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Extra viel Sonnencreme für Kinder

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Die Vaterland-Kolumne. Wie wir das früher gemacht haben? Keine Ahnung. Wir sind im Sommer zum Spielen rausgegangen. Einfach so. Das war vor dem Ozonloch und der Klimakrise. Vermutlich gab es da gar kein Klima.

Im Sommer müssen sich Kinder mit Sonnencreme und Sonnenbrille vor der Sonne schützen.

Die Sonne ist unser Feind und wir sind mit Sonnenhut, Sonnenmilch und Sonnenbrille gerüstet.

Heute ist das anders. Heute gibt es zudem Schutzfaktor 80. Und das schlechte Gewissen. Wir haben mit Kühlschränken und zu grossen Autos unsere Erde ramponiert. Und die Sonne ist seitdem unser Feind. Sagt meine Gattin. Und die hat immer Recht.

Also rennen unsere Kinder nicht einfach an die frische Luft. Ich komme mir mit meinen Kindheitserinnerungen wie ein lebensverlängerter Selbstmörder vor. Als ich noch aufstand und einfach in die Hose schlüpfte. Dann raus und in den Dreck oder ins nächste Wasser. Am besten beides. Da hingen meine Sommerferien am seidenen Ökofaden.

Heute dauert der Boxenstopp eine knappe Stunde. Es gibt immer noch keine aufblasbare Besprühstation für Kinder. Also schmiert man sie einzeln mit Sonnencreme ein. Und das ist langweilig. Ich jage schon seit fünf Minuten Hanna durch die Wohnung. Weil ich die australische Korallencreme auf ihrem Gesicht noch nicht ganz eingerieben habe. Sie sieht aus wie mit Gurkenmaske. Nur ohne Gurken. Und sie jauchzt. Papa sieht lustig aus mit seinen weissen Händen und der Tube in der Hand. Hans steht derweil vor dem Spiegel. Er macht das selbst. Das kann er sehr gut. Sagt er. Wir werden ihm heute Abend einfach die Haare waschen. Scho guet.

 

Keine fünfzig Minuten nach dem spontanen Entschluss zu einem Spielplatzbesuch sind wir bereit. Hans und Hanna haben inzwischen noch einen Vollkörper Neoprenanzug übergestülpt. Zusammen mit ihren Plastikschuhen wären sie jetzt auch für einen Tauchgang unter 15 Metern Tiefe geeignet. Aber sie haben keine Sauerstoffflaschen geschultert. Noch nicht. Ich warte auf die ersten Eltern im Haus mit eigener Luftversorgung für die Kinder.

Denn es sind immer die anderen Eltern. Sie zünden die nächste Angststufe. Niemand wird allen Ernstes sein Kind einfach ungeschützt aus dem Haus lassen. Schon gar nicht zusammen mit den Schlümpfen aus dem vierten Stock. Die haben mit dem Ganzkörperanzug angefangen. Und mit den Plastikschuhen. Dabei wollten wir nur kurz zur Schaukel gehen. Aber Vollschutz muss sein.

Und nicht nur die Eltern. Neulich in der Krippe wurde ich an die Wand gestellt. An die Infowand über den Schutz gegen den Sommer. Befriedigt konnte ich die australischen Sunblocker abhaken. Und den Vollkörperanzug. Nachbarn sei Dank. Aber die Betreuerin zeigte wortlos auf die unterste Zeile. Kappe mit Nackenschutz.

Mist. Den hatte ich übersehen.

Dummerweise kam mein Witz nicht an. Ich habe mich förmlich für das Fehlen einer ABC Ausrüstung meiner Kinder entschuldigt. Die Reaktion der guten Frau war mit der eines Eskimos zum Thema Palmensterben zu vergleichen. Null. Nicht einmal ein Fragezeichen im Gesicht.

Meine Gattin hat nun eine Kappe mit Nackenschutz gekauft. Unsere Nachbarn aus dem vierten Stock haben das gesehen. Sie werden mit Anti-UV-Licht verstärkten Gletscherbrillen eskalieren.

Langsam beginne ich die Sonne auch zu hassen. Der Ausrüstung wegen.

Hans ist vier und ein paar Monate. Hanna ist knapp zwei. Und ich bin Vater. Diesen Monat: Hanna und Hans sind meine Kinder. Und die wollen im Sommer raus. Oder sie müssen. So ist der Sommer. Gnadenlos und heiss. Aber zum Glück gibt es die Badi. Oder Glacé. Leider gibt es dann auch Spielplätze. Und die obligatorischen Brunnen.

Text: Harald Taglinger

Harald Taglinger schreibt über das Leben als Vater

Harald Taglinger wohnt in Zürich und erzählt gerne Geschichten. Siehe http://taglinger.de.

Der Autor ist Vater zweier Kinder, die er nicht mit Hans und Hanna verwechselt sehen möchte.

Ausserdem macht er Musik. Im stillen Kämmerchen. Und er läuft gerne in den Alpen herum. Ziellos.

Vaterland ist die wöchentliche Kolumne von Harald Taglinger. Er berichtet aus dem Leben eines Familienvaters.


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