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Gut qualifizierte Ausländer: Erwünscht aber nicht willkommen?

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Gut qualifizierte Ausländer sind in der Schweiz zwar erwünscht, aber oft nicht willkommen. Das hat SP-Politikerin Jacqueline Fehr beobachtet. In ihrer Kolumne plädiert sie dafür, gegen diese aufkeimende Fremdenfeindlichkeit mit politischen Massnahmen im Wohnungs- und Arbeitsmarkt und im Bildungswesen vorzugehen.

Gut qualifizierte Ausländer sind in der Schweiz nicht immer willkommen.

Gut qualifizierte Ausländer sind in der Schweiz erwünscht, aber nicht immer willkommen, hat Jacqueline Fehr beobachtet.

Erstaunlich unbeachtet hat die Zürcher Kantonalbank kürzlich unter dem Titel Immigration 2030 eine interessante Studie publiziert. Darin wird der Frage nachgegangen, wie sich unsere Gesellschaft als Folge der sogenannt neuen Zuwanderung (Zuwanderung von gut Qualifizierten aus nördlichen Ländern) verändert und welche politische Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, damit diese Veränderung nicht einseitig auf Kosten einer bestimmten Bevölkerungsgruppe oder Region geht. Die Studie untersucht den Wirtschaftsraum Zürich, worunter sie alle Deutschweizer Kantone ausser Bern, Solothurn und die beiden Basler Halbkantone zusammenfasst.

Klar scheint, dass die Zuwanderung aus den sprachverwandten Ländern Deutschland und Österreich anhalten wird. Wie viele Menschen bei uns ihren neuen Lebensmittelpunkt suchen, hängt sehr stark von der wirtschaftlichen Entwicklung dieser beiden Länder ab. Gegenwärtig ist die Schweiz lohn- und karrieremässig in vielen Branchen attraktiv.

Mit den Menschen kommen auch viele Chancen und einige Herausforderungen. Und schon scheint eine neue Fremdenfeindlichkeit zu wachsen. Wenn Frisch einst mit Blick auf die Stimmung gegenüber den sogenannten Fremdarbeitern aus dem Süden nüchtern feststellte: «Wir riefen Arbeiter und es kamen Menschen», fasst der Migrationsforscher Gianni D’Amato die heutige Stimmung lapidar mit «Erwünscht, aber nicht immer willkommen» zusammen.

Günstige Wohnungen und Mindestlöhne

Doch genau das ist fatal. Wir haben es nämlich in der Hand, die neue Zuwanderung politisch so zu begleiten, dass sie zum Vorteil aller ist. Dazu sind insbesondere flankierende Massnahmen für den Wohnungs- und den Arbeitsmarkt notwendig. Die Förderung des genossenschaftlichen Wohnungsbaus, ein griffiges Mietrecht sowie spezielle Bauzonen, in den einen gewisse Anzahl günstiger Wohnungen angeboten werden müssen, werden auch künftig eine gesunde Durchmischung der Quartiere gewährleisten. Und Mindestlöhne, starke Gesamtarbeitsverträge und insbesondere das Recht für alle auf regelmässige berufliche Standortbestimmungen und auf Weiterbildung sorgen dafür, dass die Löhne unter der Zuwanderung nicht sinken und die Chancen für die Schweizerinnen und Schweizer auf dem Arbeitsmarkt gut bleiben.

Eine grosse Chance ist die neue Zuwanderung für die Familien. Da die Schweiz im Kampf um die besten Arbeitskräfte attraktiv sein muss, wird sie vor allem in die Lebensqualität und die Lebensbedingungen für junge Paare mit Kindern investieren. Dabei geht es in erster Linie um gute Bildungsangebote, womit Kinderkrippen und Tagesschulen sogleich im Zentrum stehen. Die Schweiz wird aber auch internationaler und offener werden. Ein erster Indikator für diese Entwicklung ist die starke Zunahme binationaler Ehen, also Ehen, bei denen der eine Teil keinen Schweizerpass hat. Damit wird die internationale Verflechtung enger und die Welt rückt allein schon familiär zusammen. Die frische Luft wird uns gut tun, denn die Schweiz war immer dann besonders stark, wenn sie von Einflüssen aus dem Ausland profitieren konnte. Sei es in der Forschung, in der Kultur, in der Wirtschaft oder ganz banal auf der Speisekarte – die Schweiz wäre ohne die Zuwanderung von Menschen mit Ambitionen und Ideen nie soweit gekommen wie sie heute ist.

Noch haben wir Zeit, die oben geschilderten politischen Hausaufgaben an die Hand zu nehmen und damit die Voraussetzungen zu schaffen, damit wir ohne Angst sagen können: Ihr seid nicht nur erwünscht, sondern auch willkommen!

Text: Jacqueline Fehr

Jacqueline Fehr ist Vizepräsidentin der SP Schweiz, Nationalrätin für den Kanton Zürich und eine der profiliertesten Bildungs- und Familienpolitikerinnen der Schweiz. Sie hat zwei Söhne und lebt mit ihrer Familie in Winterthur.
Eine ihrer neuesten Publikationen ist das Buch «Schule mit Zukunft», das die umstrittensten Punkte der Bildungsdebatte thematisiert. Mehr dazu erfahren Sie hier: «Die Vision einer Schule der Zukunft»

Auf familienleben.ch finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).

 


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