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Wunschzettel für die Familien

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Familien sind vielfältig. Ihre Wünsche sind es auch. Und trotzdem wünschen sich viele Familien viel Ähnliches. Die Nationalrätin und Vizepräsidentin der SP, Jaqueline Fehr, hat auf ihrem eigenen Wunschzettel sieben Wünsche für ein familienfreundlicheres Jahr 2012 festgehalten.

Jacqueline Fehr über Familenwünsche

Jacqueline Fehr wünscht sich eine kind- und chancengerechtere Schweiz.

1. Verständnis für Kinder und ihre Eigenheiten

Kinder haben einen grossen Bewegungsdrang und sind meist laut. Manchmal möchten sie aber auch ihre Ruhe haben und sich zurückziehen können. Kinder sind oft ungeduldig und ich-bezogen. Sie wollen Aufmerksamkeit und haben viele Fragen. Kinder wollen etwas tun können. Und wenn dabei mal etwas schief geht, geht keine Welt unter. Kinder suchen eigene Wege und stellen uns auch mal in Frage. Kinder gehören sich selber und sind weder unser Besitz noch unsere Zierde.

2. Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit Jugendlichen

Jugendliche wollen Reibung und auch Streit. Sie wollen ernst genommen werden und drängen nach Autonomie. Gleichzeitig sind sie darauf angewiesen, dass wir ihnen Sicherheit und Vertrauen schenken. Einfach so, bedingungslos.

3. Spielplätze und Begegnungsorte für Familien 

Unser Lebensraum gibt uns viel vor. Die Freiräume sind klein. Kinder brauchen aber Orte, wo sie sich austoben, soziale Beziehungen ausprobieren und Freundschaften schliessen können. Spielplätze und Familientreffpunkte sind solche Orte.

 

4. Sichere Kindergarten- und Schulwege

Kinder ziehen los, raus ins Leben. Ihre Wege führen oft über Strassen und Plätze. Wer immer an der Hand geführt wird, verliert das Selbstvertrauen. Deshalb müssen Kindergarten- und Schulwege so gestaltet sein, dass Kinder dort sicher alleine unterwegs sein können. Denn Geheimnisse zu haben und eigene Schritte zu tun, ist genial.

5. Krippen und Kindertagestätten, die bezahlbar sind und eine gute Betreuung bieten 

Krippen und Kindertagesstätten sind Inseln für Kinder. Sie finden dort eine Welt vor, die für sie geschaffen wurde. Viele andere Kinder, regelmässige und berechenbare Tagesabläufe, vielfältige und anregende Tätigkeiten und Erlebnisse prägen den Alltag. Doch längst nicht alle Kinder können von diesen Möglichkeiten profitieren. Zum einen fehlen nach wie vor viele Plätze, zum anderen sind die Angebote oft zu teuer, insb. für Mittelschichtsfamilien. Hier braucht es eine stärkere staatliche Unterstützung.

6. Tagesschulen und Aufgabenhilfe

Wer kennt nicht den Stress und die schlechte Laune im Haus, wenn’s spätabends um die Hausaufgaben geht. Die Tage sind für unsere Kinder sehr lang, weil wir nach wie vor am Konzept von langen Mittagszeiten und viel Hausaufgaben festhalten. Das ist weder kind- noch chancengerecht. Strukturieren wir die Tage für unsere Kinder so, dass sie das Gros der Aufgaben in der Schule erledigen können: damit alle einmal Feierabend haben.

7. Finanzielle Unterstützung für mittlere und tiefe Einkommen

Wer Kinder hat, trägt hohe finanzielle Lasten und schultert hohe Kosten. So sind beispielsweise die Ferienorte ausgerechnet dann am teuersten, wenn die Familien Ferien machen «müssen“. Bei den Wohnungsmieten sind Familien ebenfalls im Hintertreffen.  Wie oft sehen sie zu wie eine schöne Familienwohnung an ein kinderloses Paar geht, weil dieses einfach mehr zahlen kann. Um die ungleich langen Spiesse wenigstens ein bisschen abzumildern, braucht es Ausgleichsmechanismen zwischen Haushalten mit und solchen ohne Kinder: Steuergutschriften, höhere Kinderzulagen, tiefere Krankenkassenprämien und mehr genossenschaftlicher Wohnraum leisten einen Beitrag zu einer Gesellschaft, die Familien tatsächlich unterstützt und diese nicht nur in Sonntagsreden huldigt.

Fröhliche Weihnachten! Auf ein familienfreundliches 2012!

Text: Jacqueline Fehr

Jacqueline Fehr ist Vizepräsidentin der SP Schweiz, Nationalrätin für den Kanton Zürich und eine der profiliertesten Bildungs- und Familienpolitikerinnen der Schweiz. Sie hat zwei Söhne und lebt mit ihrer Familie in Winterthur.
Eine ihrer neuesten Publikationen ist das Buch «Schule mit Zukunft», das die umstrittensten Punkte der Bildungsdebatte thematisiert. Mehr dazu erfahren Sie hier: «Die Vision einer Schule der Zukunft»

 

Auf familienleben.ch/familiensache finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).

 


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