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Ständerätin Christine Egerszegi-Obrist (FDP) berichtet in ihrer Kolumne über die neue Senioren-Generation. Die ist nicht nur fit und aktiv, sondern leistet ebenso einen wertvollen Beitrag in der Freiwilligenarbeit.
Christine Egerszegi-Obrist, Ständerätin der FDP im Kanton Aargau.
Kürzlich nahm ich an einem kantonalen Alterskongress teil. Das Motto war recht aufmüpfig - positiv: «60 plus – na und? Perspektiven einer jungen Alterspolitik».
Dieses Thema geht viele etwas an; Hunderte waren gekommen. Der Anlass war interessant und räumte mit vielen Klischees auf. So bedeutet «Alt sein» alles andere als einfach «arm und gebrechlich», der «Krieg der Generationen» findet gar nicht statt, und die Zeit der «Grufties» scheint endgültig vorbei. Man spricht jetzt von Menschen im «Golden-Age» oder von «Happy-Endern».
Senioren sind besser ausgebildet und finanziell abgesichert
Ja, die neue Generation von Jungsenioren ist anders aufgewachsen, als ihre Vorgängerinnen. Sie kennen den Krieg nur noch vom Erzählen, sind besser ausgebildet und finanziell mit einer Altersvorsorge abgesichert. Die meisten haben gelernt ihre Freizeit zu gestalten, sind mobiler, fitter und selbstbewusster. Sie sind sich gewohnt, ihre Bedürfnisse und ihr Engagement weitgehend selber zu bestimmen und ihre Interessen gehen weit über Sprachkurse und Altersturnen hinaus.
Die demografische Entwicklung zeigt es deutlich: Dank besseren Lebensbedingungen und medizinischem Fortschritt leben die Menschen heute länger. Ich kann mich noch gut erinnern, dass wir früher aufhorchten, wenn im Radio zu einem 100. Geburtstag gratuliert werden konnte. Die AHV-Statistik sagt es klar: Im vergangenen Jahr haben 72 Männer und 428 (!) hundertjährige Frauen eine AHV-Rente bezogen, es gab sogar zwei 109-jährige Bezügerinnen! Ein heute geborenes Mädchen kann theoretisch mit einer Lebenserwartung von 89 und ein Knabe mit 85 Jahren rechnen.
Das sind doch erfreuliche Aussichten. Sie passen aber kaum mehr zur früheren Vorstellung, dass man sich nach der Pensionierung zurücklehnt und den wohl verdienten Ruhestand geniesst. Die neue Senioren-Generation hat nämlich nicht nur Anti-Aging, Wellness und Reisen im Kopf. Fast die Hälfte der Menschen zwischen 65 und 74 sind immer noch sehr aktiv. Viele sind in einer regelmässigen Nebentätigkeit, wirken als Berater oder leisten einen wertvollen Beitrag in der Freiwilligenarbeit. Der Umfang dieser Tätigkeiten im sozialen, kulturellen oder politischen Bereich erreicht nachweislich einen Wert von mehreren Milliarden Franken. Allein die regelmässige Enkelkinderbetreuung entspricht zwei Milliarden Cash. Der Kontakt zwischen den Generationen ist übrigens besser, als er von vielen beschrieben wird. Vom «Krieg der Generationen» kann keine Rede sein.
Vielleicht ist jetzt der Eindruck entstanden, dass das Alter nur schöne Seiten habe. Nein, nur von «Happy-Endern» zu sprechen, wäre doch etwas gewagt. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Längerlebigkeit für unsere Altersvorsorge eine Herausforderung ist, für deren Bewältigung wir im Parlament erst noch Mehrheiten finden müssen.
Wir dürfen auch nicht verdrängen, dass das Alter in schwerer Pflegegebedürftigkeit enden kann. Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit von Demenzkrankheiten und schweren Organerkrankungen zu. Wir wissen nicht, welche Fähigkeiten uns wie lange erhalten bleiben. Ein Trost gibt es: Alle Studien zeigen, je länger man aktiv ist, umso später wird man pflegebedürftig.
Das deckt sich mit meinen Erfahrungen: Ich bin überzeugt, dass man nicht einfach alt ist, weil man eine gewisse Anzahl Jahre gelebt hat, sondern dann, wenn man sich keine Ziele mehr setzen mag und wenn man die Fähigkeit verloren hat, sich zu begeistern, zu ärgern, zu freuen, zu kämpfen. Deshalb gibt es ja auch Junge, die steinalt sind. «Gruftis» gibt es fast in jedem Alter.
Ich habe an jenem Samstag viel erfahren. Nur eines blieb mir kurz im Hals stecken. Das war, als der Moderator die demografische Entwicklung als «Silber-Tsunami» bezeichnete
Text: Christine Egerszegi-Obrist

Christine Egerszegi-Obrist ist Ständerätin der FDP im Kanton Aargau.
Die Politikerin ist Mutter zweier erwachsener Kinder und wohnt in Mellingen (AG).
In ihrer Freizeit geniesst sie vor allem ihre fünf Enkel.
Auf familienleben.ch/familiensache finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).
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