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Gefährdet! Was nun?

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Mehr als die Hälfte der Mittelstandsfamilien lebt nur «von der Hand in den Mund», schreibt Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz. Geld zum Sparen bleibt nur selten übrig. Die Politikerin fordert daher eine nationale Strategie zur Stärkung des Mittelstandes.

Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz von der CVP

Lucrezia Meier-Schatz weist darauf hin, dass es dringend eine nationale Strategie zur Stärkung des Mittelstandes braucht.

Ein breiter und gesunder Mittelstand garantiert den Ausgleich und die Stabilität unserer Gesellschaft. Darüber herrscht breiter Konsens und doch wurde bis anhin nie eine kohärente Strategie zur Stärkung des Mittelstandes entwickelt. Auch wenn es keine verbindliche Definition des Mittelstandes gibt, wird dieser als der Bevölkerungsteil beschrieben, der seinen Unterhalt aus eigener Kraft bestreitet aber nicht vermögend ist. Seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ermöglicht ihm eine unabhängige Lebensgestaltung, insbesondere hinsichtlich Bildung, Freizeit und sozialer Sicherheit.

Doch ohne klare Mittelstandsstrategie wird die finanzielle Belastung für diese Bevölkerungsgruppe immer untragbarer. Diese 60 Prozent der Bevölkerung tragen ihre Kosten selber, kommen kaum in den Genuss von staatlichen Unterstützungsmassnahmen, spüren aber zunehmend die Folgen der in vielen Kantonen eingeleiteten Sparpolitik, die oft mit Steuererhöhungen auf kantonaler Ebene verbunden sind. Gemessen am BIP sind ihre Belastungen durch Abgaben und indirekte Steuern in den letzten 10 Jahren stärker gestiegen als die durchschnittlichen Lohnerhöhungen.

Ein beträchtlicher Teil der Mittelschicht hat somit ökonomische Probleme in der Bewältigung des Alltags und ist dadurch mit Zukunftsängsten konfrontiert, die heute in Anbetracht der wirtschaftlichen Lage vieler exportorientierter Unternehmen und inländischer Zulieferer noch gestiegen sind. Angst vor Kurzarbeit, Erwerbslosigkeit oder auch Wut über die überhöhten Preise sind spürbar und vor allem nachvollziehbar.

Vor allem Familien sind betroffen

Ferner ist die Einkommensmobilität der Schweizer Haushalte – auch im internationalen Vergleich – nicht nur sehr gross, sondern sie hat sich in den letzten Jahren noch vergrössert. Jeder 10. Haushalt ist von einem Abstieg bedroht. Vor allem Familienhaushalte sind davon betroffen. Heute lebt mehr als die Hälfte der sogenannten Mittelstandsfamilien «von der Hand in den Mund» und hat keine Möglichkeit, durch das Ansparen von Vermögen etwas Sicherheit für schlechtere Zeiten zu generieren. Die Schere öffnet sich zunehmend. Die Folgen heissen Verunsicherung, Angst und Wut und führen zum Auseinanderklaffen der Gesellschaft. Dadurch werden der Zusammenhalt der Gesellschaft und die soziale Kohäsion gefährdet.

Die Zahl der Mittelstandsfamilien, die am finanziellen Limit leben, wächst. Auch wenn diese Mittelstandsfamilien verschiedene Einschränkungen in Kauf nehmen, haben diese Einschränkungen nicht nur kurzfristige, sondern auch langfristige Auswirkungen, fallen doch die Ersparnisse und die Renten tiefer aus. Es braucht daher nicht nur punktuelle Massnahmen zur Stärkung des Mittelstandes, sondern eine klare und vor allem mit den Kantonen koordinierte, nationale Strategie zur Stärkung des Mittelstandes.

Text: Lucrezia Meier-Schatz

Lucrezia Meier-Schatz ist Nationalrätin der CVP im Kanton St. Gallen, sowie Geschäftsführerin des Dachverbandes der Familienorganisationen Pro Familia Schweiz.
Sie ist Mutter von zwei Söhnen und lebt mit ihrer Familie in St. Peterzell.

Auf familienleben.ch/familiensache finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).

Wahlen vom 23. Oktober 2011

Drei unserer Kolumnistinnen können Sie bei den Nationalrats- und Ständeratswahlen am 23. Okotber 2011 wählen.

 

  • Lucrezia Meier-Schatz (CVP) kandidiert im Kanton St. Gallen für den Nationalrat. (Listennummer/-Platz: 06.01)
  • Christine Egerszegi-Obrist (FDP) kandidiert im Kanton Aargau für den Ständerat.
  • Jacqueline Fehr (SP) kandidiert im Kanton Zürich für den Nationalrat. (Listennummer/-Platz: 02.02)

 


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