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Ohne Freiwilligenarbeit wäre unser Land um vieles ärmer!

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Jede vierte Person in der Schweiz engagiert sich ehrenamtlich. Freiwilligkeit ist in einer demokratischen Gesellschaft eine Bürgertugend, die eine wichtige Ergänzung und Voraussetzung zum staatlichen Gemeinnutz ist, findet Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz (CVP).

Viele engagieren sich als Fussball-Trainer ehrenamtlich.

Jede vierte Person in der Schweiz engagiert sich ehrenamtlich, zum Beispiel als Trainer im Sportverein. Foto: ©iStockphoto.com/Sean Locke

Zum 10-jährigen Jubiläum des internationalen Jahres der Freiwilligkeit legt das Bundesamt für Statistik neue wertvolle Daten zur ausserfamiliären ehrenamtlichen Arbeit vor. Jede vierte Person in der Schweiz engagiert sich ehrenamtlich. Männer wie Frauen schenken Zeit und wertvolles Wissen. Sie engagieren sich freiwillig in Vereinen und Institutionen aus Freude am Umgang mit anderen Menschen und an ihrer erbrachten Unterstützung.

Wird zum ausserfamiliären ehrenamtlichen Engagement noch der weitaus grösste Teil der geleisteten unbezahlten Arbeit, die von Vätern und Müttern in der eigenen Familie und in ihrer Herkunftsfamilie erbracht wird, mitberücksichtigt, steigt der monetäre Wert der gesamten geleisteten unbezahlten Arbeit auf mehr als 370 Milliarden Franken jährlich. Eine beachtliche Leistung, von welcher die gesamte Gesellschaft profitiert.

Unsere Gesellschaft ist auf die Freiwilligkeit im informellen und im institutionalisierten Bereich angewiesen. Ausserhäusliche Freiwilligenarbeit setzt mindestens zwei Dinge voraus: Das Bewusstsein, dass die Qualität des Lebens in einer Gesellschaft nicht durch Nehmen, sondern vor allem durch Geben erhöht wird und die Bereitschaft, einen Teil der persönlichen Zeit für die Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Gerade dieser Zeitfaktor spielt eine immer wichtigere Rolle und hindert manche Person daran, sich zu engagieren. Denn in der heutigen Wissens- und Technologiegesellschaft haben sich die Zeitmuster völlig verändert. Viele Menschen kennen keine klaren Rhythmen mehr. Oft drängt die Berufszeit oder auch die öffentliche Zeit in die Privatzeit hinein. Eine Folge des Einzugs ins digitale Zeitalter. Wir erleben einerseits die technische Beschleunigung, angetrieben durch den ökonomischen Motor, und andererseits die Beschleunigung des sozialen und demographischen Wandels. Diese Kombination setzt die Menschen vermehrt unter Druck, da es gilt, die verschiedenen Lebensentwürfe – Beruf, Partnerschaft und Familie - zu vereinbaren. Diese doppelte Beschleunigung bleibt nicht ohne Folgen für den Einzelnen und für die Gesellschaft.

Mehr Anerkennung für Freiwilligenarbeit

Wollen wir aber als Gesellschaft weiterhin einen Teil der verfügbaren Zeit des Einzelnen zur Erbringung von unbezahlbaren, unabdingbaren und wertvollen Dienstleistungen in Institutionen und Vereinen beanspruchen, müssen wir Rahmenbedingungen schaffen. Der Stellenwert dieser Ehrenamtlichkeit und die Bedeutung der Freiwilligkeit für die Gesellschaft soll sichtbarer werden. Nur so können wir der Förderung von Freiwilligenarbeit in allen Sozialschichten und während dem ganzen Erwachsenenleben zu dem ihr gebührenden Stellenwert verhelfen.

Unsere Gesellschaft kann die Zukunft ohne freiwilligem Engagement der Bürger und Bürgerinnen nicht gestalten. Die demographische Veränderung, der ökonomische Druck auf die Sozialversicherungen und der vermehrt wiederholte Ruf nach Eigenverantwortung sind Zeichen einer möglicherweise tiefgreifenderen und nachhaltigeren Veränderung in unserer Gesellschaft. Dank der Förderung des freiwilligen Einsatzes im grösseren Familienverbund, im Quartier und in der Gesellschaft schaffen wir einen Reichtum, der sich zwar in Geld ausdrücken lässt, aber der seine Ausdrucksform vor allem in der gelebten Menschlichkeit findet – eine Menschlichkeit, die für die Kohäsion und den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft unendlich wertvoll ist.

Daher ist die gespendete Zeit wertvoll, kostbar und unersetzlich – sowohl für jene, die Zeit schenken als auch jene, die Zeit erhalten. Es ist zu wünschen, dass wir zum 10-jährigen Jubiläum einige Überlegungen zum heutigen Verhältnis von staatlicher und privater Gemeinnützigkeit anstellen. Denn Freiwilligkeit ist in einer demokratischen Gesellschaft eine Bürgertugend, welche eine wichtige Ergänzung und Voraussetzung zum staatlichen Gemeinnutz ist.

Text: Lucrezia Meier-Schatz

Lucrezia Meier-Schatz ist Nationalrätin der CVP im Kanton St. Gallen, sowie Geschäftsführerin des Dachverbandes der Familienorganisationen Pro Familia Schweiz.

Sie ist Mutter von zwei Söhnen und lebt mit ihrer Familie in St. Peterzell.

Auf familienleben.ch finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).


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