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Viele Familien sind heute auf ein zweites Einkommen angewiesen. Doch der Mehraufwand lohnt sich nicht in jedem Fall, weil der Staat Familien benachteiligt, schreibt Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz. Manche haben am Ende weniger Geld übrig als zuvor.
Lucrezia Meier-Schatz findet, dass sich Erwerbsarbeit auch für Familien lohnen soll.
Das Familienleben hat sich in den letzten Jahrzehnten den Anforderungen der globalisierten und individualisierten Informations- und Wissensgesellschaft anpassen müssen. Drei von vier Eltern gehen heute einer Erwerbstätigkeit nach, denn das Einkommen eines Elternteils genügt längst nicht immer, um der Familie ein würdiges Leben zu ermöglichen. Die Mehrheit aller Familien ist daher auf ein zweites Einkommen, oft stammend aus einer Teilzeiterwerbstätigkeit, angewiesen. Die steigenden Lebenshaltungskosten aber auch die steigenden Bedürfnisse nach Aus- und Weiterbildung zwingen Familien zur steten Verbesserung ihrer Einkommenssituation. Sie übernehmen die Verantwortung für ihre Familie – ja sie handeln eigenverantwortlich, doch ihr Handeln wird längst nicht immer vom Staat honoriert und unterstützt. Ganz im Gegenteil – für viele rational denkende Menschen lohnt sich der Mehraufwand kaum. Sie steigern zwar ihre Erwerbstätigkeit, um etwas mehr Geld am Ende des Monates zu haben und doch stellen sie fest, dass sich dieser Einsatz nicht immer lohnt. Am Ende des Monates haben sie oft weniger Geld zur freien Verfügung als zuvor!
Familien profitieren nicht vom zusätzlich verdienten Geld
Vom zusätzlich verdienten Geld profitieren vor allem unterschiedliche staatliche Akteure, nicht aber die Familie! Erstens profitiert der Fiskus, denn die Progression hat zur Folge, dass Familien mit einem grösseren Arbeitspensum in aller Regel in eine höhere Progression geraten und dadurch wesentlich mehr Steuern zahlen müssen. Zweitens erhalten diese Familien aufgrund ihres höheren Familieneinkommens möglicherweise keine Prämienverbilligungen mehr. Drittens lassen sie ihre Kinder in einer Tagesstätte zwei oder drei Tage in der Woche betreuen, werden sie kaum mehr in den Genuss der günstigeren Tarife kommen. So verlieren sie mehr Geld als sie zusätzlich einnehmen.
Nicht nur mittelständische Familien werden für ihr engagiertes und eigenverantwortliches Handeln vom Staat bestraft, auch Familien in tiefen Einkommenslagen geraten in die gleiche unangenehme Ausgangslage. Das wissen vor allem all jene Familien, die schon einmal auf Sozialhilfe angewiesen waren. Ihre Anstrengungen, sich aus dieser Existenzarmut zu befreien, werden dann bestraft, wenn das Einkommen über dem Existenzminimum liegt. Dadurch verliert die Familie den Anspruch auf Sozialhilfe und die damit verbundenen Zusatzleistungen. Sie muss mehr Einkommen versteuern mit der Folge, dass sie weniger Geld zur Verfügung hat als vorher. Dieser Schwelleneffekt ist schlicht leistungshemmend.
Eine rational rein ökonomisch denkende Familie wird sich zweimal überlegen müssen, ob sich eine erhöhte Erwerbsarbeit wirklich lohnt, um mehr zu sparen und vorzusorgen. Erwerbsarbeit soll sich lohnen und die damit verbundenen volkswirtschaftlichen Leistungen anerkannt werden. Doch ein Staat, der das pflichtbewusste und eigenverantwortliche Handeln der Familien bestraft, schadet nicht nur den Familien, sondern auch sich selbst!
Text: Lucrezia Meier-Schatz

Lucrezia Meier-Schatz ist Nationalrätin der CVP im Kanton St. Gallen, sowie Geschäftsführerin des Dachverbandes der Familienorganisationen Pro Familia Schweiz.
Sie ist Mutter von zwei Söhnen und lebt mit ihrer Familie in St. Peterzell.
Auf familienleben.ch/familiensache finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).
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