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Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz erklärt, warum sich die Politik in der kommenden Legislaturperiode auch um die kleinen und unspektakulären Dinge kümmern muss. Dazu zählt, der Familie eine lebenswerte Umgebung zu liefern.
Lucrezia Meier-Schatz findet, dass die Familie keine kleine Rolle in der Politik spielen sollte.
Familien ziehen Kinder gross und kümmern sich um ihre betagten Angehörigen. Die Mitglieder einer Familie helfen und unterstützen sich gegenseitig, im Alltag, aber auch bei wichtigen Projekten. Sie teilen Freud und Leid, Hoffnung und Trauer. Das Kollektiv als Produkt seiner Individuen, nicht als Summe, das ist die Idealvorstellung der Familie. Damit die Realität nicht zu weit von dieser Idealvorstellung abweicht, sind regelmässige Anpassungen der Rahmenbedingungen notwendig.
Der Wahlherbst ist vorbei: Mit originellen, manchmal wilden Ideen zogen die Parteien in den Wahlkampf, einige versprachen sogar das Blaue vom Himmel, und alle präsentierten ihre Vorstellung von einer besseren Zukunft für unser Land. Oft ging in diesem Getümmel aber das Wesentliche unter. Ob jung oder alt, arm oder reich, die Familie ist und bleibt eine der zentralen Referenzen und für viele sogar ganz einfach das wichtigste im Leben, ganz egal, wie die «Familie» genau definiert wird. Gerade weil die Familie so alltäglich ist, spielt sie meist eine kleine Rolle in der Politik. Dies ist nicht gut, denn wenn wir nicht Sorge tragen zur Familie, dann entfaltet dies über kurz oder lang eine Wirkung auf die gesamte Gesellschaft.
Heute brauchen Familien drei Dinge, damit sie ihre vielfältigen Aufgaben wahrnehmen können: Zeit, Geld und passende Infrastrukturen. Zeit für die Erziehung und Pflege, ausreichend Geld, damit die Familien unabhängig vom Staat ihren Alltag meistern können, und Infrastrukturen, welche unsere Familien in ihren Aufgaben unterstützen. Zu den zentralen Infrastrukturen zählen beispielsweise Krippenplätze und Spitex-Angebote und Tagesheime zur Entlastung der pflegenden Angehörigen, welche derzeit ausgebaut werden. Zeit stellt den Gesetzgeber vor eine grosse Herausforderung. In der kommenden Legislatur wird sich das Parlament mit verschiedenen Vorlagen auseinandersetzen, die einen fordern eine Elternzeit von 24 Wochen, verteilt auf mehrere Jahren, die anderen einen Vaterschaftsurlaub von 2 Wochen, weitere Kreise verlangen eine Frei-Zeit für pflegende Angehörige. Zeit, Familienzeit wird zur Herausforderung und Familien erwarten mit Recht, dass sich das neue Parlament diesen Fragen annimmt. Der Gesetzgeber muss aber noch den Umgang mit dem Faktor Familien- und Elternzeit lernen, er kennt sich hingegen mit dem Faktor Geld aus. Vielleicht macht er genau deshalb nur kleine Schritte – und merkt dabei nicht, dass mittelständische Familien zunehmend an Kaufkraft verlieren. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, hat die CVP Schweiz zwei Volksinitiativen lanciert, eine zur sofortigen Entlastung des Haushaltsbudgets von Familien mit Kindern, eine für die langfristige Beseitigung einer Ungleichbehandlung von Eheleuten und Konkubinatspaaren. Andere Parteien haben andere Vorschläge erarbeitet, es wird Aufgabe des neu gewählten Parlamentes sein, zu klären, welche Wege die richtigen sind, um endlich den Anliegen der Mittelschichtsfamilien gerecht zu werden.
Die Schweiz ist ein erfolgreiches und attraktives Land – dank einer Politik, die schon seit langer Zeit von Verantwortung, Ausgleich und Respekt geprägt ist. Eine lebenswerte Umgebung für Familien, ein attraktiver Wirtschaftsstandort für sichere Arbeitsplätze, stabile Sozialwerke und eine nachhaltige Umweltpolitik – das ist die Schweiz, die wir haben und auch in Zukunft wollen. Zum Erfolgsrezept zählt, dass wir auch den kleinen und unspektakulären Dingen die notwendige Beachtung schenken müssen. Familien sind nicht einfach «Banalitäten des Alltags», sondern stellen einen wichtigen Faktor für das allgemeine Wohlbefinden und für die gesellschaftliche Stabilität dar. Sie übernehmen riesige Leistungen in der Betreuung, Pflege und Erziehung ihrer Angehörigen, sie kümmern sich tagein, tagaus um abertausende Menschen in unserem Land. Geben wir Ihnen also die Rahmenbedingungen, die sie brauchen, um ihre vielfältigen Aufgaben auch in Zukunft meistern zu können!
Text: Lucrezia Meier-Schatz

Lucrezia Meier-Schatz ist Nationalrätin der CVP im Kanton St. Gallen, sowie Geschäftsführerin des Dachverbandes der Familienorganisationen Pro Familia Schweiz.
Sie ist Mutter von zwei Söhnen und lebt mit ihrer Familie in St. Peterzell.
Auf familienleben.ch/familiensache finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).
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