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Während die Löhne in den Topetagen explodieren, muss mehr als die Hälfte der Bevölkerung mit einem Einkommen von weniger als 70'000 Franken pro Jahr auskommen. Jacqueline Fehr schreibt in ihrer Kolumne, dass wir eine Familienpolitik brauchen, die Familien stärkt und Armut bekämpft.
Über 100'000 Menschen leben in der Schweiz unter der Armutsgrenze. Foto: ©iStockphoto.com/Sheryl Griffin
Drei Prozent der Bevölkerung besitzen gleich viel Vermögen wie die übrigen 97 Prozent der Bevölkerung. Über 100'000 Menschen leben in der Schweiz unter der Armutsgrenze und dies, obwohl sie jeden Tag zur Arbeit gehen. Das Risiko, zu diesen sogenannten Working Poor zu gehören, ist für Alleinerziehende, für Familien mit mehr als drei Kindern sowie für Menschen mit einer schlechten Ausbildung deutlich höher als für andere Bevölkerungsgruppen.
Kinder, die in solchen Familien aufwachsen, haben schlechte Karten für ihr späteres Leben. Schulschwierigkeiten, wenig «gwehrige» Eltern, Mühe bei der Lehrstellensuche, Gewöhnung ans Nichtdazugehören sind Elemente, die dazu führen, dass diese Kinder als Erwachsene oft erneut auf Sozialhilfe oder andere staatliche Unterstützung angewiesen sind. Ein Teufelskreis!
Teufelskreis durchbrechen
Mit einer guten und modernen Familienpolitik kann und muss dieser durchbrochen werden. Wir brauchen in der Schweiz mehr Gemeinsinn. Wir müssen das Miteinander stärken und jenen Schranken setzen, die sich aus der Verantwortung stehlen wollen. Wir müssen die gesellschaftlichen Spielregeln so definieren, dass niemand unter die Räder kommt und alle eine faire Chance haben, aus ihrem Leben etwas Sinnvolles zu machen.
Familien leisten enorm viel für die Gesellschaft. Familien leiden aber auch als erste, wenn es Risse und Spannungen gibt. Wir tun deshalb gut daran, in der Armutsbekämpfung bei den Familien und damit bei den Kindern anzusetzen. Auch wenn wir uns dabei gezielt den einkommensschwachen Familien zuwenden, dient diese Politik allen. Denn wie sagte schon Mani Matter: «Dene wos guet geit, giengs besser, giengs dene besser, wos weniger guet geit».
Eine Familienpolitik, die Familien stärkt und Armut bekämpft, muss auf zwei Ebenen stattfinden:
- Es braucht mehr und bessere Betreuungsangebote wie Krippen, Kindertagesstätten, Tagesfamilien und später Horte und Tagesschulen. Damit erhalten die Eltern die Chance, in einem Umfang erwerbstätig zu sein, der ihnen ein eigenständiges und freies Leben ermöglicht.
- Es braucht gezielte Unterstützung dort, wo das Einkommen trotzdem nicht reicht. Dazu eigenen sich Ergänzungsleistungen für Familien, wie die Erfahrungen aus verschiedenen Kantonen zeigen.
Familienarmut muss nicht sein. Engagieren wir uns gemeinsam, damit alle Kinder in diesem Land gute Perspektiven haben! Denn wenn es heute den Kindern gut geht, geht es morgen uns allen gut.
Text: Jacqueline Fehr
Jacqueline Fehr ist Vizepräsidentin der SP Schweiz, Nationalrätin für den Kanton Zürich und eine der profiliertesten Bildungs- und Familienpolitikerinnen der Schweiz. Sie hat zwei Söhne und lebt mit ihrer Familie in Winterthur.
Eine ihrer neuesten Publikationen ist das Buch «Schule mit Zukunft», das die umstrittensten Punkte der Bildungsdebatte thematisiert. Mehr dazu erfahren Sie hier: «Die Vision einer Schule der Zukunft»
Auf familienleben.ch finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).
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