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Wenn Kinder schlecht träumen

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Die Vaterland-Kolumne. Nur Anfänger erzählen von ihren durchschlafenden Kindern. Profis verkleiden das eigentliche Dilemma sprachlich. «Wie lange schlafen Deine denn nachts?», klingt unverfänglicher. Denn nur Anfänger glauben an eine pausenlose Nachtruhe.

Kinder können manchmal schlecht einschlafen oder wachen nachts von schlechten Träumen auf.

Schreie aus dem Kinderzimmer: Hans hat schlecht geträumt.

Gewöhnlich fallen wir gegen 23 Uhr in die Betten. Auch Eltern wollen einmal schlafen. Eigentlich wollen sie das stets. Vor allem in den ersten zwei bis drei Lebensjahren ihrer Schlümpfe. Aber sie kommen irgendwie nicht dazu. Bis 23 Uhr nachts eben. Dann fallen sie auch ins Koma. Oder sie versuchen es zumindest. Wir huschen noch einmal in die Schlafzimmer unserer Süssen. Wir decken sie noch einmal zu. Dazu drehen wir sie einmal um ihre Längsachse. Und dann schichten wir wieder die 23 Eisbärchen und Beutelratten aus Kunstfell über sie. Das sieht gemütlich aus. Und dann mit einem «ahhhhhhh» ab in die Heia. Lichtaus. Nachtschatz...

Vermutlich besitzt Hans einen Digitalwecker. Einen von uns bisher nicht entdeckten. Denn ich kann meine Uhr danach stellen. Gegen 23.15 Uhr jault es aus seinem Zimmer auf. Knapp daneben könnte man denken. Aber nein. Das ist exakt eine Minute nach meinem Einschlafen. Aber das ist dann vorbei. Ich bin wieder senkrecht. Ich stolpere aus dem Bett. Ich gehe in sein Zimmer. Beruhigen ist wichtig. «Wo soll denn ein Riesendinosaurier in diesem Kinderschrank sein?» Das sieht Hans ein. Manchmal ist er nicht einmal richtig aufgewacht. Er nickt einfach. Dann dreht er sich schlafend wieder zur Seite. Wie schön. Ich watschele in mein Zimmer. Nachtschatz. Und dann kann ich nicht mehr schlafen. Ende Schlafdruck. Danke Hans.

 

Hanna hingegen hat die schärfere Variante drauf. Sie nimmt uns in den Tiefschlafphasen hoch. Der Tiefschlaf kommt und geht. Aber Hanna kennt unseren persönlich. Sie Schreit Mordio und Zetero. Genau im tiefsten davon. Und wir Eltern springen beide auf und knallen wankend an der Türe gegeneinander. Oder wir spielen «Elternmikado». Wer sich zuerst bewegt verliert. Hanna beruhigen ist allerdings einfach. Die schläft bereits wieder. Egal wie schnell man sich an ihr Bett macht. Als wäre nichts geschehen. Fast jede Nacht.

Neulich reichte es mir. Ich bin einfach um 23.13 Uhr vor das Bett von Hans hingestanden. Nicht einmal den Ansatz eines Schreies später würde ich ihm die Absenz von Riesendinosauriern ausreden. Aber nichts. Um 23.45 Uhr wankte ich zufrieden aber müde ins Bett. Wir trafen uns dann um 23.59 Uhr wieder. Ich aus dem Schlaf gerissen.

Aber im Wesentlichen schlafen unsere Schlümpfe durch.

Hans ist vier und ein paar Monate. Hanna ist knapp zwei. Und ich bin Vater. Diesen Monat: Hans und Hanna schlafen wie alle Kinder. Super nach anfänglichem Widerstand. Und deshalb hat sich Vater einiges einfallen lassen. Das kommt nur wenig zur Anwendung. Weil Hans und Hanna anderer Meinung sind. Man kann ja nicht an alles im Schlaf denken.

Text: Harald Taglinger

Harald Taglinger schreibt über das Leben als Vater

Harald Taglinger wohnt in Zürich und erzählt gerne Geschichten. Siehe http://taglinger.de.

Der Autor ist Vater zweier Kinder, die er nicht mit Hans und Hanna verwechselt sehen möchte.

Ausserdem macht er Musik. Im stillen Kämmerchen. Und er läuft gerne in den Alpen herum. Ziellos.

Vaterland ist die wöchentliche Kolumne von Harald Taglinger. Er berichtet aus dem Leben eines Familienvaters.


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