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Silvia Blocher schreibt in ihrer Kolumne über ein Lied von Paul Burkhard, das es ihr besonders angetan hat. Sie erzählt, warum dieses Lied so treffend die Gedanken von Müttern und Vätern beschreibt.
Silvia Blocher spricht das Lied «Kei Mueter weiss» von Paul Burkhard aus dem Herzen.
Paul Burkhard, dessen 100sten Geburtstag wir 2011 feierten, ist vor allem bekannt durch die Melodie von «O mein Papa» oder vom Musical «Die kleine Niederdorfoper» mit dem Lied «De Heiri hät es Chalb verchauft». Steigender Beliebtheit erfreut sich sein Musical «D'Zäller Wiehnacht», ein musikalisches Krippenspiel mit Mundartliedern für Kinder. Ein Lied daraus hat es mir besonders angetan: «Kei Mueter weiss, was ihrem Chind wird gscheh, kei Mueter chan i d'Zuekunft gseh. Ob ihres Chind muess liide, oder ob mer's gar wird beniide? Kei Mueter weiss, was ihrem Chind wird gscheh.»
Jeder Mutter und jedem Vater von erwachsenen Kindern wird dieses Lied aus dem Herzen sprechen. Erinnerungen werden wach an frühere friedliche Zeiten, als der Säugling friedlich schlummernd oder selig lächelnd dalag, die Zukunft offen vor sich, begleitet von den besten Wünschen von Verwandten und Freunden. Doch schon bald wich die Idylle den Trotzphasen, den kräftigen, nicht immer angenehmen Willenskundgebungen des Dreikäsehochs.
Am ersten Schultag dann waren alle Hoffnungen auf Glanzresultate im Lesen, Rechnen, Schreiben ausgerichtet und wurden leider schon bald enttäuscht: Mittelmass, Unaufmerksamkeit, schlechtes Benehmen, Streit auf dem Pausenplatz und Schulweg, überforderte Lehrerinnen ... Die Kinder müssen sich den Ungerechtigkeiten der Welt stellen, und tun dies oft in einer Weise, die die Eltern enttäuscht. Geduld, Verständnis und stetes Begleiten sind nötig, damit die Kinder ihren eigenen richtigen Weg finden.
In der Pubertät zeigt das Kind vollends Eigenheiten, die den Eltern fremd sind, die sie nicht einordnen können, weil sie nicht ihren Vorstellungen von ihrem Kind entsprechen. Auch da gilt es, Freiheiten zu gewähren, damit sich der junge Mensch seiner Bestimmung gemäss entfalten kann, und gleichzeitig Halt und Hort zu bieten. «Kei Mueter weiss, was ihrem Chind wird gscheh, kei Mueter chan i d'Zuekunft gseh. Wird ihres Chind riich erbe, oder als arme Bättler schtärbe? Kei Mueter weiss, was ihrem Chind wird gscheh.»
Für Maria, die Mutter Jesu, haben diese Worte eine Bedeutung von so unglaublichem Ausmass gehabt, wie sie uns Gewöhnlichen gottlob erspart bleibt. Als 11-Jähriger sitzt Jesus in der Synagoge und lehrt die Schriftgelehrten. Später zieht er mit Jüngern übers Land, vollbringt Heilungen, Wunder, predigt Unmögliches, legt sich mit den Pharisäern an, macht von sich reden, lebt ein völlig unangepasstes Leben und wird deshalb in jungen Jahren zum Tode verurteilt und gekreuzigt. «Kei Mueter weiss, was ihrem Chind wird gscheh, kei Mueter chan i d'Zuekunft gseh. Dient er emal am Böse, oder chan er eus alle erlöse? Kei Mueter weiss, was ihrem Chind wird gscheh.»
Text: Silvia Blocher

Silvia Blocher ist ausgebildete Primarlehrerin. Als Mutter von vier Kindern und Grossmutter von sieben Enkeln waren Kinder seit jeher Teil ihres Lebens. Wohlergehen, Erziehung in Familie und Gesellschaft und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen sind ihr ein grosses Anliegen.
Sie hat sich dazu in verschiedenen Kolumnen, Vorträgen und Fernseh-Auftritten geäussert, wobei sie sich auch kritisch mit den schulischen Neuerungen auseinandersetzt, welche sie bei Schulbesuchen und Gesprächen mit Eltern, Lehrern und Schulbehörden verfolgt.
Auf familienleben.ch/familiensache finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).
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