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Vorbilder wie die Schweizerin des Jahres Marianne Kaufmann, der Schweizer des Jahres Rolf Maibach oder der Arzt Albert Schweitzer erinnern uns an unsere Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft. Es lohnt sich auch für uns, sich für andere Menschen zu engagieren, findet FDP-Politikerin Christine Egerszegi-Obrist.
Wer anderen Menschen hilft, erfährt Dankbarkeit und Glück. Foto: ©iStockphoto.com/MShep2
Vor kurzem fand die Wahl der Schweizerin und des Schweizers des Jahres 2010 statt: Gewählt wurden mit Rolf Maibach und Marianne Kaufmann ein Arzt und eine Pflegefachfrau, die sich nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti mit grossem, eindrücklichen Einsatz und unter schwierigen Umständen um die vielen Opfer gekümmert haben.
Bereits ein Jahr zuvor erhielt die gleiche Ehre der Kinderherzchirurg René Prêtre, der seit einem Vierteljahrhundert jedes Jahr Wochen in einem Spital in Mozambique verbringt, um mit riesigem Engagement, unentgeltlich schwerkranke Kinder zu operieren, die ohne diese Hilfe kaum mehr lange leben könnten.
In beiden Jahren obsiegten für das Publikum weder weltbekannte Sportler, noch hochbegabte Wissenschaftler oder überzeugende Politikerinnen, sondern Menschen, die ihre ganze Kraft unentgeltlich einsetzen, um Not zu lindern. Nach ihrer Wahl waren überall Berichte über ihre grossartige humanitäre Tätigkeit in fernen Ländern. Das weckt in mir Bewunderung, Anerkennung für diese beispielhaften Menschen. Es macht mich nachdenklich über die eigenen Prioritäten im Leben. Aber nicht nur. Sie können auch zu Vorbildern werden. Dies erinnert mich an eines meiner liebsten Spiele aus meiner Kinderzeit:
Als Albert Schweitzer den Friedensnobelpreis erhielt, war ich ein kleines Mädchen. Ich wusste, dieser Mann, mit dem streng nach hinten gekämmten Haar und dem buschigen Schnurrbart, ist Urwalddoktor in Afrika und – auch einer aus unserem Land. Das machte ihn für uns Kinder besonders interessant. So wurden wir alle kleine «Schweitzer Ärzte»: Wir fuhren mit dem Schiff (unser Sofa) durch den Urwald. Unterwegs luden wir Puppen und Stofftiere auf – um sie in unserem Urwaldspital wieder gesund zu pflegen. Mit grosser Sorgfalt legten wir den Plüschkameraden Verbände an, horchten die Plastikbäuche ab, verabreichten Medikamente und Spritzen und einmal operierten wir regelrecht mit Mutters Nagelschere einen armen Teddybären. Mit viel Liebe und Aufmerksamkeit umsorgten und versorgten wir diese armen Geschöpfe aus unserem Kinderzimmer.
Albert Schweitzer war für uns eine Art «Schweizer der Jahre». Erst viel später realisierte ich, dass Schweitzer gar kein Schweizer war, sondern Elsässer. Aber das spielte längst keine Rolle mehr. Bis heute hat Albert Schweitzer seinen Stammplatz unter meinen Vorbildern - seines Pionierwerks am Ogowe-Fluss in Gabun wegen, das beispielhaft für viele weitere Urwald-Spitäler in ganz Afrika war. Er war überzeugt, dass wir in der Hinwendung zu anderen Leben unser wirkliches Glück finden und unsere tatsächliche Aufgabe erkennen. Man kann das heute auch Nächstenliebe oder Solidarität nennen. Es sind dies Werte, die in unserer Ich-bezogenen, konsumorientierten und schnelllebigen Welt gefährdet sind.
Menschen wie Albert Schweitzer, René Prêtre, Rolf Maibach oder Marianne Kaufmann erinnern uns aber immer wieder an unsere Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft und wecken das Gewissen in uns. Sich für andere zu engagieren lohnt sich, auch für uns selber, denn wie sagte Albert Schweitzer einst: «Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.»
Und dieses Gefühl kennen wir im Grunde doch alle – oder? Und es tut gut zu wissen, dass das über Generationen weitergegeben wird.
Text: Christine Egerszegi-Obrist
Christine Egerszegi-Obrist ist Ständerätin der FDP im Kanton Aargau.
Die Politikerin ist Mutter zweier erwachsener Kinder und wohnt in Mellingen (AG).
In ihrer Freizeit geniesst sie vor allem ihre fünf Enkel.
Auf familienleben.ch finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).

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