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Mit dem Wechsel zur Winterzeit werden die Abende wieder länger. Wir verbringen mehr Zeit daheim und nutzen das Zusammensein mit den Kindern zum Spielen. Christine Egerszegi-Obrist von der FDP vergleicht in ihrer Kolumne die Abzocker-Mentalität beim Spiel Monopoly mit der Haltung beim Verkauf von Unternehmen.
Bei Brettspielen in der Familie zeigt sich, wer Gewinner oder Verlierer sein kann.
An grauen Herbstsonntagen haben wir oft in der Familie stundenlang Spiele gespielt: Eile mit Weile, Reversi, Cluedo, Flohspiel, «Tschau Sepp» oder als die Kinder grösser waren, machten wir einen gemütlichen Jass. Schön der Reihe nach durfte jedes Familienmitglied ein Spiel vorschlagen; und jedes hatte sein individuelles Lieblingsspiel. Mein Favorit war das Flohspiel, und zwar liessen wir die «Flöhe» in immer höhere Tassen, Gläser und gar Blumenvasen springen, bis es wirklich nicht mehr höher ging.
Auch mein Mann wählte fast immer das gleiche Spiel: Monopoly. Ich war die einzige in der Familie, die das überhaupt nicht mochte, aber ich wollte ja keine Spielverderberin sein. Beim Monopoly stehen die schönsten und teuersten Plätze der Schweiz, von Zürich bis Genf, auf Karton gezeichnet einem Parcours entlang. Mit gedruckten Banknoten kann man sich Häuser und Hotels erwerben. Durch Glück beim Würfeln und geschicktem Kaufen und Verkaufen von Strassen, Häusern und Hotels werden Gewinne erzielt.
Mit grosser Leidenschaft hat sich mein Mann jeweils auf «Zürich Paradeplatz» gestürzt, das Teuerste, was man erwerben konnte. Dann hat er sich in dieser Region alles Mögliche zusammengekauft, um von uns - beim Vorbeigehen- höchste Zölle zu verlangen. Nachdem wir vorbeigehoppelt sind, hat er in Zürich gleich wieder alles verkauft, um auf der Gegenseite seine Liegenschaften auszubauen und uns ein zweites Mal in der selben Runde voll zu «rupfen». Wir hatten keine Chance. Waren wir in Genf vorbei, verkaufte er wieder alles, um sich Zürich wieder unter den Nagel zu reissen, und wir mussten dazwischen immer warten, bis alle Transaktionen wieder getätigt waren. Die Kinder fieberten wacker mit, hatten ihren Spass dran, aber mich machte dies jeweils ganz kribbelig, und ich schlug meinen Mitspielern vor, dass, derjenige, der zuerst aufgeben muss, weil er kein Geld mehr hat, am Abend die Küche aufräumen müsse. So erreichte ich, dass sie mich mit Freuden immer als erste verlieren liessen.
Zugegeben, nicht das Spiel selber fand ich so miserabel, sondern mich nervte die eifrige, unbarmherzige Art meines Mannes uns zu schaden und rücksichtslos mit Kauf und Verkauf der Standorte möglichst viel Gewinn zu erzielen. Diese Abzocker-Mentalität war mir irgendwie fremd an ihm und passte eigentlich so gar nicht zu seinem Wesen.
Pardon, diese Haltung kommt mir heute ab und zu in den Sinn, wenn ich Schlagzeilen über Betriebsschliessungen lese: Durch gezielte Käufe und Verkäufe von Unternehmen werden oft enorme Gewinne gemacht. Es geht hier aber nicht um verschobene rote und grüne Holzhäuschen auf einer Papiervorlage, sondern um Arbeitsplätze, bei denen Männer und Frauen ihren notwendigen Lebensunterhalt verdienen. Sind sich die Verantwortlichen bewusst, dass solche «Restrukturierungen», wie es dann heisst, ganz tiefe Einschnitte in Lebensabläufe bringen, Familien zerrütten kann, Kinder entwurzeln? Für die betroffenen Menschen ist es nämlich kein Spiel, sondern bitterer Ernst.
Text: Christine Egerszegi-Obrist
Christine Egerszegi-Obrist ist Ständerätin der FDP im Kanton Aargau.
Die Politikerin ist Mutter zweier erwachsener Kinder und wohnt in Mellingen (AG).
In ihrer Freizeit geniesst sie vor allem ihre fünf Enkel.
Auf familienleben.ch finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).
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