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Eine moderne Sozialhilfe für eine starke Gesellschaft
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Die Zukunft der Kinderbetreuung in der Schweiz steht vor einer entscheidenden Weichenstellung. Wollen wir billige Hüte-Krippen oder wollen wir Kinderbetreuungsangebote, die auf Qualität setzen und die kindliche Entwicklung pädagogisch unterstützen und fördern? Wollen wir eine billige oder eine gute Kinderbetreuung? Das fragt SP-Politikerin Jacqueline Fehr.
Jacqueline Fehr sagt, dass Krippen mehr als nur ein Hütedienst sein müssen.
Eine Mehrheit ist sich einig: Das Land braucht familienergänzende Betreuungsplätze. Die Gründe für einen Ausbau des Betreuungsangebotes in Kitas [1], Tagesfamilien und Horten sind so vielfältig wie die Schweizer Parteienlandschaft: Familienergänzende Betreuung ist eine Bereicherung für die Kinder, sie fördert die Sozialkompetenz und andere Fähigkeiten der Kinder und leistet einen Beitrag zur Chancengleichheit sowie zum späteren Bildungserfolg der «Krippenkinder». Aus wirtschaftlicher Sicht trägt sie zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei, ermöglicht so die Erwerbstätigkeit für Mann und Frau, erhöht das Potenzial an gut qualifizierten Fachkräften und trägt zum Wirtschaftswachstum bei, verringert die Anzahl der Familien, die auf Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe angewiesen sind, und spült dem Staat erst noch mehr Steuereinnahmen in die Kasse.
Das Bedürfnis nach einem höheren Angebot an Betreuungsplätzen wurde mittlerweile erkannt: Das Parlament hat den Ausbau mittlerweile fast 9 Jahre mit Finanzhilfen gefördert und wird es noch bis 2015 tun. Damit konnte das Angebot bereits um über 30‘000 Plätze (Erhöhung um über 60 Prozent) ausgebaut werden. Das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement möchte die Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit Kinderbetreuungsangeboten verbessern, damit die gut qualifizierten Mütter von ihrer Ausbildung profitieren, erwerbstätig bleiben und der Wirtschaft als dringend notwendige Fachkräfte zur Verfügung stehen.
Kinderbetreuung: Es braucht Angebote hoher Qualität
Doch reicht das aus? Nein, denn es kann nicht nur darum gehen, unsere Kinder in die Krippe, resp. Kita, den Hort oder zur Tagesmutter zu bringen, damit wir zur Arbeit gehen können. Die familienergänzenden Angebote werden für die Kinder zu einem zweiten Lebensmittelpunkt. Deshalb müssen sie ihnen ein anregendes, kindgerechtes Umfeld bieten und die Betreuung durch gut qualifizierte Fachkräfte sicherstellen. Gerade wenn wir von Kitas nicht nur einen Hütedienst erwarten, sondern eine liebevolle, auf das einzelne Kind und seine Potenziale fokussierte, spannende und behütetende Betreuung und Bildung, brauchen wir Angebote von hoher Qualität. Und Qualität ist nicht gratis zu haben, dazu braucht es grundlegende Rahmenbedingungen und Investitionen vom Staat und der Wirtschaft.
Dass staatlich finanzierte Kinderbetreuung mit hoher Qualität auch zu langfristigen Erfolgen führt, macht eine neue Langzeitstudie aus Norwegen deutlich. Die Autoren der Studie untersuchten die langfristigen Effekte der Krippen-Reform von 1975. Im Zuge dieser Reform wurde das subventionierte Betreuungsangebot für Kinder im Vorschulalter massiv ausgebaut. Die Resultate sprechen für sich: Die norwegischen «Krippenkinder» profitieren auch noch nach 30 Jahren von ihrem Kitabesuch und zwar in Bezug auf ihr Bildungsniveau, auf ihre Integration im Arbeitsmarkt und auf ihre Unabhängigkeit von der Sozialhilfe.
Diese langfristigen, positiven Effekte auf die Chancengleichheit, den Bildungserfolg und den Erfolg in der Arbeitswelt sind aber nur möglich, wenn die Kinderbetreuung von hoher Qualität ist und Kitas auch Bildungsorte sind.
