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In der Schule führen organisatorische Belastungen dazu, dass die Lehrer ihre eigentliche Aufgabe, das Unterrichten, nicht erfüllen können, schreibt Kolumnistin Silvia Blocher. Die aktuellen Reformen verbessern die Situation aber nicht, sondern machen alles noch schlimmer, findet Frau Blocher.
In der Schule haben Lehrer wegen Organisatorischem immer weniger Zeit zum Unterrichten. Foto: ©iStockphoto.com/kristian sekulic
Aufgabe unserer Volksschule ist es, unsere Kinder im Lesen, Schreiben, Rechnen, Natur- und Heimatkunde (welch fassbare, jetzt veraltete Begriffe), Realien, Künste, etc. so auszubilden, dass sie ihr Leben als selbständige verantwortungsvolle Erwachsene und Staatsbürger meistern können. Schule soll mittels Lehrer die Schüler unterrichten und ausbilden. Im Kanton Zürich scheint man das vergessen zu haben:
Im September trat die Zürcher Erziehungsdirektorin vor die Medien und überbrachte Vorschläge, wie die Arbeit der Lehrer in den Volksschulen besser verteilt und verringert werden könnte. Über ein Jahr lang hatte eine Projektgruppe daran gearbeitet. Und der gewichtigste Vorschlag lautete: Den Lehrern sollen zur Entlastung zwei Lektionen pro Woche gestrichen werden! Die Kinder haben zwei Stunden weniger Unterricht. Die realitätsfremden Theoretiker in der Zürcher Erziehungsdirektion haben eine neue Absurdität geboren!
Schauen wir die Sache an: Lehrer fühlen sich überfordert und suchen Entlastung. Da stellt sich doch zuerst einmal die Frage: Was ist ihre wichtigste und eigentliche Aufgabe, die sie unbedingt erfüllen müssen? Die Antwort ist einfach und wird wohl auch von den Spezialisten im Erziehungsdepartement akzeptiert: ER SOLL DIE SCHÜLER UNTERRICHTEN. Und ausgerechnet diese wichtigste und ureigenste Tätigkeit des Lehrers soll nun eingeschränkt werden. Da diese zwei Unterrichtsstunden aus Kostengründen nicht von anderen Lehrkräften übernommen werden können, heisst das nichts anderes als: Unsere Kinder lernen in der Volksschule noch weniger als bisher!
Sinnvoller wäre es doch zu fragen: Welche anderen Aufgaben sind für die Lehrer eine grosse zeitliche Belastung? Gemäss der Studie brauchen sie viel Zeit für Koordinationsaufgaben, also Absprachen innerhalb der Lehrer-Teams (eine Klasse hat bis zu 10 verschiedene Lehrer), Sitzungen (mit den klassenübergreifenden ...ogen und ...päden) und Elterngespräche (die Kinder werden nicht mehr (nur) nach Noten beurteilt, sondern in aufwändigen Elterngesprächen).
Offensichtlich ist die Situation also so, dass die organisatorischen Belastungen es den Lehrern verunmöglichen, ihre eigentliche Aufgabe, das Unterrichten, zu erfüllen. Und da gibt es nur eine Abhilfe: Die Reformitis in der Schule ist zu stoppen. D. h. Abkehr vom sozialistischen Gleichheitswahn, also: Verzicht auf die hochgejubelte Integrative Schule, Wieder-Einführung von Sonderklassen, weitgehender Verzicht auf den Unterricht von Sonderpädagogen und Unterrichtshilfen während der allgemeinen Schulstunden, also gleichzeitig mit dem Fachlehrer!
Dies brächte nicht nur Entlastung in Organisation und Absprachen, sondern eine ruhigere Atmosphäre in die Schulzimmer, was eine grössere Konzentration der Schüler und damit auch ein besseres Lehr- und Lernergebnis ermöglichen würde. Zusätzlich wäre das Thema der «Elternbetreuung» (zu dem sich die Elterngespräche zunehmend entwickeln) neu zu überdenken.
