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Wenn jemand stirbt, weckt das Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen. So auch bei SVP-Politikerin Silvia Blocher. Sie erzählt in ihrer Kolumne über den Tod und das Leben einer starken Frau, die auf Gott vertraute.
Silvia Blocher erinnert sich an das Leben einer Freundin der Familie.
Unter den angekommenen Briefen liegt eine Todesanzeige: Eine frühere Freundin unserer Familie ist 80-jährig verstorben. Obwohl ich Margrit seit Jahren nicht mehr gesehen habe, verspüre ich das Bedürfnis an ihrer Trauerfeier teilzunehmen.
Den Trauergottesdienst in der grossen bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche leitet eine Pfarrerin. Mit der Frauen in öffentlichen Diensten eigenen Stimme begrüsst sie die Trauernden. Diese tiefe Stimmlage, diesen bemüht sachlichen Tonfall kenne ich nicht nur von Pfarrerinnen, so reden auch Politikerinnen, Anwältinnen, Richterinnen. Seltsam wie sich die öffentliche Stellung in der Stimme niederschlägt. Doch in der «öffentlichen» Stimme dieser Pfarrerin schwingt noch etwas anderes mit: Betroffenheit ist hörbar, persönliche Anteilnahme.
Und so erzählt sie vom Leben der Verstorbenen und weckt in mir Erinnerungen: In einem Berner Pfarrhaus ist Margrit aufgewachsen, in einem dieser prächtigen Berner Pfarrhäuser, stattliche Patrizierhäuser in einem geordneten Garten neben der Kirche stehend, die Autorität des Pfarrers sichtbar verkündend. Ihre Erziehung umfasste Musik, Literatur, Kunst. Nach Kriegsende arbeitete sie als Sekundarschülerin während der Schulferien im Landdienst auf einem Bauernhof im Zürcher Oberland und lernte hier ihren zukünftigen Gatten kennen.
Bei der Heirat treffen Welten aufeinander: Die musisch interessierte Pfarrerstochter heiratet den stürmischen unkonventionellen Bauernsohn, der sich voller Energie und Ideen auch der Politik annimmt und entsprechend viele Arbeiten seiner Frau überlässt. Im gastfreundlichen Haushalt leben neben ihrer Familie die Schwiegereltern, ein Lehrling, die Haushaltlehrtochter. Acht Kinder hat Margrit geboren. Eines ist zweijährig ertrunken, in einem auf der Wiese zur Tränke der Kühe aufgestellten Bottich. Vornüber gebeugt war es da gestanden, das Gesichtlein im Wasser, mit seinem Spiegelbild, das es wohl gesucht hatte, verschmolzen.
Einige Jahre später dann verlor Margrit ein zweites Kind, es nahm sich im jungen Erwachsenenalter das Leben. Und dieser Tod traf sie noch schwerer als der erste, daran trug sie ihr ganzes Leben.
Zeit ihres Lebens sang Margrit im Kirchenchor. Am Klavier begleitete sie die Pfarrerin bei ihren Gottesdiensten in den Aussenwachten, Sonntagsschule hat sie gegeben, viel gearbeitet in Haus, Hof, Garten und Küche. Und immer war sie voll da, ihr ganzes volles Leben mit aller Freud und allem Leid strahlte aus ihr heraus. Wie nur konnte sie ihr Leben so positiv meistern? In der Kirche sang man die Antwort, das Lied: «Ein' feste Burg ist unser Gott.»
Vor zwei Jahren erlitt Margrit einen Schlaganfall, dessen Folgen sie mit aller Anstrengung nicht bewältigen konnte. Vor zwei Monaten gab sie auf, vielleicht ist sie freiwillig aus dem Leben geschieden.
Text: Silvia Blocher

Silvia Blocher ist ausgebildete Primarlehrerin. Als Mutter von vier Kindern und Grossmutter von sieben Enkeln waren Kinder seit jeher Teil ihres Lebens. Wohlergehen, Erziehung in Familie und Gesellschaft und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen sind ihr ein grosses Anliegen.
Sie hat sich dazu in verschiedenen Kolumnen, Vorträgen und Fernseh-Auftritten geäussert, wobei sie sich auch kritisch mit den schulischen Neuerungen auseinandersetzt, welche sie bei Schulbesuchen und Gesprächen mit Eltern, Lehrern und Schulbehörden verfolgt.
Auf familienleben.ch/familiensache finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).

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