang an. Meine Gattin kam mit «Speedsleeping» auf. Dabei handelt sich nicht um eine Sportart. Wir meinen damit den unbedingten Willen zu schnellem Einschlumpfen. Von Anfang an. Zur angepeilten Bettzeit minus 600 Sekunden schnellt meine Frau hoch und bringt uns mit dem Aufschrei nach geschlossenen Fensterläden auf Trapp. Im Laufschritt hechten wir dann bei t minus 400 zum Zähneputzen. Für eine ordentliche Reinigung plus Abreibung der Gesichter berechnen wir 93,4 Sekunden. Die abschliessende Geschichte ist in getrennten Zimmern inklusive Abklatschen und Elternwechsel auf unter 300 Sekunden begrenzt.
Das abschliessende «Ja .aber ich Mama» von Hans kriegt 0,2 Sekunden. Und dann liegen die Kinder im Dunkeln. Vermutlich realisieren sie kaum 400 Sekunden später das Ende ihres Tages. Vielleicht schlafen sie auch schon vorher. Und draussen hört man in der Stille eines Elternabends das Klatschen von zwei rechten Händen und ein Zischen der Bierflasche.
Normalerweise. Gestern Abend ging nach 20 Minuten wieder die Türe auf. Ob Hans noch etwas zu trinken haben könne. «I au» schallte es aus Hannas Zimmer. Vermutlich müssen wir die Zeitschraube noch einmal anziehen.
Hans ist vier und ein paar Monate. Hanna ist knapp zwei. Und ich bin Vater. Diesen Monat: Hans und Hanna schlafen wie alle Kinder. Super nach anfänglichem Widerstand. Und deshalb hat sich Vater einiges einfallen lassen. Das kommt nur wenig zur Anwendung. Weil Hans und Hanna anderer Meinung sind. Man kann ja nicht an alles im Schlaf denken.
Text: Harald Taglinger
Harald Taglinger wohnt in Zürich und erzählt gerne Geschichten. Siehe http://taglinger.de.
Der Autor ist Vater zweier Kinder, die er nicht mit Hans und Hanna verwechselt sehen möchte.
Ausserdem macht er Musik. Im stillen Kämmerchen. Und er läuft gerne in den Alpen herum. Ziellos.
Vaterland ist die wöchentliche Kolumne von Harald Taglinger. Er berichtet aus dem Leben eines Familienvaters.
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