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Die Ständerätin Christine Egerszegi-Obrist befürwortet ein Gütesiegel für Kindertagesstätten. Warum, beschreibt sie anhand einer persönlich erlebten Geschichte in ihrer Kolumne.
Christine Egerszegi-Obrist, Ständerätin der FDP im Kanton Aargau.
Vor kurzem las ich einen Bericht über «Schwarze Schafe bei den Krippen». Darin wurde berichtet, dass viele Eltern vor Missständen in Kinderkrippen die Augen verschliessen, weil sie für ihre Kinder gar keine Möglichkeit sehen einen anderen Betreuungsplatz zu finden. Mit dem Anstossprogramm des Bundes seien schnell viele Plätze geschaffen worden. Die zuständigen Behörden hätten zwar die Einrichtung, Finanzierung und den Stellenplan vor der Bewilligung genauestens unter die Lupe genommen, aber nach der Eröffnung dauere es teils Monate, bis die Aufsicht nachsehe, ob die Bedingungen auf dem Papier auch eingehalten würden. Mit einem Qualitätslabel will nun der Verband «Kindertagesstätten der Schweiz» den Eltern bei der Beurteilung eines Krippenplatzes helfen. Das Gütesiegel soll verschiedene Bereiche, wie Personal, Essen, Innen- und Aussenbereiche bewerten und dadurch den Eltern mehr Sicherheit geben, dass ihre Kinder tagsüber gut aufgehoben sind.
Diese Meldung hat bei mir Erinnerungen geweckt: Ich war durch meine Wahl in unseren Stadtrat zuständig geworden für die sozialen Institutionen. Genau wie mein Vorgänger – ich war die erste Frau im Rat – wurde ich von Amtes wegen auch Präsidentin des Kinderhortes. Dieser war in einem schönen, mittelalterlichen Haus untergebracht, das aber damals ziemlich renovationsbedürftig war.
Kurz nach meiner Amtsübernahme machte ich dort einen Antrittsbesuch. 34 fröhliche, lebhafte Kinder im Alter von vier Monaten bis zwölf Jahren wurden in zwei Gruppen auf zwei Stockwerken betreut. Geleitet wurde die bunte Schar nur von zwei tüchtigen Frauen. Sie wurden unterstützt durch eine gemütliche Nonna, die im Laufe des Morgens kam, kochte und den Haushalt in Ordnung hielt. Der Hort war geöffnet von morgens um sechs bis abends um sechs. Weil diese Zeitspanne weit über ein normales Arbeitspensum hinausging, war oft eine Frau allein im Haus mit über 20 Kindern. Man stelle sich das einmal vor. Das Haus liegt direkt an der Reuss!
Die beiden Betreuerinnen gaben sicher ihr Bestes, aber so konnte und wollte ich die Verantwortung für diese Kindertagesstätte nicht übernehmen. Ich stellte meine Ratskollegen vor die Wahl: Als Aufsichtsbehörde schliessen wir die Kita, wir stellen einfach mehr Mitarbeitende an oder wir ändern die Struktur radikal. Wir entschlossen uns für das letztere: Die bisherigen Betreuerinnen machten berufsbegleitend einen richtigen Abschluss als Erzieherin bzw. Krippenleiterin, wir verdoppelten das Personal und konnten so auch Praktikantinnen und Lernende ausbilden. Mit einer Änderung der Tarifordnung nach Einkommen brachten wir durch Quersubventionierungen die Finanzierung trotz Ausbau ins Lot.
Fazit: Unsere Kindertagesstätte war nicht mehr einfach ein relativ günstiger Hütedienst, bei dem die Behörden Kinder von Sozialfällen aus der ganzen Region unterbrachten, sondern eine sehr gut geführte Institution, die Kinder aus ganz verschiedenen Verhältnissen betreut und fördert.
Deshalb habe ich Verständnis für die Einführung eines Gütesiegels für Krippenplätze. Wahrscheinlich wird das nicht überall Beifall finden und ich höre schon das Gespött, dass die sinnlose Bürokratisierung überhandnehme und man wohl bald überall eine Fachhochschulausbildung brauche um in einer Kindertagesstätte zu arbeiten.
Davon kann keine Rede sein! Aber die Eltern sollten doch erfahren können, ob eine Krippe die Angaben auf dem Papier erfüllt. Und die verantwortlichen Behörden hätten einen weiteren Anhaltspunkt zur Beurteilung einer Kita.
Text: Christine Egerszegi-Obrist

Christine Egerszegi-Obrist ist Ständerätin der FDP im Kanton Aargau.
Die Politikerin ist Mutter zweier erwachsener Kinder und wohnt in Mellingen (AG).
In ihrer Freizeit geniesst sie vor allem ihre fünf Enkel.
Auf familienleben.ch/familiensache finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).
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Kommentare
Guten Tag Frau Egerszegi-Obrist
Mein Sohn geht ab Juli 2011 in eine neue Krippe, denn ich war mit der alten nicht zufrieden. Sie hatten zu wenig Personal und da haben sie meinen Sohn einfach immer wieder in eine andere Gruppe gegeben, ohne mich darüber zu informieren, abends wusste ich oft nicht wo ich ihn denn abholen muss. Für Kinder, mein Sohn ist jetzt 14 Monate, ist ein ständiger Wechsel viel zu stressig. Ich habe dann das Gespräch mit der Leitung gesucht, was mir konsequent verweigert wurde. Als ich mit der Krippenaufsicht gedroht habe, habe ich dann endlich ein Gesprächstermin erhalten. Da wurde dann mein Sohn schlecht gemacht und als sozial unterentwickelt beurteilt, und wir Eltern wurden als Sozialfälle betitelt, wir können ja froh sein, haben wir einen subventionierten Platz. Das hat mir gereicht, mich angreifen das ist das eine, aber meinen Sohn schlecht machen, das geht gar nicht. Ich habe die Krippenaufsicht informiert, und wie ich da erfahren habe, wurde diese Krippe schon mal abgemahnt. Ich befürworte also ein Gütesigel sehr, das macht es uns Eltern vielleicht ein wenig einfacher, und es können nicht einfach wie wild Krippen eröffnet werden. Meine alte Krippe will jetzt auch eine in Winterthur eröffnen, was ich nicht gut finde. Wie soll eine zweite funktionieren wenn es bei der ersten schon Probleme gibt?
Ich hoffe sehr, es passiert da bald etwas.
Freundliche Grüsse
Corinne Staubli
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