Text: Silvia Blocher
Silvia Blocher ist ausgebildete Primarlehrerin. Als Mutter von vier Kindern und Grossmutter von sieben Enkeln waren Kinder seit jeher Teil ihres Lebens. Wohlergehen, Erziehung in Familie und Gesellschaft und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen sind ihr ein grosses Anliegen.
Sie hat sich dazu in verschiedenen Kolumnen, Vorträgen und Fernseh-Auftritten geäussert, wobei sie sich auch kritisch mit den schulischen Neuerungen auseinandersetzt, welche sie bei Schulbesuchen und Gesprächen mit Eltern, Lehrern und Schulbehörden verfolgt.
Auf familienleben.ch finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).
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Kommentare
Vor 40 Jahren bin ich Lehrer geworden. Seither haben wir in Schule und Pädagogik die Probleme nicht gelöst sondern immer nur die Fehler perfekioniert. Vor über 30 Jahren wurde z.B. die Förderung der sog. Legasthenie beschlossen; längst schreiben wir mehr als doppelt soviele Fehler wie davor. Als Ich-kann-Schule-Lehrer habe ich z.B. angefangen, zu fragen, was Worte wie Schule, Pädagogik, Lehrer, Lernen usw. bedeuten. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Es gibt fast nur verkehrte Antworten. Wir machen Schule, und keiner weiß, was Schule ist. Pädagogen = Kinderführer sollten mit mitreißendem Beispiel VORAUSgehen und nicht die Herde hinten antreiben: unsere Pädagogen sind das Gegenteil von Pädagogen. Auch der Lehrer dürfte dem Sinn nach nicht unterrichten, beibringen, vermitteln sondern er müsste ein mitreißendes Beispiel für LERNEN geben. Das Gros der Lehrer wirkt jedoch eher als Lehrplanvollzugsangestellte. Bei den Verbesserungsversuchen sind die Probleme nicht kleiner sondern ständig größer geworden. Da kann ich schon verstehen, wenn die Betroffenen von dieser Reformqualität mehr als die Nase voll haben. Wir sollten vor allem endlich einmal den Wahn loslassen, immer die Kinder noch mehr fördern zu wollen, wenn ein Problem besteht. Viel, sehr viel dringlicher wäre es m.E., sich endlich einmal konkret der Situation der beteilgten Erwachsenen - Lehrer wie Eltern u.a. - anzunehmen. Die versuchen allzuoft, die Kinder zu etwas zu drängen, was sie selbst nicht verstehen und können. Manche Leute sind dafür oft ziemlich blind, dass sie länger schon als Kinder Kinder sind.Ich habe immer wieder schlimmste Schülerschicksale erlebt, wo etwa die Lehrerin ihre eigenen Probleme nicht gelöst und in das Kind projiziert hatte. Solche Kollegen haben oft alle gegen sich und keiner hilft ihnen, ein anderer Mensch zu werden. Das ist für eine Institution voller Pädagogikprofis mehr als erbärmlich. Dabei weiß ich aus der konkreten Praxis, dass diese Probleme i.d.R. sehr gut zu lösen sind. Ich plädiere also sehr für mehr Sorgfalt und Genauigkeit im menschlichen Umgang- Ich grüße freundlich. Franz Josef Neffe
Wenn man die traditionelle Schule als das Mass aller Dinge betrachtet, dann hat Frau Blocher gewiss recht! Nun hat sich jedoch die Gesellschaft massiv verändert, sowohl die Lebensumstände heutiger Familien wie auch die Anforderungen an junge Menschen. Wir wissen ja eigentlich, dass die Schule nicht etwas natürlich Gewachsenes ist, sondern eine Institution, welche vom Staat her gedacht ist, nicht vom Kind her. Wollen wir eine Schule, welche kompetente, selbstsichere Menschen für die Zukunft hervorbringt, kommen wir nicht umhin, die Pädagogik und die Lernumgebung auf das Kind auszurichten. Wollen wir eine Schule, welche die Kinder in die Zwangsjacke veralteter Denkweisen einschnürt, dann müssen wir in der Tat sofort auf jegliche Reformen verzichten und hoffen, dass sich die Erde ab morgen rückwärts dreht.
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