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Unsere Heimat ist dort, wo wir einander vertrauen und wo wir zusammen anpacken, schreibt Jacqueline Fehr (SP). In der Schweiz sollten wir uns deshalb für das Miteinander, den Ausgleich, die Demokratie und die Freiheit stark machen, um die Herausforderungen von morgen zu meistern.
Indem wir anderen helfen und uns für das Miteinander stark machen, stärken wir die Schweiz, findet Jacqueline Fehr. Foto: ©iStockphoto.com/peter anderson
Im Wahljahr scheint das patriotische Bekenntnis zur Schweiz zur entscheidenden Gewissensfrage zu werden. Während die eine Partei die zufriedenen Schweizer umwirbt, hat sich die andere auf die unzufriedenen spezialisiert. Und die dritte bekennt ohne blau zu werden, dass sie die Schweiz von tiefstem Herzen liebt. Dahinter steht der Versuch, den Wählerinnen und Wählern zu versichern, dass man in diesem unruhigen Zeiten zum Vaterland steht. Werberische Landesverteidigung, mit der Fantasien nach dem Muster geweckt werden sollen: Nur, wer jeden Tag vor der Schweizer Fahne salutiert, alle drei Strophen – oder sind es vier? – der Landeshymne auswendig singen kann und bei Schillers Tell Tränen der heimatlichen Rührung in den Augen hat, ist auch fähig, fürs Wohl unseres Landes einzustehen.
Wollen wir die Begriffe «Heimat» und «Schweiz» wirklich zu werberischen Leerfloskeln verkommen lassen? Ist die Schweiz als unsere Heimat nicht viel mehr als oberflächliche Bekenntnisse? Alt-Bundesrat Ritschard meinte einmal: «Heimat ist dort, wo man keine Angst haben muss.» Wir fühlen uns dort zuhause, wo wir wissen, wie das Leben funktioniert und wo wir uns gut aufgehoben fühlen. Unsere Heimat ist dort, wo wir einander vertrauen und wo wir zusammen anpacken mit dem Willen, so gemeinsam auch die Herausforderungen von morgen zu meistern.
Wir können uns unsere Heimat schaffen. Wir können uns im Alltag, an der Arbeitsstelle und in der Politik für eine Gesellschaft und eine Schweiz einsetzen, die zu dem Sorge trägt, die wir gemeinsam erkämpft haben. Wir können uns im Dorf, im Quartier und im Verein für das Miteinander stark machen und uns gegen das Alle-gegen-Alle-Denken wehren. Damit schaffen wir uns unsere Heimat und damit stärken wir die Schweiz.
Miteinander
Die Schweiz ist ein Land des Miteinanders. Gemeinsam haben wir aufgebaut, worauf wir heute zählen können: von der AHV bis zur Volksschule, von der SBB bis zur ETH. Gemeinsam tragen wir zur Schönheit unseres Landes Sorge und wehren uns, wenn kurzfristige Profitinteressen das Gemeinwohl bedrohen.
Ausgleich
Die Schweiz ist ein Land des Ausgleichs. Der Schweiz geht es dann gut, wenn wir aufeinander acht geben und füreinander einstehen. Unsere Sozialversicherungen, aber auch der Wille, Brücken zwischen Stadt und Land und zwischen den Landesteilen und Sprachregionen zu schlagen, sind Ausdruck davon.
Demokratie
Die Schweiz ist ein Land der Demokratie. Wir entscheiden gemeinsam, wie unsere Zukunft aussehen soll. Wir tragen gemeinsam Verantwortung. Und wir entscheiden, wie viel wir uns mit fairen Steuern gemeinsam von dem leisten, was wir alleine nie finanzieren können: Bildung, Gesundheitsversorgung, Strassen, öffentlicher Verkehr, Polizei, Rechtssicherheit, Altersvorsorge usw.
Freiheit
Die Schweiz ist ein Land der Freiheit. Wir wollen auf eigenen Beinen stehen und selbstbestimmt über unser Leben entscheiden. Wir sagen ja zu Spielregeln, die ein faires Zusammenleben regeln, denn wir wissen, dass unsere Freiheit dort ihre Grenzen hat, wo die Freiheit des anderen beginnt. Verbote jedoch, die nur darauf abzielen, die Lebensstile und Lebensmuster einzuengen, werden als Einschränkungen und Bevormundung empfunden und abgelehnt.
Eine Schweiz des Miteinanders, des Ausgleichs, der Demokratie und der Freiheit ist bestens gerüstet für die Zukunft. Und sie bleibt unsere Heimat, denn Heimat ist dort, wo wir mitgestalten. Denn: Heimat schafft man. Indem wir eine starke Gesellschaft schaffen - eine Gesellschaft, in der wir gemeinsam Verantwortung tragen, damit alle festen Boden unter den Füssen, das Recht mitzubestimmen und die Freiheit zur Selbstentfaltung haben - unabhängig von Wohnort, Einkommen, Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Religion.
Text: Jacqueline Fehr
Jacqueline Fehr ist Vizepräsidentin der SP Schweiz, Nationalrätin für den Kanton Zürich und eine der profiliertesten Bildungs- und Familienpolitikerinnen der Schweiz. Sie hat zwei Söhne und lebt mit ihrer Familie in Winterthur.
Eine ihrer neuesten Publikationen ist das Buch «Schule mit Zukunft», das die umstrittensten Punkte der Bildungsdebatte thematisiert. Mehr dazu erfahren Sie hier: «Die Vision einer Schule der Zukunft»
Auf familienleben.ch finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).
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