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Wenn der Zahnarzt nicht mehr bezahlt werden kann

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Kinderarmut im reichsten Land der Welt, ist ein politisches Versagen, meint SP-Nationalrätin Jaqueline Fehr. Erst kürzlich lieferte das Bundesamt für Statistik die neuesten Zahlen: Mehr als 250 000 Kinder leben unterhalb der Armutsgrenze. Frau Fehr erklärt auf familienleben.ch, was die Politik endlich gegen Kinderarmut tun muss.

Jacqueline Fehr über Kinderarmut in der Schweiz

Armut raubt Bildungschancen. Um den Ärmsten und Kleinsten gerechte Lebenschancen zu ermöglichen, muss die politische Klasse endlich Prioritäten setzen, findet Jaqueline Fehr.

Eine Zahnarztrechnung, ein demoliertes Velo, eine kaputter Kühlschrank – unerwartete Ausgaben bringen immer mehr Familien in finanzielle Schwierigkeiten. Gemäss den neusten Zahlen des Bundesamtes für Statistik kommt eine von vier Familien bei einer solchen Ausgabe in eine Notsituation. Sie muss sich bei Freunden oder Bekannten verschulden oder den Gang zum Sozialamt antreten. Das kann nicht sein! In der Schweiz, dem nach wie vor reichsten Land der Welt, ist Familienarmut ein politisches Versagen.

Kinder kosten Geld

Die Gründe sind vielfältig. Und die Handlungsmöglichkeiten sind es auch. Die Fakten sind klar: Kinder kosten Geld und schränken die verfügbare Erwerbszeit ein. Wo keine Kinderbetreuung angeboten wird, diese zu teuer ist oder eine Scheidung das Leben zusätzlich verteuert, wird es eng. Fehlende oder zu geringe Alimente können in der Regel nicht oder nur zum Preis der systematischen Überlastung durch Erwerbsarbeit kompensiert werden.

 

Eine immer ungleichere Einkommensverteilung bringt tiefe und zunehmend mittlere Einkommen in Schwierigkeiten. Nebst den stagnierenden Löhnen schenken hier vor allem die Kosten fürs Wohnen und für die Krankenkassen ein.

Und das können wir gegen Familienarmut tun:

  1. Prämienlast senken

  2. Löhne erhöhen

  3. Wohnen erschwinglich machen

  4. Kinderbetreuung anbieten

  5. Alimente und Stipendien ausbauen

 

Soziale Absicherung statt neue Kampfflugzeuge

In den letzten Jahren haben wir familienpolitisch einige Fortschritte gemacht: Wir konnten mit der Anstossfinanzierung für familienergänzende Betreuung 30 000 neue Betreuungsplätze schaffen. Im Zuge dieser Entwicklung wurde auch HarmoS (Konkordat zur Harmonisierung der obligatorischen Schule, Anm. d. Red.) mit der obligatorischen Betreuung im Schulalter mehrheitsfähig. Die Mutterschaftsversicherung schaffte das Volksmehr. Die Kinderzulagen wurden harmonisiert und leicht erhöht und die Familienbesteuerung kennt neu einen Abzug vom Steuerbetrag.

Doch bei der Armutsbekämpfung bleibt die Politik die Antworten schuldig. Nach wie vor sind rund 250 000 Kinder in der Schweiz von Armut betroffen. Sie werden um einen beträchtlichen Teil ihrer Bildungschancen beraubt und laufen grosse Gefahr, als Erwachsene selber in der Armutsfalle gefangen zu bleiben. Das kann uns nicht egal sein! Genau deshalb braucht es die Stimmen aller, die sich über dieses Politikversagen empören. Auch Ihre! Machen Sie Ihren Politikerinnen und Politikern klar, dass sie nicht neue Kampfflugzeuge zur Sicherheit gegen einen imaginären Feind, sondern endlich eine Politik für die soziale Sicherheit unserer Kinder wollen. Und machen Sie klar, dass die Politik in den letzten Jahren die falschen Prioritäten gesetzt hat, wenn heute jede vierte Familie nicht weiss, wie sie eine überraschende Zahnarztrechnung zahlen soll.

Text: Jacqueline Fehr

Jaqueline Fehr, Nationalrätin und Vizepräsidentin SP Schweiz

Jacqueline Fehr ist Vizepräsidentin der SP Schweiz, Nationalrätin für den Kanton Zürich und eine der profiliertesten Bildungs- und Familienpolitikerinnen der Schweiz. Sie hat zwei Söhne und lebt mit ihrer Familie in Winterthur.
Eine ihrer neuesten Publikationen ist das Buch «Schule mit Zukunft», das die umstrittensten Punkte der Bildungsdebatte thematisiert. Mehr dazu erfahren Sie hier: «Die Vision einer Schule der Zukunft»

 

Auf familienleben.ch/familiensache finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).

 


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