Billig-Kitas: Der richtige Weg?
Völlig quer schlägt in diesem Zusammenhang die Offensive der FDP für «Billig-Kitas». Sie fordern Kindertagesstätten, die vor allem billig sind. Um die Kosten zu senken (über 80 Prozent in einer Kita sind Personalkosten) soll auf ausgebildetes Personal verzichtet werden. Nach Vorstellung der Freisinnigen werden wir also künftig unsere Kamine von ausgebildeten und zertifizierten Kaminfegern reinigen, unsere Kleinsten aber von unqualifizierten, vor allem günstigen Betreuerinnen betreuen lassen.
Wollen wir das? Wollen die Eltern ihre Kinder in solche Einrichtungen bringen? Und wie will man hier sparen, wenn man weiss, dass selbst die Löhne für ausgebildete Erzieherinnen sehr tief sind? Will die FDP letztlich gar zurück zur Gratisarbeit? Weil Frauen ja so gerne für Gotteslohn arbeiten?
Statt über solche Sackgassen zu diskutieren ist es Zeit, dass auch Bund und Kantone ihre Verantwortung für die frühkindliche Bildung und Betreuung erkennen und wahrnehmen. Dies fordert nun auch der Schweizerische Wissenschaftsrat – ein beratendes Gremium des Bundesrates: In seinen Empfehlungen zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation verlangt er von Bund und Kantonen, die Bildungslandschaft als Ganzes – also auch die frühkindliche Bildung und Betreuung – in den Blick zu nehmen. Der Wissenschaftsrat setzt dabei das Wohl der Kinder ins Zentrum und fordert ein breites, umfassendes und qualitativ hochstehendes Angebot an frühkindlicher Bildung und Betreuung. Er schlägt deshalb vor, dass Bund und Kantone vermehrt kooperieren und ein umfassendes Entwicklungs- und Bildungskonzept ausarbeiten, das auch den Frühbereich berücksichtigt.
Dass die Förderung der Qualität durch Bund und Kantone längst überfällig ist, zeigt auch die Tatsache, dass die Praxis mit gutem Beispiel vorangeht und mit Projekten wie bildungskrippen.ch, «Bildungs- und Resilienzförderung im Frühbereich» (Marie Meierhofer Institut für das Kind) und «Orientierungsplan für frühkindliche Bildung in der Schweiz» (Schweizerische UNESCO-Kommission und Netzwerk Kinderbetreuung Schweiz).
In der nächsten Legislatur ist es am neu zusammengesetzten Parlament, etwas zur Sicherung und Förderung der Qualität in der familienergänzenden Kinderbetreuung beizutragen. Mögen dabei die Erkenntnisse der Wissenschaft, die Erfahrungen der Praxis und die Empfehlungen der Expertinnen und Experten gehört werden. Damit wir künftig in der Schweiz nicht nur eine ausreichende, sondern auch eine gute Kinderbetreuung haben. Weil die Kinder es uns wert sind!
[1] Kita = Kindertagesstätte. Eine Kita ist das selbe Angebot wie eine Kinderkrippe. In einer Kita oder Krippe werden Kinder im Vorschulalter betreut.
Text: Jacqueline Fehr

Jacqueline Fehr ist Vizepräsidentin der SP Schweiz, Nationalrätin für den Kanton Zürich und eine der profiliertesten Bildungs- und Familienpolitikerinnen der Schweiz. Sie hat zwei Söhne und lebt mit ihrer Familie in Winterthur.
Eine ihrer neuesten Publikationen ist das Buch «Schule mit Zukunft», das die umstrittensten Punkte der Bildungsdebatte thematisiert. Mehr dazu erfahren Sie hier: «Die Vision einer Schule der Zukunft»
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Kommentare
Also entweder das Kind in eine überteuerte Kita schicken und deswegen am Hungertuch nagen oder das Kind zuhause behalten, den Job aufgeben und deshalb das arme Sparschwein jeden Monat bis auf den letzten Rappen auspressen? Sind ja gute Aussichten.
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