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SVP-Politikerin Silvia Blocher hat beobachtet, dass viele junge Eltern die Betreuung ihres Kindes als störende Pflicht erleben und ihr Kind lieber in Kinderkrippen oder bei Tagesmüttern abgeben. Silvia Blocher fragt sich, ob es richtig ist, ein Kind zu gebären, um es sofort freiwillig wegzugeben.
Silvia Blocher fragt sich, ob es richtig ist, ein Kind zur Betreuung in fremde Hände zu geben.
Ich freue mich jedes Mal, wenn ich junge Frauen sehe, die stolz ihr Bäuchlein im engen T-Shirt vor sich her tragen und damit aller Welt verkünden: «Seht her, ich bin schwanger!»
«Sie ist in Erwartung» heisst es oder wie meine Grossmutter zu sagen pflegte: «Sie ist in der Hoffnung». Vorfreude klingt da mit, Erwartung auf ein grosses Ereignis, das Hoffnung erweckt und wohl auch erfüllt. Das Leben geht weiter! Es erlöscht nicht einfach mit dem Ende unseres eigenen Daseins, es geht weiter, setzt sich fort.
Darum gilt den Schwangeren auch unsere Anteilnahme, deshalb freuen wir uns über die Geburt jedes Neugeborenen.
Kinderbetreuung - eine störende Pflicht?
Seit einigen Jahren beobachte ich nun aber eine Erscheinung, die mir nicht so recht zu dieser Freude, Erwartung, Hoffnung, Anteilnahme passen will: In den letzten Monaten der Schwangerschaft ist bei vielen werdenden Müttern eine unruhige Geschäftigkeit zu beobachten, die in der Frage gipfelt: Wem und wohin kann ich mein Kind geben, wenn es auf der Welt ist? Ein Kind gebären um es freiwillig wegzugeben? Wo bleibt denn nun die Freude? Wo die Hoffnung, die Erwartung? Der Sinn der Schwangerschaft liegt doch nicht in sich selbst, sondern im Kind, um das sich in der Schwangerschaft alles dreht. Dieses wird mit der Geburt zu einer Aufgabe, die Einschränkung und Verzicht mit sich bringt. Leider wird es für viele junge Eltern zur störenden Pflicht, derer man sich so gut und schnell wie möglich zu entledigen sucht. Der Schrei nach Kinderkrippen, Tagesmüttern, Tagesschulen ist unüberhörbar.
Vielleicht täte unsere Gesellschaft gut, das Kind wieder mehr als Verheissung zu sehen dafür, dass das Leben weitergeht, ein Leben voller Erwartung und Hoffnung, dem nicht genug Sorge getragen werden kann.
Text: Silvia Blocher

Silvia Blocher ist ausgebildete Primarlehrerin. Als Mutter von vier Kindern und Grossmutter von sieben Enkeln waren Kinder seit jeher Teil ihres Lebens. Wohlergehen, Erziehung in Familie und Gesellschaft und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen sind ihr ein grosses Anliegen.
Sie hat sich dazu in verschiedenen Kolumnen, Vorträgen und Fernseh-Auftritten geäussert, wobei sie sich auch kritisch mit den schulischen Neuerungen auseinandersetzt, welche sie bei Schulbesuchen und Gesprächen mit Eltern, Lehrern und Schulbehörden verfolgt.
Auf familienleben.ch/familiensache finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).
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