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Kindergarten
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Statt selbstbewusst zum Schweizerdeutschen zu stehen, lassen wir uns von wohltönenden Worten wie Toleranz und Chancengleichheit täuschen, findet SVP-Politikerin Silvia Blocher. In ihrer Kolumne schreibt sie, dass wir darauf bestehen sollten, im Kindergarten statt hochdeutsch Mundart zu sprechen.
Im Kindergarten sollten Kinder und Erzieher Mundart sprechen, findet SVP-Politikerin Silvia Blocher. Foto: ©iStockphoto.com/Kai Chiang
Nach dem Zürcher Volksschulgesetz müssen unsere Kleinen obligatorisch mit 4 Jahren in den Kindergarten und dort bereits hochdeutsch reden.
Weshalb? Man schwafelt von besseren Integrationsmöglichkeiten für Ausländerkinder. Warum soll ein fremdsprachiges Kind besser und schneller integriert sein, wenn es im Kindergarten hochdeutsch sprechen muss? In Pause und Freizeit sollte es ja mit den Schweizer Kindern sprechen können. Die Initiative «Ja zur Mundart im Kindergarten» will diese sinnlose Regelung, die niemandem etwas bringt, ändern.
Schweizerdeutsch - Unsere Muttersprache
Die Situation in der Schweiz ist nicht mit andern europäischen Ländern zu vergleichen: Über 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind Ausländer verschiedenster Sprachen, bei den Kindern sind es noch mehr, ja, ausserhalb ausgesprochen ländlicher Gebiete sind Schweizer Kinder in Schulklassen oft in der Minderheit. Leider können auch viele Eingebürgerte und ihre Kinder das Schweizerdeutsche nicht sprechen.
Umso wichtiger ist es, dazu Sorge zu tragen. Doch statt selbstbewusst zum Schweizerdeutschen zu stehen, lassen wir uns täuschen von wohltönenden Worten wie: Harmonie, Toleranz, Chancengleichheit und scheuen die Mühe, diese Schlagworte zu hinterfragen. Bestehen wir darauf, in unserem Land unsere Sprache zu sprechen!
Schweizerdeutsch - Unsere Eigenart
Es geht um unsere Eigenart! Unsere Kinder brauchen mit den Werten, die wir ihnen weitergeben, auch die Muttersprache, damit sie Wurzeln bilden können. In der Muttersprache sollen sie sich nicht nur im täglichen Leben ausdrücken können. Sie müssen auch ihre Gefühle und Gedanken weitergeben können. Da geht es ums Gemüt. Darum lernen unsere Kinder Mundart-Lieder und -Gedichte im Kindergarten. Stellen Sie sich vor, Sie reden mit Ihrem Säugling hochdeutsch, obwohl das Schweizerdeutsche Ihre Muttersprache ist. Jetzt merken Sie sofort, was gemeint ist. Ihre Gefühle dringen gar nicht durch, und der Säugling reagiert auch nicht.
Es ist wichtig, dass das Kind lernt, sich in allen Belangen mit Worten auszudrücken. Ich bin überzeugt, dass Menschen, die sich mit Worten verständlich machen, zur Wehr setzen und ihre eigene Stellung behaupten können, nicht gewalttätig werden. Aber dieser Austausch mit Worten muss gelernt werden. Eltern müssen es vormachen, im Kindergarten sollen es die Kinder üben.
Das alles gilt auch für die Ausländerkinder: Sie sollen ihre eigene Sprache richtig reden und lernen, Gefühle und Gedanken auszudrücken. Wurzeln kann man nur in einer Sprache bilden. Schweizerdeutsch und Schriftdeutsch lernen sie später schnell dazu. Im Kindergarten ist ihnen die Mundart, unsere Landessprache, zuzumuten, ab der Primarschule sprechen und lernen sie wie alle anderen schriftdeutsch. Eine gemeinsame Sprache, in der man auch Gefühle ausdrücken kann, ist für zwischenmenschliche Beziehungen unbedingt nötig. Und für eine funktionierende Gesellschaft unerlässlich.
Text: Silvia Blocher
Silvia Blocher ist ausgebildete Primarlehrerin. Als Mutter von vier Kindern und Grossmutter von sieben Enkeln waren Kinder seit jeher Teil ihres Lebens. Wohlergehen, Erziehung in Familie und Gesellschaft und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen sind ihr ein grosses Anliegen.
Sie hat sich dazu in verschiedenen Kolumnen, Vorträgen und Fernseh-Auftritten geäussert, wobei sie sich auch kritisch mit den schulischen Neuerungen auseinandersetzt, welche sie bei Schulbesuchen und Gesprächen mit Eltern, Lehrern und Schulbehörden verfolgt.
Auf familienleben.ch finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).
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Kommentare
S'Oschterhäsli gumpt auch ohne Mundartinitative- Im Kindergarten soll weiterhin das kulturelle Erbe der Mundart gepflegt und gleichzeitig die Verständigung in der Standardsprache geübt werden dürfen. Die Initiative ja zur Mundart will jedoch während den ersten zwei Kindergartenjahren die Kinder ausschliesslich auf Mundart unterrichten. Ich finde, dass dies faktisch einem Lernverbot für Kinder gleichkommt und zudem eine wichtige Voraussetzung für die Integration und Förderung fremdsprachiger Kinder nämlich das Erlernen der Standartsprache behindert.
Seit diesem Schuljahr kann laut Lehrplan des Bildungsrates immer noch während rund zwei Dritteln des Kindergarten-Unterrichts die Mundart als Unterrichtssprache verwendet werden. Es bleibt meiner Meinung nach noch genügend Raum und Zeit für all die Versli und Sprüchli, die unsere Sprache ausmachen, welche Heimat und Identität vermitteln. Ich habe bis jetzt bei meinen beiden Jungs der Jüngere wird im Sommer den Schritt in die Schule machen keine Verarmung der Mundartsprache nach dem Kindergartenbesuch festgestellt. Im Gegenteil: sie sind stolz, dass sie sich mit den Kindern unserer deutschen Freunde und Bekannten problemlos unterhalten können. Sie haben festgestellt, dass das Erlernen einer Fremdsprache bereits in ihrem Alter im Alltag nur positive Aspekte hat und ihr Selbstwert gestärkt wird. Der Übertritt in die Primarschule wird erleichtert, weil neben all dem Neuen wenigstens die Unterrichtssprache bekannt ist.
Die Forderung der Initianten geht zu weit und ist für mich ein pädagogischer Schritt in die Vergangenheit. Der Regierungs- und Kantonsrat lehnen die Initiative, welche am 15. Mai 2011 zur Abstimmung gelangt, denn auch deutlich ab.
Im übrigen ist es doch so, dass primär wir Eltern aufgefordert sind, unsere sprachlichen Traditionen mit unseren Kindern zu pflegen, zu erhalten und zu erweitern. Und zwar unabhängig davon, wieviel Mundart im Kindergarten und auch später in der Schule gesprochen wird
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